Heft 
(1.1.2019) 05
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Forschung

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Neue Landschaften neue Probleme

Der Geologe Prof. Dr. Hubert Wiggering hielt seine Antrittsvorlesung

Hubert Wiggering beschrieb in seiner Antrittsvorlesung nicht nur durch den Bergbau entstandene Schäden,

sondern auch Ansätze zu ihrer Beseitigung.

Prof. Dr. Hubert Wiggering leitet ein für das Land Brandenburg sehr bedeutsames wissenschaftliches Institut, das Zentrum für Agrarland­schafts- und Landnutungsforschung Müncheberg(ZALF). In gemeinsa­mer Berufung mit der Universität Potsdam bekleidet er seit rund einem

Jahr eine Professur für Geoökologie. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehört die Rekultivierung von Bergbaulandschaften, und die umfassen immerhin 22 Prozent der Landfläche Brandenburgs. Seine Kompetenz auf dem Gebiet der Umweltgeologie erwarb Hubert Wiggering durch Untersu­chungen mitten im steinkohlegeprägten Ruhrgebiet um Essen, wo er pro­movierte und sich habilitierte. Seine Antrittsvorlesung behandelte deshalb auch Probleme von Bergbaufolgelandschaften in Zusammenhang mit dem

untertägigen Steinkohlenbergbau.

vor allem der Mathematisch-Naturwissen­

schaftlichen Fakultät bildeten für Hubert Wiggering und seinen VortragNeue Landschaf­ten neue Probleme. Untertägiger Steinkohlen­bergbau und Folgelandschaften ein interessier­tes Publikum, hat doch hierzulande ein jeder Umweltbewusste die Mondkraterhinterlassen­schaften eines ehemals hemmungslosen Braun­kohleabbaus vor Augen. Dort, in der Lausitz, wo auf Europas größter LandschaftsbaustelleFürst­Pückler-Land und drum herum für die Rekulti­

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vierung gebaggert, gesprengt oder begrünt wird, wo sich bis zu 100 Meter tiefe Kohlerestlöcher mit viel zu saurem Wasser füllen oder Hänge ins Rutschen kommen- hier hat man schließlich ähnliche Probleme wie im Ruhrgebiet. Dem Referenten gelang es so sehr schnell, ein Span­nungsfeld aufzubauen zwischen der Notwendig­keit der Nutzung einer Landschaft und ihrer Reichtümer einerseits und der ebenso bedeutsa­men Notwendigkeit ihrer Erhaltung als Lebens­raum für kommende Generationen andererseits. Da gerät eine intakte Landschaft plötzlich unter

Druck, durch zu dichte Besiedlung, damit ver­bundene zu intensive landwirtschaftliche Nut­zung. Noch größer wird dieBedrängnis, wenn Geopotenziale wie Kies, Ton, Kohle, Erdöl vor­handen sind und genutzt werden sollen.

Schäden weit verbreitet

Es gab beispielsweise nach dem Untertage­Steinkohlenaubbau im Ruhrgebiet Risse in Häu­sern, weil sich über den Stollen der Boden zu senken begann. Großflächig entstanden Mul­den, die sich mit Wasser füllten und so nicht mehr für eine landwirtschaftliche Nutzung

zugänglich waren. Massenhaft wurde taubes

Gestein bis zu 70 Meter hoch in der Landschaft entsorgt. Doch das enthält neben harmlosem Ton, Quarz, Feldspat oder Kalk das gefährliche, weil schwefelhaltige Pyrit-Eisenerz. Chemiker wissen, dass der Pyrit-Schwefel in Reaktion mit Luftsauerstoff und Wasser Schwefelsäure ergibt. So wird zunächst einmal der Boden versäuert und das Grundwasser mit Säure und Salzen der Schwefelsäure verunreinigt. Mit eindrucksvol­lem Bildmaterial veranschaulichte der Referent, wie die bei Pyritoxidationsprozessen entstehen­de Wärme zur Selbstentzündung von Restkohle führen kann, so dass ganze Halden brennen und qualmend die Luft verpesten. Hinzu kommen durch Säuren ausgelöste Verwitterungsprozesse von Ton und Sandgestein. Kleine und immer größere Spalten entstehen, beeinträchtigen die Festigkeit der Halden.

Rekultivierung möglich

Was ist zu tun? Neben der Vielfalt von Umwelt­schäden als Bergbaufolgen machte Hubert Wig­gering auch Gegenmaßnahmen, Ansätze einer Rekultivierung deutlich. Da war vom Zubetonie­ren der Halden oder von ihrer Begrünung die Rede, um dem Luftsauerstoff den Zutritt zu ver­sperren und so die Säureschäden zu vermeiden. Unterirdische Grundwasserkanäle ließen sich rund um die Halden anlegen, alsSammelbe­cken für verunreinigtes Wasser, weit ab von der nächsten Trinkwassergewinnungsanlage. Un­unterbrochen arbeitende Pumpanlagen könn­ten, so Wiggering, abgesunkene Ackerflächen von Wasser befreien.

Eine angeregte Diskussion über günstigste Rekultivierungsmöglichkeiten im Kosten-Nut­zen-Vergleich zeigte, dass die Ausführungen des Referenten, unter anderem auch andeutungs­weise über Lösungsmodellansätze seines Insti­tuts für die Lausitz, den Nerv seiner geo- und umweltkompetenten Zuhörer getroffen hatte.

ak

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