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(1.1.2019) 07
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Foto: zg.

Sankt Petersburg in Russland wurde nicht unwesentlich von Deutschen geprägt.

Schreiben als Grenzerfahrung

Forschungsprojekt zum deutschen literarischen Leben in Sankt Petersburg

Der Name der zweiten russischen Hauptstadt, Sankt Petersburg, klingt nicht nur deutsch, er wurde und wird von vielen Russen auch als Symbol für eine besonders deutsche Prägung der Stadt verstanden. Tatsächlich haben Deutsche in der Geschichte der Stadt, die 2003 ihr 300­Jjähriges Gründungsjubiläum feiert, eine bedeutende"Rolle gespielt.

eit dem ı. Februar 2002 wird an der Pro­

fessur für Ostslavische Literaturen und

Kulturen im Institut für Slavistik der Uni­versität Potsdam von Dr. Ljuba Kirjuchina das ProjektSchreiben als Grenzerfahrung: Das deutsche literarische Leben in Sankt Petersburg (1703-1917) bearbeitet. Dieses Projekt ist der erstmalige Versuch, ein in Vergessenheit gerate­nes Kapitel der Literatur- und Kulturgeschichte zu rekonstruieren und systematisch darzustel­len. Ziel des Forschungsvorhabens ist es, zunächst die entsprechenden literarischen Wer­ke bibliographisch zu erfassen und für die wei­

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tere Forschung zu erschließen. In exemplari­schen Untersuchungen soll vor allem nach den Rahmenbedingungen dieser Literatur gefragt werden, konkret nach dem doppelten Kontext, in dem sie entstand, also den literarischen Strö­mungen der deutschen Länder als auch Russ­lands.

Da im Untersuchungszeitraum Literatur einen hohen Stellenwert in der Kultur hatte, zeigt der Blick auf das literarische Leben relevante Aspek­te der Alltagskultur derjenigen Deutschen, die sich für kürzere oder längere Zeit in Sankt Petersburg niedergelassen hatten. Liest man die literarischen Werke, häufig Erinnerungen, Tage­bücher und Briefe, aber auch Texte der traditio­nellen literarischen Gattungen, auf die darin gestalteten Erfahrungen von Fremdheit und Integration, Dazugehörigkeit und kultureller Andersartigkeit, so tut sich die Innenansicht einer Minderheit auf. Ihr Leben war sehr eng mit dem politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben der damaligen Hauptstadt

Russlands verbunden. Im Zeitraum des for­schenden Interesses steht jedoch die Frage nach dem Eigenen und dem Fremden, der Wechsel­wirkung von Identität und Alterität unter den besonderen Bedingungen des Lebens in einer fremden Umgebung: die in einen konkreten soziokulturellen und historischen Kontext ein­geschriebene Selbstreflexion der zwischen zwei Kulturen lebenden und schreibenden deutschen Autoren.

Das Projekt wird vom Beauftragten der Bundes­regierung für Angelegenheiten der Kultur und Medien im Rahmen der Erforschung und Prä­sentation deutscher Kultur und Geschichte im östlichen Europa gefördert. Dass das grenzüber­schreitende Projekt gerade in Potsdam angesie­delt wurde, liegt nicht zuletzt am Profilbereich Kulturen im Vergleich, bei dem die russische Germanistin neben den Slavisten Ansprechpart­ner in der Germanistik und der Vergleichenden Literaturwissenschaft hat.

Prof. Dr. Norbert Franz /Institut für Slavistik

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