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aus den verschiedensten Gründen unterprivilegiert. Neben den Tieren waren es wilde Kinder, die in den verschiedensten Wäldern Europas hausten, Säuglinge und Kleinkinder, aber auch exotische Völker und sogar Taubstumme, von denen man sich Einsichten in die„Stunde Null“ menschlicher Sprache und Kultur versprach.
Die Preisfrage gewann Herder. Nach seiner Auffassung filtert der Mensch aus der Vielzahl von Sinneseindrücken, die gleichzeitig auf ihn einströmen, bewusst bestimmte Einzelmomente heraus. So sei ihm der Blöklaut des Schafes als das zentrale Charakteristikum dieser Gattung erschienen. Fortan habe der sorgsam lauschende Mensch den Blöklaut„bä“ zur Bezeichnung des Schafes benutzt.
Der Sprachursprung wird aber nur ein Thema unter einer Vielzahl von Problemstellungen sein, die im Rahmen der internationalen Tagung„Geschichte der Sprachwissenschaft in Texten und Konzepten“ behandelt werden. Die Konferenz, die vom 15. bis 17. November dieses Jahres an der Potsdamer Uni stattfindet, wurde von Prof. Dr. Gerda Hassler, Institut für Romanistik, initiiert und steht in unmittelbarem Zusammenhang zu dem von ihr geleiteten DFG-Forschungsprojekt„Onomasiologisches Lexikon Sprachtheoretischer Grundbegriffe“.
Insgesamt 84 Beiträge stehen auf dem sehr facettenreichen Programm; Gäste aus 16 Ländern werden erwartet. Das Spektrum der Vorträge reicht von Sprachursprungstheorien in
Keltische Wurzeln des Englischen
Englisch im Westen Irlands klingt völlig anders als Englisch in der Londoner Innenstadt oder auf den schottischen Highlands. Erstmals seit rund 50 Jahren treten die regionalen Unterschiede des Englischen auf den Britischen Inseln und in Irland wieder aus dem Schatten staatlich verordneter Standardsprachlichkeit hervor. So drängen Scots, eine Schwestersprache des Englischen, und auch Ulster Scots nach offizieller Anerkennung als Amtssprachen in die jeweiligen Regionalparlamente. Das neue sprachliche Selbstbewusstsein grenzt sich vom Standardenglischen vor allem dadurch ab, dass die Unterschiede zum Standard auf Jahrhun
derte währender Normabweichung mit den fünf Regionalsprachen, Welsh, Irish Gaelic, Scottish Gaelic, Manx und Cornish, beruhen. Aber auch das Standardenglische selbst weist viele Züge auf, die den keltischen Sprachen sprachtypologisch ähnlicher sind als den mit dem Englischen historisch eng verwandten germanischen Sprachen, wie beispielsweise dem Deutschen oder Isländischen. Welche Gründe dafür angegeben werden können, diskutierten die Teilnehmer des Kolloquiums zu den„Celtic Englishes“ Ende September. Unter anglistischem, germanistischem, keltologischem, archäologischem und historischem Blickwinkel
Wie klingt die Schweiz?
Eine Tagung lieferte Hörbeispiele
Mit Fragestellungen im Schnittpunkt von Moralität, Kultur und Politik beschäftigte sich bereits im Februar eine Tagung, deren Mitinitiator Prof. Dr. Ette vom Romanistischen Institut der Universität Potsdam war. Unter dem Motto„Toleranz und Differenz“ trat Wissenschaft damals in einen Dialog mit Politik. Vor kurzem nun trat sie in den Dialog mit Kultur. Wiederum von Ette organisiert, trafen sich im Rahmen der Begegnungswoche des Landes Brandenburg mit der Schweiz Wissenschaftler, Mundartspezialisten, Radiomoderatoren, Komponisten und auch Musiker zu einer Tagung unter dem Titel„Die Schweiz ist Klang“ im Alten Rathaus. Sie präsentierten ein von Viel
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sprachigkeit und Vielstimmigkeit geprägtes Land, in dem gesellschaftliche Polyphonie und kulturelle Vielfältigkeit seit Jahrhunderten eine konstitutive Rolle spielen.
Mit einer intermedialen, literarisch-musikalischen Form einerseits sowie durch das Spektrum der Referenten andererseits zeigte sich das Konzept der Tagung insgesamt von einer experimentellen Seite. Es präsentierte sich als eine Mixtur aus Popkonzert und wissenschaftlich fundiertem Kolloquium. Adressat war ein gemischtes, vorzugsweise junges Publikum, das weniger auf Wissen als auf Sinnlichkeit rekurrierte und das neugierig war, einem Land jenseits von Alphorn, Schokolade, Uhren und Ban
der chinesischen Mythologie über Fachsprachenfin(der[Antike /bis hin zur deutschen Sprachwissenschaft der Nazi-Ära. Die Sprachtheorie des Aristoteles ist ebenso Gegenstand wie diejenige Humboldts oder Saussures. Die Syntax der spanischen Sprache im 18. Jahrhundert steht ebenso auf der Tagesordnung wie die Terminologie der englischen Grammatik in der frühen Neuzeit. pg
Die Tagung findet vom 15. bis 17. November 2001 auf dem Uni-Komplex Am Neuen Palais statt. Interessenten finden das vollständige Tagungsprogramm unter http: //www.uni-potsdam.de/u/ romanistik/hassler/projekt /index.htm
wurden Aspekte der Verschiedenheiten des Englischen von der germanischen Sprachfamilie und ihre Annäherung an die keltischen Sprachen vorgestellt. Ebenso wurde die Herausbildung derjenigen kontaktbedingten linguistischen Eigenschaften des englischen Standards diskutiert, die letztlich seinen Erfolg als Weltverkehrssprache ermöglichen. Prof. Dr. Hildegard L. C. Tristram, Institut für Anglistik und Amerikanistik
Weitere Informationen zur Konferenz sind unter http: //www.celtic-englishes.de abrufbar.
ken zu begegnen. Beabsichtigt war nicht zuletzt, neue eidgenössische Identitäten zu vermitteln, da die Schweiz, die als politisches Gebilde lange Zeit als modellhaft in Europa galt, mittlerweile selbst ein Darstellungs- und Selbstverständnisproblem hat.
So stand eine in Ansätzen transkulturelle Region im Mittelpunkt, die als durchaus beispielhaft für ein„Zusammenleben in der Differenz“ angesehen werden kann. Deutlich wurde, dass ihr Reichtum weit über das Monetäre hinausgeht und vielmehr darin besteht, dass verschiedene Kulturen einander sich nicht nur tolerieren, sondern die jeweils fremden Elemente zu integrieren vermögen. tp
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