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Wegkommen vom„Jeder macht seins“
PISA regt zum Nachdenken über universitäre Bildungsstandards an
Brandenburgs Bildungsminister Steffen Reiche hat kürzlich als eine Maßnahme in Auswertung der PISA-Studie vorgeschlagen, bundesweit Mindestbildungsstandards für die Schule zu erarbeiten, sogenannte Kerncurricula. Sollte nicht auch über Kerncurricula für den Hochschulbereich nachgedacht werden? Schließlich schlägt Schule zumindest an unserer Universität notwendigerweise auf die Lehrerbildung durch.
in jeder Studierende wüsste doch wohl
gern, was für ihn in Anbetracht seiner A beruflichen Absicht Basiswissen und —können darstellt, was er ferner studieren muss, um nach dem Studium lebenslang problemlos weiterlernen zu können und welche Angebote seiner Hochschule er interessengebunden außerdem noch nutzen könnte. Gäbe es wissensund kompetenzbezogene Kerncurricula, dann wüsste er es...
Nun werden sich Lehrkräfte autonomer Hochschulen von niemandem„höheren Orts“ vorschreiben lassen, welche Studieninhalte sie ihren Studenten anbieten sollten und welche nicht. Auch dürften spezifisch auf unterschiedliche Berufsziele zugeschnittene Grundvorlesungen schon aus finanziell-personellen Gründen abu sein. Doch steht andererseits fest, dass es nicht möglich ist, für unterschiedliche Berufe—
zum Beispiel Diplomchemiker oder Chemie:achlehrer— auf gleiche Weise effizient auszubil
den.
Für einen zukünftigen Diplomchemiker dürfte der„mathematische Apparat“ der chemischen
Thermodynamik zum fachlichen Kerncurricu
um gehören. Für den Fachlehrer wäre vielleicht nicht viel mehr nötig, als die thermodynamischen Hauptsätze und ihre Anwendung zu kennen. Man fragt sich sowieso, was einen ChemieLehramtsstudenten treibt, im Rahmen seiner Diplomarbeit ehrgeizig monatelang als Fachforscher komplizierte, völlig schulfremde Substanzstrukturuntersuchungen durchzuführen, anstatt sich beispielsweise lernpsychologisch damit zu
befassen, wie er die für sein Fach massenhaft
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