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Forschung
eine spezifisch menschliche Eigenschaft, eine Art menschlicher„Instinkt“, also biologischer Natur sei. In seinem Werk„The Language Instinct“ äußert Pinker die Auffassung, dass das menschliche Hirn von Anfang an über eine Anleitung oder ein Programm verfügen würde, das aus einer endlichen Wortliste eine unendliche Menge von Sätzen erzeugen kann. Er spricht von einer„mentalen Grammatik“ und ist überzeugt, dass die Wissenschaft eines Tages„den Code knacken“ kann, den unsere Gehirne zur Übermittlung komplexer Gedanken in Form von Wörtern und deren Anordnung benutzen.
Zwischen Chaos und Regularität
Dem„Code-knacken“ waren die Vorträge und Vorführungen der Potsdamer am 15. Mai gewidmet. So stellte Uni-Honorarprofessorin Angela D. Friederici vom MPI für Neurophysiologische Forschung Leipzig Studien zu Gehirnprozessen beim Sprachverstehen, bezogen auf Wortbedeutung, Syntax und Satzmelodie vor. Sie konnte im Ergebnis verschiedenartiger Hirnstrommessungen mit modernsten Verfahren zeigen, dass bei der Verarbeitung von Informationen zur Wortbedeutung und von grammatisch-syntaktischen Informationen temporale und frontale Regionen der linken Gehirnhälfte netzwerkgekoppelt zusammenwirken. Die rechte Gehirnhälfte hin
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gegen würde sprachmelodische Informationen verarbeiten. Praktisch erfolge Sprachverstehen in enger Verbindung beider Gehirnhälften.
Da die in Leipzig durchgeführten Messungen durchaus kompliziert und langwierig sind, fanden auch die Ausführungen von Professor Jürgen Kurths aus dem Institut für Physik über effizientere Messungen komplexer Systeme auf der Grundlage der Chaostheorie großes Interesse. Eines der Verfahren beruht darauf, dass Messwerte aus Einzelversuchen zunächst einmal symbolhaft vergröbert werden. So abgeleitete Symbolsequenzen erlauben bestimmte Visualisierungen der Hirnprozesse und die Ermittlung von Maßen zum Auseinanderhalten von Chaos und Regularität in den Prozessverläufen. Andere chaostheoriegeprägte Messmethoden nutzen die Tatsache, dass Gehirnprozesse, die sich in schwach gekoppelten nervlichen Netzwerken vollziehen, synchronisiert zusammenwirken. Auf neuartigen Messverfahren basieren auch Erkenntnisse des Potsdamer Psycholinguisten Professor Jürgen Weissenborn und seiner Forschergruppe zum frühkindlichen Spracherwerb. In seinem Vortrag betonte er die besondere Rolle des von Sprache zu Sprache unterschiedlichen Sprechrhythmus, auf den das Kind offenbar bereits im Mutterleib reagiert. Da sich im Sprechrhythmus potenzielle Wörter verbergen, könnten kindliche Rhythmuserkenntnisschwierigkeiten eine wesentliche Ursache für Sprachentwicklungsstörungen sein. ak
Zum vierten Male wurden auf der Hauptveranstaltung des Leibniz-Kollegs Preise an herausragende Potsdamer Nachwuchswissenschaftler vergeben. Der mit 2500€ dotierte Preis für die mathematisch-naturwissenschaftliche
beste Publikation von Doktorandinnen und Doktoranden ging an den Diplomhydrologen Andreas Güntner(r.) vom Institut für Geoökologie für seine Publikation„Klimaänderungen und Wasserverfügbarkeit in Trockengebieten“.
Den Sonderpreis für Astrophysik— gestiftet vom Vorjahreshauptredner Prof. Dr. Michel Mayor (Genf)— erhielten zu je 1250€ Dr. Rainer Köhler(2.v.l.) und Dr. Robert Schmidt(l.) für ihre Arbeiten zu Doppelsternsystemen in Sternentstehungsgebieten beziehungsweise zu kosmologischen Anwendungen des Gravitationseffektes. Prof. Steven Pinker(2.v.r.) ließ es sich nicht nehmen, zur Auszeichnung zu gratulieren. ak
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