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Forschung
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Neue Landschaften — neue Probleme
Der Geologe Prof. Dr. Hubert Wiggering hielt seine Antrittsvorlesung
Hubert Wiggering beschrieb in seiner Antrittsvorlesung nicht nur durch den Bergbau entstandene Schäden,
sondern auch Ansätze zu ihrer Beseitigung.
Prof. Dr. Hubert Wiggering leitet ein für das Land Brandenburg sehr bedeutsames wissenschaftliches Institut, das Zentrum für Agrarlandschafts- und Landnutungsforschung Müncheberg(ZALF). In gemeinsamer Berufung mit der Universität Potsdam bekleidet er seit rund einem
Jahr eine Professur für Geoökologie. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehört die Rekultivierung von Bergbaulandschaften, und die umfassen immerhin 22 Prozent der Landfläche Brandenburgs. Seine Kompetenz auf dem Gebiet der Umweltgeologie erwarb Hubert Wiggering durch Untersuchungen mitten im steinkohlegeprägten Ruhrgebiet um Essen, wo er promovierte und sich habilitierte. Seine Antrittsvorlesung behandelte deshalb auch Probleme von Bergbaufolgelandschaften in Zusammenhang mit dem
untertägigen Steinkohlenbergbau.
vor allem der Mathematisch-Naturwissen
schaftlichen Fakultät bildeten für Hubert Wiggering und seinen Vortrag„Neue Landschaften— neue Probleme. Untertägiger Steinkohlenbergbau und Folgelandschaften“ ein interessiertes Publikum, hat doch hierzulande ein jeder Umweltbewusste die Mondkraterhinterlassenschaften eines ehemals hemmungslosen Braunkohleabbaus vor Augen. Dort, in der Lausitz, wo auf Europas größter Landschaftsbaustelle„FürstPückler-Land“ und drum herum für die Rekulti
| 6o Wissenschaftler und Studierende
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vierung gebaggert, gesprengt oder begrünt wird, wo sich bis zu 100 Meter tiefe Kohlerestlöcher mit viel zu saurem Wasser füllen oder Hänge ins Rutschen kommen- hier hat man schließlich ähnliche Probleme wie im Ruhrgebiet. Dem Referenten gelang es so sehr schnell, ein Spannungsfeld aufzubauen zwischen der Notwendigkeit der Nutzung einer Landschaft und ihrer Reichtümer einerseits und der ebenso bedeutsamen Notwendigkeit ihrer Erhaltung als Lebensraum für kommende Generationen andererseits. Da gerät eine intakte Landschaft plötzlich unter
Druck, durch zu dichte Besiedlung, damit verbundene zu intensive landwirtschaftliche Nutzung. Noch größer wird die„Bedrängnis“, wenn Geopotenziale wie Kies, Ton, Kohle, Erdöl vorhanden sind und genutzt werden sollen.
Schäden weit verbreitet
Es gab beispielsweise nach dem UntertageSteinkohlenaubbau im Ruhrgebiet Risse in Häusern, weil sich über den Stollen der Boden zu senken begann. Großflächig entstanden Mulden, die sich mit Wasser füllten und so nicht mehr für eine landwirtschaftliche Nutzung
zugänglich waren. Massenhaft wurde taubes
Gestein bis zu 70 Meter hoch in der Landschaft „entsorgt“. Doch das enthält neben harmlosem Ton, Quarz, Feldspat oder Kalk das gefährliche, weil schwefelhaltige Pyrit-Eisenerz. Chemiker wissen, dass der Pyrit-Schwefel in Reaktion mit Luftsauerstoff und Wasser Schwefelsäure ergibt. So wird zunächst einmal der Boden versäuert und das Grundwasser mit Säure und Salzen der Schwefelsäure verunreinigt. Mit eindrucksvollem Bildmaterial veranschaulichte der Referent, wie die bei Pyritoxidationsprozessen entstehende Wärme zur Selbstentzündung von Restkohle führen kann, so dass ganze Halden brennen und qualmend die Luft verpesten. Hinzu kommen durch Säuren ausgelöste Verwitterungsprozesse von Ton und Sandgestein. Kleine und immer größere Spalten entstehen, beeinträchtigen die Festigkeit der Halden.
Rekultivierung möglich
Was ist zu tun? Neben der Vielfalt von Umweltschäden als Bergbaufolgen machte Hubert Wiggering auch Gegenmaßnahmen, Ansätze einer Rekultivierung deutlich. Da war vom Zubetonieren der Halden oder von ihrer Begrünung die Rede, um dem Luftsauerstoff den Zutritt zu versperren und so die Säureschäden zu vermeiden. Unterirdische Grundwasserkanäle ließen sich rund um die Halden anlegen, als„Sammelbecken“ für verunreinigtes Wasser, weit ab von der nächsten Trinkwassergewinnungsanlage. Ununterbrochen arbeitende Pumpanlagen könnten, so Wiggering, abgesunkene Ackerflächen von Wasser befreien.
Eine angeregte Diskussion über günstigste Rekultivierungsmöglichkeiten im Kosten-Nutzen-Vergleich zeigte, dass die Ausführungen des Referenten, unter anderem auch andeutungsweise über Lösungsmodellansätze seines Instituts für die Lausitz, den Nerv seiner geo- und umweltkompetenten Zuhörer getroffen hatte.
ak
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