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Der Iraum vom „kleinen UNO-Institut“
Der Forschungskreis Vereinte Nationen veranstaltete 4. Potsdamer UNO-Konferenz
Bereits zum vierten Male hatte das MenschenRechtsZentrum der Universität Potsdam die Mitglieder des 1999 hier gegründeten Forschungskreises Vereinte Nationen zu einem zweitägigen Informations- und Erfahrungsaustausch eingeladen. Der Forschungskreis versteht sich als informeller Zusammenschluss aller derjenigen, die sich für eine bessere Kooperation in der deutschsprachigen Forschung über die Vereinten Nationen und ihre Sonderorganisationen einsetzen.
ass dieses recht engagierte Gremium D aus Wissenschaftlern, aktiven und ehemaligen Diplomaten, Parlamentariern, Journalisten nach Aussage seines Koordinators Dr. Helmut Volger„wächst, blüht und gedeiht“, gegenwärtig schon 155 Mitglieder zählt, ist nicht verwunderlich. So stellte Dr. Günther Unser, der Aachener UN-Experte und Verfasser des in zahlreichen Auflagen erschienenen Taschenbuchs „Die UNO“, in einem Diskussionsbeitrag unter anderem fest, dass fast an jeder deutschen Universität Europaforschung betrieben werde, aber mit Tübingen nur ein einziges UNO-Forschungszentrum existiere. Auch gäbe es keinen Lehrstuhl für internationale Organisationen. Allerdings wird immer deutlicher, dass neben den Völkerrechtlern nun auch Politologen organisationsrechtliche und strukturelle Gegenstände der UNO stärker in ihr wissenschaftliches Blickfeld rücken. So sind der interdisziplinäre Dialog und der Gedankenaustausch mit„UNOPraktikern“ aller Art zunehmend gefragt— ein „Berechtigungsschein“ für den Forschungskreis. Die 60 Teilnehmer der diesjährigen Konferenz, vorwiegend Wissenschaftler, einige Politiker und Journalisten, erfreulicherweise auch 18 Studierende von sieben Hochschuleinrichtungen, verständigten sich zunächst über die aktuelle „Beschaffenheit“ des Forschungskreises und widmeten sich inhaltlich diesmal den Schwer
Interessenten können die Konferenzbeiträge in ihrer Gesamtheit im dritten Heft der Reihe „Potsdamer UNO-Konferenzen“ nachlesen. Der Band ist nach Fertigstellung für 7,75 Euro beim MenschenRechtsZentrum(0331/977-3450) zu erwerben.
Portal 7-9/02
Vor dem UN-Hochhaus in New York wehen die Fahnen der Mitgliedsstaaten. Mit der Arbeit der Organisation beschäftigt sich unter anderem der am Potsdamer Menschen RechtsZentrum angesiedelte „Forschungskreis Vereinte Nationen“.
punktthemen der Zusammenarbeit zwischen EU beziehungsweise NATO und UNO. Volger, engagierter Koordinator, Herausgeber des renommierten 775seitigen„Lexikon der Vereinten Nationen“ träumt demnach sogar von einem „kleinen UNO-Institut“ in Berlin oder Potsdam mit Aufgaben wie Politikberatung, Herausgabe wissenschaftlicher Zeitschriften, Koordinierung der wissenschaftlichen Arbeit.„Immerhin betrachten uns manche im Auswärtigen Amt schon als Denkfabrik, wir können also durchaus als Forschungskreis in die Politik hinein wirken“, so seine Einschätzung.
Die sechs Vorträge und Diskussionen des Tagungsprogramms bewegten sich im Spannungsfeld UNO, EU, NATO, Menschenrechte, Hier bewährte sich der Forschungskreis besonders in seiner Funktion der
Terrorismus.
gegenseitigen Information und des Gedankenaustauschs, wie sich am Beispiel des Vortrags von Dr. Ernst Sucharipa verdeutlichen lässt. Der Direktor der Diplomatischen Akademie Wien und ehemalige Missionschef Österreichs bei der
Foto: Volger
UN verstand es, die Tagungsteilnehmer auf die Notwendigkeit einer differenzierten Sicht bezüglich der Einbringung der gemeinsamen EUAußen- und Sicherheitspolitik(GASP) in die UN aufmerksam zu machen. An Beispielen, mit historischem und aktuellen Zahlenmaterial belegt, lobte er unter anderem das zunehmend gemeinschaftliche Verhalten der ı5 EU-Länder bei Abstimmungen in der Generalversammlung, sprach von einem„überraschend hohen Konsens“. Er kritisierte aber zugleich das zu wenig EU-geprägte Auftreten der ständigen und temporären Mitglieder des besonders das häufige national betonte Ausschären Englands und Frankreichs.
Sicherheitsrates,
ak
Tagung zu Flüchtlingsschutz und Menschenrechten
Anfang Juni fand unter dem Titel„Human Rights of Refugees and a Single, Fair and Efficient Asylum Procedure“ die dritte gemeinsame Tagung des MenschenRechtsZentrums der Universität Potsdam und des Forschungszentrums für internationales und europäisches Ausländer- und Asylrecht der Universität Konstanz statt. An der internationalen Konferenz in Potsdam nahmen Vertreter aus den USA, Kanada und aus vierzehn europäischen Ländern teil. Im Zentrum der Diskussion stand die Beschäftigung mit aktuellen menschenrechtlichen Problemen des FlüchtlingsschutZeS.
Im Zuge der Globalisierung und der Weiterentwicklung der Europäischen Union ist die europäische Harmonisierung des Flüchtlingsrechts eine wichtige Aufgabe. Während der Tagung wurde deshalb vor allem die Frage nach den Vor- und Nachteilen eines einheitlichen Verfahrens für alle Formen der Flüchtlingsanerkennung erörtert.
Unterstützt wurde die Veranstaltung vom German Marshall Fund der Vereinigten Staaten von Amerika, der sich für die Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und Europa im Geiste des Marshallplans der Nachkriegszeit einsetzt. Red.
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