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(1.1.2019) 07
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del und auf dem Arbeitsmarkt so schlecht. Es trifft auch unser Urlaubsverhalten, auch den Tourismus im Inland. Rückläufige Übernach­tungen werden für Berlin. und Potsdam erwar­tet. Und wo immer es geht, reagiert der Nachfra­ger preiselastisch. Beim Urlaub wird sich einge­schränkt, die Ausgaben und Urlaubstage werden sinken, der Anteil der Last Minute Buchungen steigt, nur wenige werden sich zusätzlich ver­schulden.

Die individuelle tatsächliche beziehungsweise gefühlte höhere Inflationsrate ergibt sich nahe­zu überall in der EU, weil die Preise im Bereich Einzelhandel, Dienstleistungen, Flüge und so weiter durchschlagend gestiegen sind. Doch die Ursache ist nicht allein der Euro.

Preise sind auch wegen der mit der Bargeld­einführung des Euro verbundenen Kosten für die Software, Automatenumstellung und so wei­ter bei den Unternehmen gestiegen. Höher war bei ihnen aber auch die(Kalkulations-) Unsicher­heit bezüglich der wirklichen Umrechnung bei dem Preis jedes einzelnen(Vor-) Produktes. Die Kosten der Euro-Einführung waren erheblich. Wer sie klein redete oder gar tabuisierte, der minderte das Vertrauen in die Politik noch wei­ter und schadet dem Euro und auch unserem Arbeitsmarkt.

Aber die Preise sind nachhaltig auch infolge wei­terer Politikmaßnahmen gestiegen. Erinnert sei an die zum 1. Januar gestiegenen Abgaben und Steuern, beispielsweise vom Benzin bis hin zur Versicherungssteuer, Und daneben beachte man auch die relative Abschottung der EU-Agrar­märkte zur Sicherung der Einkommen in der Landwirtschaft. Freie Gemüseimporte vom Welt­markt, wie beispielsweise Tomaten aus Marokko hätten die Preissteigerungen im Frühjahr in die­sem Bereich gedämpft oder gar verhindert.

Und es gibt eine weitere Ursache. Sie hängt zusammen mit der steigenden Unternehmens­konzentration im Rahmen der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion. Zwar gibt es auch(harten) Wettbewerb in einem Oligopol, also zwischen den Touristikkonzernen ebenso wie den so genannten Ölmultis. Aber der Wett­bewerb folgt weniger über die Preise. Und die unternehmensstrategische Fokussierung auf das gehobene Kundensegment verdeutlicht diesen Preiseffekt. Ein Beispiel dafür ist C&N-Touristik, der zweitgrößte Touristikkonzern in Europa, mit der ausschließlichen Neuausrichtung auf die Marke: Thomas Cook bei Einstellung unter ande­rem der Marken Condor, Kreutzer und Terramar sowie der gleichzeitigen Konzernwarnungen vor dem wachsenden Last Minute Markt.

Portal 7-9/02

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Wilfried Fuhrmann ist

Professor für Wirtschafts­

theorie mit dem Schwer­punkt makroökonomi­sche Theorie und Politik

‚an der Wirtschafts- und

Sozialwissenschaftlichen Fakultät.

Foto: Fritze

Foto: Tribukeit

Eine Ökonomik des Urlaubs?, würde der Steppke fragen:Also auch hier rationales wirt­schaftliches Denken? Aber ist in der EU nicht mit dem Euro die Markttransparenz gestiegen? Ja. Aber kennen Sie wirklich die Preise des öffentlichen Nahverkehrs, der Taxen und von Kaffee, Bier, Wein oder Kuchen beispielsweise auf Kreta, Mallorca oder in Venedig? Wahr­scheinlich weder jetzt noch vor dem Euro. Denn

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geblieben sind die Informationskosten. Und weggefallen ist in der EU der Schutz vor steigen­den Preisen im Urlaubsland durch die Aufwer­tung der DM.

Aber wohin, wenn ich mir meinen Urlaubs­traum nicht leisten kann? Last Minute und die Alles-inklusive Preise bieten sich ebenso an wie zum Teil Länder mit einer abwertenden Währung, das heißt, raus und bewußt auch mit den so genannten Billig-Fliegern.

Doch, warum eigentlich in diesen Urlaub beziehungsweise Konsum-Urlaub fahren- und nicht in die(wer kennt sie noch?) so genannte Sommerfrische? Das Ziel sind doch die aktive körperliche und geistige Erholung oder Abre­aktion und animierte Dauerevents mit Feiern bis

zum Abwinken? Wilfried Fuhrmann

vo

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