Intelligenz hat
viele Facetten
Psychologen entwickeln differenzierten Intelligenztest für Kinder
Bekanntlich ist Intelligenz eine sehr komplexe Fähigkeit. Es geht um Denken, um schnelles Erfassen wesentlicher Elemente einer Situation, um das Lösen von Problemen, ja überhaupt um die erfolgreiche Auseinandersetzung mit der Umwelt. Dieser komplexe Charakter von Intelligenz ist wohl die Ursache dafür, dass Kinder- und Jugendpsychologen, aber auch Eltern und Lehrer mit einem einzigen globalen Intelligenzmaß, den IQ, nicht allzu viel anfangen können. Nötig wäre eine Instrumentarium zur differenzierten Einschätzung der Intelligenzleistung. Daran arbeiten Uwe Schaarschmidt, Professor für Persönlichkeitspsychologie und Differentielle Psychologie und sein Potsdamer Uni-Team in Kooperation mit österreichischen und Schweizer Kollegen.
—_ er wissenschaftliche Grundansatz der
|) Forschungsgruppe besteht darin, den
Komplex Intelligenz zu Diagnosezwe
cken wenigstens teilweise und auch spezifisch
für Kinder von dreieinhalb bis achteinhalb Jahren aufzulösen.
„Unsere Tests folgen verschiedenen Niveaustufen der kognitiven Verarbeitung und enthalten Aufgaben, die im einen Falle Nutzung kindlichen Alltagswissens ermöglichen und im anderen Falle wissensunabhängige Denkleistungen erfordern“, erklärt Uwe Schaarschmidt und präsentiert verschiedene Testbildreihen, die den Kindern vorgelegt werden.
Stufen— Tests
Am einfachsten sind die Aufgaben auf der Niveaustufe„Herauslösen.“ Die Kinder bekommen zum Beispiel Kärtchen mit Bildern von einem Hasen, einer Birne und einem Schulheft. Sie werden aufgefordert, das„Tier“ zu benennen.
Schwieriger sind Anforderungen zum„Vergleichen“(Katze-Schaf-Abbildung). Beim Vergleich der drei übereinander liegenden Abbildungsreihen weisen die Kinder nach, ob sie die Orts- und Mengenveränderungen, bezogen auf
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Prof. Dr. Uwe Schaarschmidt arbeitet an einem neuen
von Kindern erfasst werden kann.
die Katzen- oder Schafbilder, richtig erfasst haben. Noch höher zu bewerten sind Aufgaben in Zusammenhang mit„Analogieanforderungen“. Hierbei wird beispielsweise den Kindern auf vier geordneten Bildkärtchen eine Geschichte erzählt. Dann erhalten sie vier ungeordnete Kärtchen einer analogen Geschichten mit etwas verändertem Inhalt. Kinder, die logisch denken können, vollbringen die intellektuelle Leistung „Analogieschluss“ und ordnen die neuen Karten in richtiger Abfolge.
Wichtige Entscheidungshilfe
Jeder Proband hat— betreut von einem Studierenden— jeweils ı2 Aufgaben auf den drei Niveaustufen zu lösen. Da die Aufgabeninhalte den Kindern zum Teil bekannt, zum Teil unbekannt sind, wurde letztendlich die sehr komplex strukturierte Intelligenz der Kinder in sechs „Struktureinheiten“ differenziert: Herauslösen (Bekanntes/Unbekanntes), Vergleichen(Bekanntes/Unbekanntes) und Analogiedenken (Bekanntes/Unbekanntes).
Zur Zeit werden für diese sechs unterschiedlichen Anforderungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz noch etwa 2000 Kinder getestet.
Forschung
portal/novo1/forschung.htm
www.uni-potsdam.de
Instrumentarium, mit dessen Hilfe die Intelligenz
Auf den Ergebnissen aufbauend, lassen sich anforderungsspezifische Skalen für eine differenzierte Ermittlung des Intelligenzprofils entwickeln. Zukünftige Untersuchungen von Kindern geben dann nicht nur Auskunft über das Ausmaß, sondern auch über die Besonderheiten der intellektuellen Leistungsfähigkeit. Damit wird eine solidere Grundlage für Einschulungsentscheidungen, für spezielle Fördermaßnahmen bei Entwicklungsrückstand und auch für die Früherkennung besonders begabter Kinder geschaffen. Armin Klein
Foto: Fritze
Tierisches Testbild. Die Kinder sollen Orts- und
Mengenveränderungen erkennen.
Portal 11/01