Heft 
(1.1.2019) 07
Einzelbild herunterladen

Forschung www.uni-potsdam.de/portal /julo2/forschung

Der Iraum vom kleinen UNO-Institut

Der Forschungskreis Vereinte Nationen veranstaltete 4. Potsdamer UNO-Konferenz

Bereits zum vierten Male hatte das Menschen­RechtsZentrum der Universität Potsdam die Mit­glieder des 1999 hier gegründeten Forschungskrei­ses Vereinte Nationen zu einem zweitägigen Informations- und Erfahrungsaustausch eingela­den. Der Forschungskreis versteht sich als infor­meller Zusammenschluss aller derjenigen, die sich für eine bessere Kooperation in der deutschspra­chigen Forschung über die Vereinten Nationen und ihre Sonderorganisationen einsetzen.

ass dieses recht engagierte Gremium D aus Wissenschaftlern, aktiven und ehe­maligen Diplomaten, Parlamentariern, Journalisten nach Aussage seines Koordinators Dr. Helmut Volgerwächst, blüht und gedeiht, gegenwärtig schon 155 Mitglieder zählt, ist nicht verwunderlich. So stellte Dr. Günther Unser, der Aachener UN-Experte und Verfasser des in zahl­reichen Auflagen erschienenen Taschenbuchs Die UNO, in einem Diskussionsbeitrag unter anderem fest, dass fast an jeder deutschen Uni­versität Europaforschung betrieben werde, aber mit Tübingen nur ein einziges UNO-For­schungszentrum existiere. Auch gäbe es keinen Lehrstuhl für internationale Organisationen. Allerdings wird immer deutlicher, dass neben den Völkerrechtlern nun auch Politologen orga­nisationsrechtliche und strukturelle Gegenstän­de der UNO stärker in ihr wissenschaftliches Blickfeld rücken. So sind der interdisziplinäre Dialog und der Gedankenaustausch mitUNO­Praktikern aller Art zunehmend gefragt ein Berechtigungsschein für den Forschungskreis. Die 60 Teilnehmer der diesjährigen Konferenz, vorwiegend Wissenschaftler, einige Politiker und Journalisten, erfreulicherweise auch 18 Studie­rende von sieben Hochschuleinrichtungen, ver­ständigten sich zunächst über die aktuelle Beschaffenheit des Forschungskreises und widmeten sich inhaltlich diesmal den Schwer­

Interessenten können die Konferenzbeiträge in ihrer Gesamtheit im dritten Heft der Reihe Potsdamer UNO-Konferenzen nachlesen. Der Band ist nach Fertigstellung für 7,75 Euro beim MenschenRechtsZentrum(0331/977-3450) zu erwerben.

Portal 7-9/02

Vor dem UN-Hochhaus in New York wehen die Fahnen der Mitgliedsstaaten. Mit der Arbeit der Organisation beschäftigt sich unter anderem der am Potsdamer Menschen RechtsZentrum angesiedelte Forschungskreis Vereinte Nationen.

punktthemen der Zusammenarbeit zwischen EU beziehungsweise NATO und UNO. Volger, engagierter Koordinator, Herausgeber des renommierten 775seitigenLexikon der Verein­ten Nationen träumt demnach sogar von einem kleinen UNO-Institut in Berlin oder Potsdam mit Aufgaben wie Politikberatung, Herausgabe wissenschaftlicher Zeitschriften, Koordinierung der wissenschaftlichen Arbeit.Immerhin betrachten uns manche im Auswärtigen Amt schon als Denkfabrik, wir können also durchaus als Forschungskreis in die Politik hinein wirken, so seine Einschätzung.

Die sechs Vorträge und Diskussionen des Tagungsprogramms bewegten sich im Span­nungsfeld UNO, EU, NATO, Menschenrechte, Hier bewährte sich der For­schungskreis besonders in seiner Funktion der

Terrorismus.

gegenseitigen Information und des Gedanken­austauschs, wie sich am Beispiel des Vortrags von Dr. Ernst Sucharipa verdeutlichen lässt. Der Direktor der Diplomatischen Akademie Wien und ehemalige Missionschef Österreichs bei der

Foto: Volger

UN verstand es, die Tagungsteilnehmer auf die Notwendigkeit einer differenzierten Sicht bezüg­lich der Einbringung der gemeinsamen EU­Außen- und Sicherheitspolitik(GASP) in die UN aufmerksam zu machen. An Beispielen, mit his­torischem und aktuellen Zahlenmaterial belegt, lobte er unter anderem das zunehmend gemein­schaftliche Verhalten der ı5 EU-Länder bei Abstimmungen in der Generalversammlung, sprach von einemüberraschend hohen Kon­sens. Er kritisierte aber zugleich das zu wenig EU-geprägte Auftreten der ständigen und tem­porären Mitglieder des besonders das häufige national betonte Ausschä­ren Englands und Frankreichs.

Sicherheitsrates,

ak

Tagung zu Flüchtlingsschutz und Menschenrechten

Anfang Juni fand unter dem TitelHuman Rights of Refugees and a Single, Fair and Effi­cient Asylum Procedure die dritte gemeinsa­me Tagung des MenschenRechtsZentrums der Universität Potsdam und des Forschungs­zentrums für internationales und europäisches Ausländer- und Asylrecht der Universität Kon­stanz statt. An der internationalen Konferenz in Potsdam nahmen Vertreter aus den USA, Kanada und aus vierzehn europäischen Län­dern teil. Im Zentrum der Diskussion stand die Beschäftigung mit aktuellen menschen­rechtlichen Problemen des Flüchtlingsschut­ZeS.

Im Zuge der Globalisierung und der Weiter­entwicklung der Europäischen Union ist die europäische Harmonisierung des Flüchtlings­rechts eine wichtige Aufgabe. Während der Tagung wurde deshalb vor allem die Frage nach den Vor- und Nachteilen eines einheit­lichen Verfahrens für alle Formen der Flücht­lingsanerkennung erörtert.

Unterstützt wurde die Veranstaltung vom Ger­man Marshall Fund der Vereinigten Staaten von Amerika, der sich für die Zusammenar­beit zwischen den Vereinigten Staaten und Europa im Geiste des Marshallplans der Nach­kriegszeit einsetzt. Red.

29