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(1.1.2019) 12
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gesehen werden muss. Aus theoretischer Sicht hängt der langfristige Wechselkurs einerseits von den internationalen Inflationsdifferenzen und den Unterschieden im Zinsniveau USA-Euro­land ab; andererseits aber auch vom Unterschied in den realen Wachstumsraten des Sozialpro­dukts.

Solange international niedrige Zinssätze herrschen und die USA beziehungsweise Japan nicht in eine tiefe Rezession abrutschen, herrscht eine stabilitätspolitisch günstige Groß­wetterlage, die es für problemadäquate Politik­maßnahmen zu nutzen gilt. Überzeugungsarbeit in Großbritannien

Mit dem Euro-Bargeldstart wird sicher in Groß­britannien, das noch auf sein altes Pfund setzt, der Druck größer werden, das von Tony Blair ver­sprochene Euro-Referendum in Gang zu setzen. Der Euro-Befürworter Blair wiederum wird sei­ne Landsleute um so eher vom Nutzen des Euro­Beitritts überzeugen können, je mehr eine Sta­

bilisierung des Euro-Außenwerts gelingt. Es ver­steht sich, dass das internationale Vertrauen in die neue Euro-Währung steigen würde, wenn erst mit dem dynamischen Finanzzentrum Lon­don der führende internationale Devisenhan­delsplatz und wichtige Standort für Investment­banking in Euroland Platz hätte.

Der Euro dürfte auch außerhalb von Euro­land rasch populär werden, und zwar insbeson­dere bei osteuropäischen Beitrittsländern. Dank der EU-Beitrittsperspektive ist das Interesse vie­ler Beitrittskandidaten an einer frühen Euro­

Portal 12/01

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Fast identisch

Der Euro besteht aus sieben Banknoten und acht Münzen. Während die Banknoten in allen zwölf Ländern des Euroraums identisch sind, haben die Münzen neben einer gemeinsamen Vorderseite eine nationale Rück­seite. Über die Stabilität der Kaufkraft des Euros wacht die Europäische Zentralbank, gemeinsam mit den nationalen Zentralbanken des

Währungsgebietes.

Der Name

Red.

Auf den NamenEuro kam man beim EU-Gipfel im Dezember 1995 in Madrid. Keine der bisher existierenden Währungen hieß so, so dass sich die Bürger aller teilnehmenden Länder gleichermaßen umstellen

müssen.

Anbindung also Festkursen gegenüber dem Euro recht groß. Aus verschiedenen Gründen ist eine solche Strategie allerdings fragwürdig. Die Deutsche Bundesbank gehört zu den Skepti­kern, wenn es darum geht, osteuropäische Neu­mitglieder der EU mit geringen Pro-Kopf-Ein­kommen rasch im Euro-Club willkommen zu heißen. Selbst wenn die soge­nannten Konvergenzkriterien von Euroland erfüllt wären, hier geht es um Grenzen der staatlichen Kreditaufnahme und eine geringe Inflationsrate, werden die zwölf Euro-Länder gut daran tun, keine sehr rasche Anbindung des Euros in Osteuropa zu befürwor­ten.

Je erfolgreicher allerdings die Schlussphase der Euro-Einführung wird, um so größer wird der Druck in osteuropäischen Ländern sein, sich fest an den Euro zu hängen. Wenn dies in den alten EU-Ländern erhöhte Strukturfondsausga­ben für arme Euro-Neumitglieder zur Folge hät­te, so wäre die EU-Osterweiterung mit neuem politischen Zündstoff befrachtet.

Mit dem Euro wird die EU weltweit verstärkt als wirtschaftliche und politische Einheit wahr­genommen werden. Die Erwartungen an die EU werden steigen, die Verantwortung der Mit­gliedsländer und der Kommission wie der Euro­päischen Zentralbank wird wachsen. Es wäre wünschenswert, dass Euroland nicht nur seine wirtschaftspolitischen Hausaufgaben mit Blick auf eigene Interessen macht, sondern auch die Außen- und gegebenenfalls Vorbildwirkung eines großen Währungsraums bedenkt.

Prof. Dr. Paul J. J. Welfens, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät

Weitere Infos unter http://www.euroeliw.de und in Welfens/Eichhorn/Palinkas, Euro neues

Red.

Paul J.J. Welfens bekleidet an der Uni Potsdam die Professur für Wirtschaftspolitik mit dem Schwerpunkt

Internationale Wirt­schaftsbeziehungen.

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