Forschung
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Weltkartellamt keine Lösung
Volkswirtschafiliches Dialogseminar zu aktuellen Fragen der Wirtschaftspolitik
Auch das Verhältnis von öffentlichen Banken zu privaten Banken wird immer wieder untersucht und
diskutiert. Beide Seiten stehen seit jeher in Konkurrenz zueinander. Die private Deutsche Bank mit Hauptsitz und großem Handelsraum in Frankfurt/M. spielt dabei eine große Rolle.
Wettbewerbsprozesse sind untrennbar mit einer marktwirtschaftlichen Ordnung verbunden, wobei der Staat die Spielregeln für die Privaten setzt. Allerdings gibt es zahlreiche Branchen, in denen freier Wettbewerb nicht vorhanden ist, sondern vielfältige staatliche Eingriffe in die Märkte erfolgen. Darüber hinaus findet Wettbewerb auch zwischen Volkswirtschaften statt, so dass sich die Frage der Regelsetzung ebenso auf der internationalen Ebene stellt. Einigen dieser interessanten Problemfelder der Ordnungspolitik wurde im Rahmen des Dialogseminars von Norbert Eickhof, Professor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Wirtschaftspolitik, auf den Grund gegangen.
it finanzieller Unterstützung der M Hanns Martin Schleyer-Stiftung sowie der Ehlerding-Stiftung trafen Anfang
Juni knapp 30 Studierende und Mitarbeiter der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät mit hochrangigen Vertretern aus Politik, Verbänden und Unternehmen am Berliner Müggelsee zusammen. In dieser außeruniversitären
30
Atmosphäre konnten zwei Tage lang aktuelle Themen der Wirtschaftspolitik aus der Sicht von Theorie und Praxis ausführlich diskutiert werden.|
So wurden die Konsequenzen der Globalisierung für die Wettbewerbspolitik mit dem Ergebnis erörtert, dass das häufig geforderte Weltkartellamt weder politisch realisierbar noch ökonomisch wünschenswert wäre. Eine andere, ebenfalls internationale Frage betraf die Auswirkungen des weltweiten Standortwettbewerbs auf die nationale Wirtschaftspolitik. Zwar sei nach Ansicht der Teilnehmer bei der Steuerpolitik eine Tendenz zur Entlastung mobilen Kapitals zu Lasten der Arbeitseinkommen zu beobachten, jedoch bestehe keineswegs die Gefahr eines „Race to the bottom“. Einen weiteren Schwerpunkt bildete die Binnenmarktpolitik der Europäischen Union: Während die Gemeinsame Agrarpolitik mit ihren ineffizienten Marktordnungen und kostspieligen Subventionen für die Landwirtschaft ohnehin reformbedürftig ist, sollten die in dieser Form verfehlten Maßnahmen—
Foto: Deutsche Bank
so zeigte man sich einig— keinesfalls im Zuge der EU-Osterweiterung ab 2004 noch auf die Beitrittsländer übertragen werden. Die Binnenmärkte für Strom und Gas hingegen befänden sich aufgrund europarechtlicher Vorschriften bereits in einem Liberalisierungsprozess, wobei insbesondere aus deutscher Sicht fraglich bliebe, ob es für mehr Wettbewerb des von der EU gewünschten staatlich regulierten Zugangs zu den Leitungsnetzen bedürfe. In die gleiche Richtung geht, so wurde es im Seminar deutlich, die Marktöffnung im europäischen Schienenverkehr, wobei die Eisenbahn nach einhelliger Meinung am besten durch eine konsequente Trennung von Schienennetz und Transportbetrieb wettbewerbsfähig werden dürfte. Des Weiteren waren die öffentlichen Banken in Deutschland ein aktuelles Thema, wenngleich sie seit jeher in Konkurrenz zu privaten Kreditinstituten stehen. Hier wurden die traditionellen Argumente „Daseinsvorsorge“ und„Öffentlicher Auftrag“ kritisch hinterfragt und neben der bereits eingeleiteten Beendigung der noch bestehenden Wettbewerbsverzerrungen schrittweise Privatisierungen der öffentlichen Institute angemahnt.
Wie sich durch die Behandlung der verschiedenen Themen gezeigt hat, ist Ordnungsökonomik nicht nur eine aktuelle und kontroverse wirtschaftspolitische, sondern auch eine interessante, komplexe wissenschaftliche Aufgabe. Dieses Seminar hat sicher bei allen Teilnehmern dazu beigetragen, das Bewusstsein für ordnungspolitische Fragestellungen zu schärfen. Zudem konnten durch den Dialog mit renommierten Praktikern viele informative Einblicke in einzelne Bereiche gewonnen werden, die sich einer rein akademischen Betrachtung entziehen würden.
Andreas Schulze/Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
abends ging es dann in gemütlicher Runde weiter.
Portal 7-9/02
Foto: zg.