Heft 
(1.1.2019) 05
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Uni Aktuell

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Die nötigen Entscheidungen schnell treffen

Appell zur Informations- und Literaturversorgung der brandenburgischen Hochschulen

Die Brandenburgische Landesrektorenkonferenz (BLRK) und der Landeshochschulrat(LHR) haben sich in einem gemeinsamen Appell an die Landesregierung gewandt, um auf die Situation der Bibliotheken an den Hochschulen des Landes Brandenburg ab 2003 aufmerksam zu machen. In dem Schreiben lautet es:

ie Brandenburgische Landesrektoren­DS und der Landeshochschulrat

fordern die Landesregierung Branden­burg auf, unverzüglich die notwendigen Ent­scheidungen herbeizuführen, um den laufenden Erwerb neu erscheinender Monographien und Zeitschriften für Forschende, Lehrende und Stu­dierende der Hochschulen Brandenburgs sowie den Zugang und die Nutzung elektronischer Medien(Datenbanken, elektronische Zeitschrif­ten, Volltextarchive etc.) sicherzustellen. Für einen sachgerechten finanziellen Ausgleich der ab 2003 wegfallenden HBFG-Förderung werden zur Beschaffung von Forschungs- und Studien­literatur jährliche Mittel in Höhe von 2,5 Mio. benötigt. Dieser Betrag entspricht dem bisheri­gen Landesanteil der HBFG-Förderung und stellt insofern keine zusätzliche Belastung gegenüber dem Haushalt 2002 dar.

Alle Hochschulen Brandenburgs erhielten mit einer auf zwölf Jahre befristeten HBFG-För­derung zusätzlich zum regulären Erwerbungs­etat im Rahmen der Sachmittelausstattung der Hochschulen bundes- und landesseitige Mittel für den Aufbau von Büchergrundbeständen. Damit sollten rückwirkende Beschaffungsmaß­nahmen ermöglicht und das Fundament eines für Forschung, Lehre und Studium unabdingba­ren Literaturbestandes gelegt werden. Die Basis­versorgung mit aktuellen Literatur- und Infor­mationsressourcen sollte hingegen durch den regulär vom Land zur Verfügung gestellten Etat­ansatz getragen werden.

Für die im Aufbau befindlichen Hochschu­len in Brandenburg wurden die Etatansätze für die aktuelle Informations- und Literaturversor­gung verglichen mit ähnlich großen Fachhoch­schulen und Universitäten anderer Bundeslän­der- nie bedarfsgerecht veranschlagt. Für die Universität Potsdam stand beispielsweise regu­

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Foto: Fritze

lär seit 1991 ein jährliches Mittelvolumen von etwa 500.000 zur Verfügung, während vom Fächerspektrum und den Studentenzahlen her vergleichbare Universitäten über Etatansätze in Höhe von 1,6 Mio. und mehr verfügen. Die Fachhochschule Brandenburg hat seit 1991 einen jährlichen Mittelansatz von 35.000, wäh­rend etwa der Mittelansatz der niedersächsi­schen Fachhochschulen bei rund 160.000 liegt. Die Hochschulen waren daher gezwungen, die für den Aufbau von Grundbeständen zur Verfü­gung gestellten HBFG-Mittel auch für die Beschaffung von Neuerscheinungen(Monogra­phien, Zeitschriften, elektronische Medien) ein­zusetzen.

Mit Auslaufen des Bundesförderungspro­gramms ab 2003 würden die verfügbaren Erwer­bungsmittel auf ungefähr 25 Prozent des bishe­rigen Volumens abstürzen. Für die Universität Potsdam hätte dies zur Folge, dass für Lehre und Studium pro Student im günstigsten Fall nur noch zehn Euro zur Verfügung ständen, wäh­rend ein Lehrbuch, je nach Fach, circa 50 kos­tet. Für alle Mitarbeiter einer Professur könnten maximal 1.500 zur Beschaffung von For­schungsliteratur bereitgestellt werden, also etwa 25-30 Bücher oder zwei bis drei Abonnements von Fachzeitschriften. Und innovative Ressour­cenangebote(Datenbanken und elektronischen Zeitschriften) müssten auf ein Viertel des bishe­rigen Umfangs reduziert werden. In der Fach­

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BIBLIOTHE

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JAD RABE

hochschule Brandenburg ständen pro Student fünf Euro und pro Professur 178,50 zur Verfü­gung.

An den anderen brandenburgischen Hoch­schulen sind die Auswirkungen auf Forschung, Lehre und Studium ähnlich katastrophal.

Sollten keine Mittel und Wege gefunden wer­den, das Defizit auszugleichen, besteht die Gefahr, dass die Attraktivität der brandenburgi­schen Hochschulen erheblich gemindert wird, sich die Studienzeiten verlängern und Forschen­de und Lehrende abwandern. Die seit zwölf Jah­ren aufgewandten Investitionen in den Literatur­und Medienbestand der Hochschulen des Lan­des würden irreparabel entwertet werden. Zudem käme es auch dazu, dass die seit 1998 angelaufenen Maßnahmen zur Innovation des Informationsangebots(E-Journals, Datenbanken etc.) weitgehend zu scheitern drohen. Die Hoch­schulen des Landes Brandenburg und ihre Bibliotheken wären nicht mehr kooperationsfä­hig.

Das Auslaufen der HBFG-Förderung betrifft alle neuen Bundesländer. Die Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vor­pommern haben jedoch den regulären Etatan­satz im Umfang des bisher landesseitigen Anteils der HBFG-Förderung erhöht. Die bran­denburgischen Hochschulen erwarten, dass ihre Mittel für die Literatur- und Informationsbe­schaffung ebenso angehoben werden.

UNIVERSITATS­

Die Brandenburger Bibliotheken benötigen 2,5 Millionen Euro