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Rebeca Fernandez-Trujillo fühlt sich am Potsdamer Institut für Chemie wohl.
Von Caracas
nach Sanssouci
Venezuelanerin promoviert auf dem Gebiet der Laserspektroskopie
Studierende und Doktoranden aus aller Welt sind an der Universität Potsdam nichts Ungewöhnliches. Rebeca Fernandez-Trujillo fällt allerdings kaum auf. Ihre Gesichtszüge ähneln nicht denen einer venezuelanischen Mestizin, denn ihre Eltern sind Spanier, ausgewandert während der Franco-Diktatur. Überhaupt wirkt Sie nicht übertrieben charismatisch, sie erscheint ruhig, konzentriert, immer freundlich, ja fast mütterlich, obwohl an eigene Kinder vor Abschluss der Promotion in einigen Jahren nicht zu denken ist — leider, sagt die 34-Jährige.
it ihrer Gitarre im Gepäck hat sie Mister ein gutes Stück von der Welt ge
sehen. Sie kam nämlich nicht im„Direktflug“ nach Potsdam. Nachdem sie in der Heimat drei Jahre Chemielaborantin gelernt hatte, führte ihr Weg dank eines Austauschprogramms und eines Stipendiums an die Karazin-Universität ins ukrainische Charkov. Russisch galt es erst einmal zu lernen, und nebenbei auch etwas Politologie und Philosophie. Dann schloss sich ein fünfjähriges Chemiestudium an, mit Spezialrichtung analytische Chemie. 1996 schließlich hatte sie ihr Diplom in der Tasche.
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„Mich interessiert vor allem die Erhaltung der Umwelt, und so hatte ich mich schon in meiner Diplomarbeit mit der Kontrolle des Wassers von Atomkraftwerken befasst“, erklärt Rebeca ihren Hang zur analytischen Chemie. Eigentlich wollte die junge Chemikerin nach Caracas zurück, aber da schlug in Berlin die Liebe zu. Sie lernte ihren deutschen Mann kennen, heiratete ein Jahr später, lernte Deutsch und jobbte bis zur amtlichen Anerkennung ihres Chemiediploms zwei Jahre auf einer Sozialstation.
Auf der Suche nach Promotionsmöglichkeiten gelangte sie durch Vermittlung des Potsdamer Physikochemikers Prof. Dr. Bechmann zu Prof. Dr. Hans-Gerd Löhmannsröben nach Erlangen. In einem viermonatigen Praktikum lernte sie dort die moderne Lasermesstechnik kennen. Schließlich kam sie im achtköpfigen Gefolge von Löhmannsröben im Sommersemester 2000 ans Institut für Chemie. Hier fühlt sie sich wohl.„Wir haben uns alle schon in Erlangen gut verstanden, als junges Team ohne irgendeine Hierarchie“, schwärmt die Venezuelanerin, und vergisst nicht zu erwähnen, dass ihr Professor auch gern mal mit der Truppe feiert, wenn wieder etwas gelungen ist.
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Auf Umlaufbahn
Es hat geklappt. Nach zunächst vorhandenen wetterbedingten Startschwierigkeiten umkreisen nun die Satelliten„Tom“ und„Jerry“ die Erde. Das Know-how für das Zwillingspaar„Grace“ kommt aus Potsdam, denn das GeoForschungsZentrum(GFZ) war maßgeblich an seiner Entwicklung beteiligt. Die beiden Satelliten sollen genaueste Daten über das Schwerefeld der Erde übermitteln. Dazu umkreisen sie diese in einer Höhe von fast 500 Kilometern. Ihr Einsatz soll fünf Jahre dauern.
„Grace“ ist der Nachfolger des Satelliten „Champ“, der bereits seit Juli 2000 das Erdschwerefeld vermisst. Die wissenschaftliche Auswertung der jetzigen Mission erfolgt durch das Potsdamer GFZ und das Center for Space Research(CSR) an der Texas University in Austin. Das Projekt selbst ist ein Gemeinschaftsvorhaben der amerikanischen Weltraumbehörde NASA und des Deutschen Zentrums für Luftund Raumfahrt(DLR). Red.
Die Originale: Tom und Jerry in Aktion.
Als Fan von Altbauten liebt Rebeca Potsdam, besonders das Brandenburger Tor und das Holländische Viertel. Wenn ihr Mann mitzöge, würde sie auch gern hier wohnen. So fährt sie fast jeden Tag von Berlin-Schöneberg nach Golm, setzt ihr Laserspektrometer in Gang, untersucht im Rahmen ihres Dissertationsthemas zahlreiche Bodenproben aus unterschiedlichen Regionen auf Dieselöl und andere Kontaminanten, wertet Computerdaten aus.
In der Freizeit, vor allem am Wochenende, besucht sie die Oper oder kleine Kinos. Zusammen mit ihrem Mann spielt sie in einer Volleyball-Mannschaft, und manchmal zieht es sie auch sonn- und feiertags ins Brandenburgische — bei erholsamen Touren auf dem Fahrrad. „Natürlich habe ich oft auch Heimweh, vor allem zu Weihnachten“, verrät die Doktorandin. Im Sommer will sie ihre Eltern und ihre beiden Brüder wieder besuchen.
ak
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