Heft 
(1.1.2019) 07
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Die Luchse in

und die Physik

für Physiker interessant.

Zählungen von Luchsen in Kanada ergaben, dass ihre Zahl von Jahr zu Jahr schwankt. Man hat aber Zyklen von zehn Jahren festgestellt. Das heißt, alle zehn Jahre ist die Zahl dieser Tiere besonders hoch. Erstaunlich dabei ist, dass die hohen Zahlen im gleichen Jahr in Ost- wie in Westkanada beobachtet werden und sich als wandernde Wellen über Kanada ausbreiten. Dies ist ein Beispiel für Synchronisierung. Daraus ergibt sich die Frage, wie es möglich ist, dass sich Ökosysteme über die Entfernung ganzer Konti­nente global organisieren können.

it solchen Themen befassen sich Wis­M senschaftler, die auf dem Gebiet der

theoretischen Ökologie arbeiten. Zu ihnen gehört die NachwuchsgruppeRaum-zeit­liche Synchronisierung in Ökosystemen: von lokaler Dynamik zu globaler Struktur. Diese Gruppe ist am Institut für Physik der Universität Potsdam angesiedelt und wird nun von der Volkswagen-Stiftung mit rund 860.000 Euro gefördert. Die Forschungen der Gruppe bewegen sich an der Schnittstelle von Ökologie und theo­retischer Physik.

Ökologische Systeme sind räumlich ausge­dehnt und bestehen aus einer Vielzahl kleinerer, netzartig verbundener Einheiten. Von besonde­rem Interesse für die Wissenschaftler ist die Syn­

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Kanada

Weitere Informationen zu den Forschungs­themen der Nachwuchsgruppe sind unter http: //www.agnld.uni-potsdam.de/-bernd/agnld/ oekologie.html abrufbar.

chronisierung dieser Einheiten, die das gesamte Ökosystem bestimmt. Solche Synchronisie­rungsphänomene spielen in zahlreichen Zu­sammenhängen eine grundlegende Bedeutung, wie beispielsweise bei der Regulierung bedroh­ter Arten oder der Ausbreitung von Epidemien. Dabei ist das Gesamtverhalten des Systems oft überraschend und nur aus dem Zusammenspiel aller Unterkomponenten erklärbar. Genau an diesem Punkt setzt die Nachwuchsgruppe an. Unter Einsatz moderner Methoden der nichtli­nearen Dynamik werden verschiedene Formen der Synchronisierung untersucht, was zur syste­matischen Aufklärung von raum-zeitlicher Syn­chronisierung in ökologischen Systemen bei­trägt. Dies ist befruchtend sowohl für die Biolo­gie als auch für die Physik,

Eine solche Forschung ist notwendigerweise interdisziplinär und bedarf einer engen Zusammenarbeit von Physik und Biologie. Des­halb verfolgt die Gruppe einen in dieser Form relativ einzigartigen Ansatz, der Theorie, Modell­bildung, Anwendung in konkreten Ökosystemen und im Experiment umfasst. Dass Ökologie Glo­balität impliziert, widerspiegelt sich auch in der internationalen Zusammensetzung der Gruppe von sechs Mitarbeitern aus vier Ländern.

Dr. Bernd Blasius/Institut für Physik

Forschung www.uni-potsdam.de/portal /julo2/forschung

Über Sprache und Denken

Wieder ist die Uni Potsdam Austragungsort für eine wissenschaftliche Tagung von Bedeutung. Die Societas Linguistica Europaea wird vom 22. bis 25. Juli 2002 ihre 35. Jahrestagung an der brandenburgischen Universität durchführen. Erwartet werden etwa 200 Teilnehmer. Mit neu­en Überlegungen zu Sprache und Denken ist für die Tagung ein Rahmenthema gewählt worden, das Raum für 135 Vorträge in sechs Sektionen geben wird. Außerdem werden Sechs Plenarre­ferate und ein Workshop zur im naturwissen­schaftlichen Sinne verstandenen Linguistik durchgeführt. Die Teilnehmer der Tagung kom­men aus 27 Ländern, neben europäischen Län­dern auch aus den USA, China und Brasilien. Allein 35 Wissenschaftler reisen aus mittel- und osteuropäischen Ländern an. Damit setzt die Societas Linguistica Europaea eine Tradition fort. Die Gesellschaft war gegründet worden, um Sprachwissenschaftlern aus diesen Ländern die Möglichkeit zur Teilnahme an der interdiszipli­nären Diskussion zu geben.

Mit der Orientierung auf kognitive Fragestellun­gen in der Linguistik trägt die diesjährige Tagung auch dem Profil der Potsdamer Sprach­wissenschaft Rechnung. In den Vorträgen wird es unter anderem um theoretische und prakti­sche Probleme der Versprachlichung von Kon­zepten gehen, um die Wirkung von Sprache bei der Manipulation und bei der Verarbeitung von Erfahrung, um Metaphern und Sprachstörun­gen. Der Frage, in welchem Verhältnis die Spra­che zur Entwicklung des Denkens steht und wie die Beziehungen zwischen Sprache und kogni­tiver Aktivität des Menschen erfasst und beschrieben werden können, wird in mehreren Beiträgen behandelt. Ein wichtiger Gegenstand wird auch die Beschreibung sprachlicher Nor­men sein. Von besonderem praktischem Inter­esse sind die Beiträge zum Erwerb von Fremd­sprachen und Zweitsprachen, die neue Modelle und deren Grundlagen darstellen werden.

Eine Besonderheit der Jahrestagungen der Societas Linguistica Europaea ist ihre Offenheit in Methodenfragen., Nicht die Zugehörigkeit zu einer Schule oder die Arbeit zu einem bestimm­tenangesagten Gegenstand entscheiden über die Aufnahme der Beiträge, sondern ihre wis­senschaftliche Qualität. In diesem Sinne werden historische Betrachtungen zu sprachwissen­schaftlichen Theorien und Diskussionen zu aktuellen Modellen einen wichtigen Platz erhal­ten. Prof. Dr. Gerda Haßler/Institut für Romanistik

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