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Priorität für Jonas
Ein Studium mit Kind kann recht anstrengend sein
Wer gegen 17 Uhr an der Studentenwohnanlage Kaiser-FriedrichStraße vorbei kommt, kann bei schönem Wetter ein erfreuliches Bild genießen. Von der Sonne beschienen, buddeln dort die Kleinsten im Sand. Junge Studentenväter stehen am Rande und plaudern miteinander. Mütter warnen ihre Sprösslinge auf Plastikautos vor durchfahrenden Radlern. So lässt es sich leben, könnte man denken... Doch da gibt es so manches„Aber“. Da wird man beispielsweise früh um sechs geweckt und ein langer Tag mit Leistungsanforderungen und viel Mühe fürs Kind steht bevor.
nna Roetger, Studentin der Ernährungs
wissenschaft und Jan Peters, Politik- und
Geschichtsstudent, können ein Lied davon singen. Aber ihr gemeinsamer zweijähriger Sohn Jonas hat trotzdem immer Vorrang.
Frühmorgens kurz vor halb acht ist schon ein erster Teil des Tages gelaufen. Jonas hat seine Milch getrunken, ist„ausgehfertig“ angezogen. Noch einmal Nase putzen, denn er ist leicht erkältet. Schon muss Papa Jan(24) mit Sohn auf den Schultern zur Straßenbahn eilen. 7.34 Uhr ist Abfahrt in Richtung Babelsberg. Dort werden die beiden in der Kindertagesstätte am Bahnhof Griebnitzsee erwartet. Viertel nach acht muss Jonas schon neben seiner Freundin Lisa-Marie („Kiki“, wie er sagt) am Frühstückstisch sitzen. Für Vati Jan ist damit die erste anstrengende Aktion vorbei. Er musste nicht nur tragen, laufen, mit Jonas im Arm beim Umsteigen Bahnhofstreppen hinaufspringen, sondern seinem hellwachen Sohn auch die Welt außerhalb der Transportmittel erklären, also„pädagogisch“ tätig sein. Doch nun ist er’erst einmal„frei“. Ein Studententicket hat Jan auch, und so ist er mit dem nächsten„Shuttel“ vom Bahnhof Griebnitzsee schon acht Minuten später am Bahnhof Sanssouci und kurz vor Bibliotheksöffnung am Neuen Palais. In der Bibliothek ist noch einiges für das um ır Uhr beginnende Seminar zur Geschichte des Altertums vorzubereiten: lesen, konspektieren, Quellenstudium— eine völlig andere Welt. Wer Politik und Geschichte studiert, muss viele Stunden in Bibliotheken verbringen. Kurzzeitig kann da Jonas schon mit, aber er ist Nahverkehr in sehr unruhig. Neben dem Studieren zählt natür- Potsdam. Nicht immer lich auch die Praxis. Jan nutzt die Mittagspause nach Jonas‘ Geschmack.
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Fotos: Fritzte