Heft 
(1.1.2019) 12
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Medea, Pocahontas und der Englische Patient

Eine internationale Tagung widmete sich demFremden Begehren

er FilmDer Englische Patient nach D Ondaatjes Roman war ein Kassenfüller.

Die TagungFremdes Begehren. Reprä­sentationsformen transkultureller Beziehun­gen, vom Lise-Meitner-Programm der Philoso­phischen Fakultät der Universität Potsdam initi­ijert und Anfang Dezember im Potsdamer Alten Rathaus realisiert, rückte die melancholische Wüstengeschichte plötzlich in den Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses und stellte sie in einen gemeinsamen inhaltlichen Zusammen­hang, der sich mit den BegriffenKultur­Geschlecht-Begehren-Körper am besten fassen lässt.

Interkultureller Dialog

Als ein weiterer Akzent des Profilbereichs der Universität PotsdamKulturen im Vergleich, präsentierte sich die Tagung mit einem sehr dichten Programm und breit gefächertem Spek­trum, das die Veranstalter seiner Komplexität wegen in vier Sektionen unterteilte. Die Schwer­punkteBilder des Orients- Arabische Perspek­tiven,Transatlantische Verschiebungen, Europa beziehungsweiseJuden und Nichtju­den erlaubten nicht nur eine thematische Zuordnung der äußerst differenzierten Beiträge aus Kunst- und Religionswissenschaft, Soziolo­gie, Philologie, Medientheorie sowie Verglei­ chender Literaturwissenschaft. Sie pro­blematisierten auch das Verhält­

nis vonEigenem und

Fremden, den Blick der Neuen Welt auf dieAlte Welt in wechselnden Per­spektiven und eröffneten zugleich einen interkultu­rellen Dialog. Ob

Medea, Othel­lo oder Poca­

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ff. Verliebt in den Kolonialisten. Wie Pocahontas zu einer der Gründungsfiguren Amerikas werden konnte, referierte Klaus Theweleit aus Freiburg. s Bekannt durch seine BücherMänner­

phantasien oderBuch der Könige war Theweleit einer der Höhepunkte der Tagung.

tig auch das Begehren fremd macht, auf welche Weise die unstillbare Sehnsucht nach Über­schreitung und die Geschichte von Kolonisation damit verbunden, gleichsam von erotischen Beziehungen zwischen Angehörigen unter­schiedlicher Kulturen durchsetzt ist, waren grundsätzliche Fragestellungen der dreitägigen Tagung. Nicht zuletzt die Herausbildung geschlechtsspezifischer, nationaler und kulturel­ler Identitätskonzepte. Ergänzt durch ein Kurz­filmprogramm, bot sie einen interdisziplinären Austausch über Phänomene, welche seit Jahrtau­senden eine enorme sozialgeschichtliche Bedeu­tung und Sprengkraft haben, und heute- ange­sichts von Migrationsbewegungen und Globali­sierungstendenzen, aber auch von ethnischen Säuberungen, von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus- neue Relevanz erhalten. Dass sich durch Prozesse wechselseitiger kultureller Ver­einnahmung und HegemonieKultur immer schon als ein heterogenes Gefüge denn als Ein­heit darstellt, war denn auch die Quintessenz der

Tagung.

Foto: Repro

Forschung www.uni-potsdam.de/portal/dezo1/forschung

Dr. Sabine Hark aus dem Bereich Sozialwis­senschaften der Universität Potsdam etwa, erzählte in ihrem VortragKarthografien von Wüste und Körper den FilmDer englische Patienten fernab der unglücklichen Dreiecksge­schichte um den ungarischen Grafen Almasy, Katherine und deren Mann. Bei allem ästheti­schen Reiz zeige der Streifen vor allem die Ver­strickung von Kultur und Gewalt sowie den Ein­fluss der Politik auf das Geschlechterverhältnis. In seinen Tiefenstrukturen fand Hark ein viel­schichtiges Gewebe aus Geschichte und Geogra­phie, Privatem und Politischem, Macht und Inti­mität. Die Wüste sei, so Hark, vor allem ein Pro­jektionsraum, in dem ein von Grenzziehungen und neuen Landkarten besessenes Europa des 19. und 20 Jahrhunderts seine Illusionen, Ima­ginationen und Phantasien einschrieb. Der Film zeige den Wunsch nach Entgrenzung, den Traum der Kolonisatoren von einer Welt, in der nationale Grenzen und Loyalitäten, sexuelle Identitäten und soziale Unterschiede keine Rol­le spielten. Diese Träume seien Produkte des kolonialen Kampfes und zugleich dessen Einsät­ze. Denn genauso, wie inunschuldigen Land­schaften Höhlen, Oasen und Gebirge benannt würden, karthografiere Almasy den Körper Katherines. Er nähme ihn zwar für eine kurze Zeit in Besitz, verliere ihn aber letztlich, da Katherine sich ihm wieder entziehe. Auf ihrem Körper spielt sein Begehren, so wie es einst in der Wüste spielte. Afrika und der weibliche Kör­per seiendunkle Kontinente, Orte, die zur Pro­jektionsfläche weißer europäischer Männer wer­den, so Hark.

Gesucht und gefunden

Der Rückgriff auf künstlerische Repräsentations­formen transkultureller Beziehungen, die in unterschiedlichen Kontexten entstanden und in unterschiedlichen Medien wie Literatur, Film oder Malerei ausgedrückt sind, war von konzep­tioneller Bedeutung. Denn der Beitrag von Dr. Sabine Hark machte exemplarisch deutlich, wie gezielt während der Tagung die Schnittstellen zwischen cultural studies und gender studies nicht nur gesucht, sondern auch gefunden

wurden. tp

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