Knochenersatz und nanostrukturierte Halbleiter
Chemiker untersuchen den Einsatz von Nanoreaktoren
Kolloide sind winzig kleine Partikel oder Tröpfchen einer Substanz, die in einer anderen Substanz, dem Dispersionsmittel, gleichmäßig verteilt sind. Auf Grund der extrem kleinen Partikel, mit Durchmessern kleiner als 500 Nanometer, haben diese nanostrukturierten Systeme extrem große Oberflächen. In einem Volumen von nur einem Liter kann die Partikeloberfläche die Größe mehrerer Fußballstadien überschreiten. Ziel der Forschung ist es, solche Systeme mit definierter Partikeldimension gezielt herzustellen und anzuwenden. Im Institut für Chemie, Professur für Kolloidchemie, wird untersucht, wie geladene Polymere die Eigenschaften solcher Kolloide beeinflussen. Mögliche Anwendungen sind dabei nanostrukturierte
Halbleitermaterialien oder aber Knochenersatz.
ie ersten„Forscher“, die Nanopartikel DES waren die Alchemisten.
Ohne den Mechanismus der Herstellungsmethode zu begreifen, stellten sie farbige Golddispersionen(Goldtinkturen) her, welche als„Lebenselexier“ eingesetzt wurden. Ohne durchschlagenden Erfolg, wie wir heute wissen! Ziel der aktuellen Forschung ist es, nanostrukturierte Systeme mit bestimmten Eigenschaften gezielt herzustellen und anzuwenden.
Vorbilder dafür liefert die Natur. Mit Hilfe von Selbstorganisationsphänomenen erzeugt sie „Prägeformen“(Schablonen) aus organischen Verbindungen, zum Beispiel Kohlenhydraten und Proteinen, welche zur Erzeugung von hochgeordneten, nanostrukturierten Systemen aus anorganischer Materie genutzt werden. Beispiele für diesen als Biomineralisierung bezeichneten Prozess sind die Bildung von Kieselalgen oder Perlmutt, aber auch von Knochen und Zähnen. Will man diese„Synthesestrategien“ der Natur übernehmen, so benötigt man zunächst ein Templat, das heißt eine Prägematrix auf der Nanometerskala, welche sich nach Möglichkeit von selbst, ohne menschliches Zutun bildet. Derartige„Selbstorganisationsprozesse“ sind immer dann zu erwarten, wenn die chemischen Verbindungen, aus der die Prägeform entstehen soll, „amphiphile“ Eigenschaften aufweisen, das heißt sowohl abstoßend als auch anziehend auf das umgebende Medium reagieren. Ein derartiges Eigenschaftsprofil weisen insbesondere Tenside auf.
26
Joachim Kötz bekleidet im Institut für Chemie der Universität Potsdam die Professur für Kolloidchemie.
Foto: Fritze
Titel
www.uni-potsdam.de/portal /juno2 /titel
Die Forschungsaktivitäten an der Professur konzentrieren sich darauf, welche Rolle Polyelektrolyte— geladene Polymere—- in selbstorganisierten Tensidsystemen spielen. Dabei interessiert unter anderem, wie sich die Eigenschaften tensidstrukturierter Nanotröpfchen durch Einbringen der Polyelektrolyte ändern. Ähnlich wie bei der Bildung von Kieselalgen oder Zähnen, können diese„strukturbildend“ in den Partikelbildungsprozess eingreifen, so dass Nanopartikel definierter Dimension entstehen.
Den Ausgangspunkt hierfür bildet eine Mi-| kroemulsion, das heißt ein thermodynamisch stabiles Öl/Wasser/Tensid Gemisch, in dem die Tröpfchendurchmesser kleiner als 200 Nanometer sind.
Es wurde nun versucht, Polyelektrolyte in die Mikroemulsion einzubringen, um einerseits die Stabilität der Tensidhaut zu erhöhen und andererseits auf den Partikelwachstumsprozess regulierend einzuwirken. Erste Untersuchungen bestätigen, dass das Konzept funktioniert. Durch Zugabe des Polymers bilden sich zunächst Tröpfchen-Cluster, in denen dann monodisperse Teilchen mit einem Partikeldurchmesser von zwei Nanometern entstehen! Dieses Prinzip mM kann nun für die Herstellung beliebig ande- E rer Nanopartikel genutzt werden. Besonders interessant erscheint dabei die Herstellung von nanostrukturierten Halbleitermaterialien oder aber Knochenersatz.
Joachim Kötz
SCH
f
Portal 6/02
hergestellt.
Nanostrukturierte BaSO4-Partikel, in einer polymermodifizierten Mikroemulsion
Biomineralisierte SiO2Partikel, von Kieselalgen „hergestellt“.
Abb.: zg.
; Abb.: zg.