Heft 
(1.1.2019) 06
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Forschung

eine spezifisch menschliche Eigenschaft, eine Art menschlicherInstinkt, also biologischer Natur sei. In seinem WerkThe Language Instinct äußert Pinker die Auffassung, dass das menschliche Hirn von Anfang an über eine Anleitung oder ein Programm verfügen würde, das aus einer endlichen Wortliste eine unendli­che Menge von Sätzen erzeugen kann. Er spricht von einermentalen Grammatik und ist über­zeugt, dass die Wissenschaft eines Tagesden Code knacken kann, den unsere Gehirne zur Übermittlung komplexer Gedanken in Form von Wörtern und deren Anordnung benutzen.

Zwischen Chaos und Regularität

DemCode-knacken waren die Vorträge und Vorführungen der Potsdamer am 15. Mai gewid­met. So stellte Uni-Honorarprofessorin Angela D. Friederici vom MPI für Neurophysiologische Forschung Leipzig Studien zu Gehirnprozessen beim Sprachverstehen, bezogen auf Wortbedeu­tung, Syntax und Satzmelodie vor. Sie konnte im Ergebnis verschiedenartiger Hirnstrommessun­gen mit modernsten Verfahren zeigen, dass bei der Verarbeitung von Informationen zur Wort­bedeutung und von grammatisch-syntaktischen Informationen temporale und frontale Regionen der linken Gehirnhälfte netzwerkgekoppelt zusammenwirken. Die rechte Gehirnhälfte hin­

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gegen würde sprachmelodische Informationen verarbeiten. Praktisch erfolge Sprachverstehen in enger Verbindung beider Gehirnhälften.

Da die in Leipzig durchgeführten Messungen durchaus kompliziert und langwierig sind, fan­den auch die Ausführungen von Professor Jür­gen Kurths aus dem Institut für Physik über effi­zientere Messungen komplexer Systeme auf der Grundlage der Chaostheorie großes Interesse. Eines der Verfahren beruht darauf, dass Mess­werte aus Einzelversuchen zunächst einmal sym­bolhaft vergröbert werden. So abgeleitete Sym­bolsequenzen erlauben bestimmte Visualisie­rungen der Hirnprozesse und die Ermittlung von Maßen zum Auseinanderhalten von Chaos und Regularität in den Prozessverläufen. Ande­re chaostheoriegeprägte Messmethoden nutzen die Tatsache, dass Gehirnprozesse, die sich in schwach gekoppelten nervlichen Netzwerken vollziehen, synchronisiert zusammenwirken. Auf neuartigen Messverfahren basieren auch Erkenntnisse des Potsdamer Psycholinguisten Professor Jürgen Weissenborn und seiner For­schergruppe zum frühkindlichen Spracherwerb. In seinem Vortrag betonte er die besondere Rol­le des von Sprache zu Sprache unterschiedlichen Sprechrhythmus, auf den das Kind offenbar bereits im Mutterleib reagiert. Da sich im Sprechrhythmus potenzielle Wörter verbergen, könnten kindliche Rhythmuserkenntnisschwie­rigkeiten eine wesentliche Ursache für Sprach­entwicklungsstörungen sein. ak

Zum vierten Male wurden auf der Hauptveran­staltung des Leibniz-Kollegs Preise an herausra­gende Potsdamer Nachwuchswissenschaftler vergeben. Der mit 2500 dotierte Preis für die mathematisch-naturwissenschaftliche

beste Publikation von Doktorandinnen und Doktoran­den ging an den Diplomhydrologen Andreas Güntner(r.) vom Institut für Geoökologie für sei­ne PublikationKlimaänderungen und Wasser­verfügbarkeit in Trockengebieten.

Den Sonderpreis für Astrophysik gestiftet vom Vorjahreshauptredner Prof. Dr. Michel Mayor (Genf) erhielten zu je 1250 Dr. Rainer Köh­ler(2.v.l.) und Dr. Robert Schmidt(l.) für ihre Arbeiten zu Doppelsternsystemen in Sternent­stehungsgebieten beziehungsweise zu kosmolo­gischen Anwendungen des Gravitationseffektes. Prof. Steven Pinker(2.v.r.) ließ es sich nicht neh­men, zur Auszeichnung zu gratulieren. ak

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