Heft 
(1.1.2019) 12
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Nachgefragt:

Prof. Dr. Detlev Hummel über die Bedeutung des Euros für die internationale Finanzwelt

Die Einführung des Euro steht unmittelbar bevor. In den europäischen Banken herrscht Hochbe­trieb. Portal-Redakteurin Petra Görlich fragte bei Detlev Hummel, Inhaber der Professur für Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Finanzen und Banken, nach der Bedeutung der neuen Währung für die internationale Finanzwelt.

Die dritte Stufe der Europäischen Währungs­union(EWU) ist angelaufen. Was bedeutet dies für die zwölf Teilnehmerländer?

Hummel: Es entfielen beispielsweise die Wech­selkursrisiken für Finanztransaktionen gänzlich. Die Zinsdifferenzen der nationalen Banken­märkte bis hin zu den Anleihemärkten der EWU-Länder sind kaum noch vorhanden. Die neuen Möglichkeiten für Investoren des In- und Auslandes und der starke Wettbewerb zwischen den europäischen Anbietern von Finanzdienst­leistern werden erheblich forciert. Für Professio­nelle ist der Euro bei Finanztransaktionen und Investments aber schon längst Realität.

Was bedeutet die Währungsumstellung konkret für den Einzelnen?

Hummel: Die Bürger derZwölf-Länder-Eurozo­ne empfinden die größte Währungsumstellung in der Geschichte Europas bisher als ziemlich abstrakte Angelegenheit. Die Münzen und Schei­ne der neuen Währung kommen bekanntlich erst ab ı. Januar 2002 in Umlauf. Ihre Einfüh­rung ist nun vor allem für die Zentralbankstel­len, Kreditinstitute, Transportunternehmen sowie die Automatenindustrie eine gewaltige logistische Herausforderung. Wie die institutio­nellen Finanzmarktakteure der Welt können auch Privatpersonen im nächsten Jahr den Euro als wichtige Alternative zum US-Dollar, als Han­dels-, Finanzierungs-, Vermögensanlage und nicht zuletzt als Reisewährung schätzen lernen.

Jede Medaille hat immer zwei Seiten. Wie sehen diese bezüglich der neuen Gemeinschaftswäh­

rung aus?

Portal 12/01

Hummel: Neben den vielen positiven Effekten,

wie Preistransparenz, Wettbewerb, Finanzinno­vationen und mehr wirtschaftliche Unabhängig­keit vom US-Dollar beinhaltet der europäische Kapitalmarkt mit der Gemeinschaftswährung selbstverständlich auch Unsicherheiten. Bei­spielsweise stellt die künftige Osterweiterung große Herausforderungen an die Stabilitätspoli­tik der Europäischen Zentralbank. Aber auch die Banken- und Börsenaufsicht muss europäisiert werden. Die Rechtssysteme im Banken- und Wertpapierbereich sind- bis hin zur Steuerpoli­tik- besser als bisher abzustimmen. Das bedeu­tet auch: Insidergeschäfte, Geldwäsche und grau­er Kapitalmarkt müssen wirkungsvoller im glo­balen Maßstab bekämpft werden.

Vielen Dank für das Gespräch.

Union

Detlev Hummel ist sich

sicher: Der Euro wird die

D-Mark als eine der

wichtigsten Handelswäh­

rungen der Welt mit

noch größerem Gewicht

ersetzen.

Die Euroeinführung ist eine Währungsunion, keine Währungsreform. In Deutschland gab es im 20. Jahrhundert drei Währungsreformen: 1923/24 nach der Inflation, 1948 als Folge des Zweiten Weltkrieges und 1990 im Zuge der Wiedervereinigung. Hier wurde zwar auch die alte Währung durch eine neue ersetzt, die Menschen verloren dabei aber einen Teil ihrer Ersparnisse. Bei der jetzigen Prozedur dagegen erfolgt eine Umrechnung der Geldvermögen. Es ändert sich also nicht der Wert des Geldes. In

Deutschland beträgt der festgelegte Kurs ı: 1,95583 DM.

Red.

Y7

Foto: Fritze