Heft 
(1.1.2019) 10
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Klarer Auftrag

Wissenschaftskultur heißt der Impuls der Uni für die Stadt

Die Landeshauptstadt Potsdams sieht sich am liebsten als Kulturstadt zwischen Tradition und Moderne. Allerdings bestehen immer noch Schwierigkeiten, dieses Selbstbild zu stan­dardisieren.

u weit noch liegen der Wiederaufbauwil­

le von Stadtschloss und Garnisonskirche

von den Planungen der Medienstadt und dem Nachdenken über einen Wissenschafts­standort entfernt. Bezüglich letzterem darf man nicht vergessen, dass der kulturelle Aufbruch nach 1989 in Potsdam vor allem auch ein wis­senschaftlicher war: Mit der Gründung und der Existenz der Universität bekam Potsdam eine neue Dimension; nicht zuletzt mit Blick auf

BE Internationalität und Multikulturalität. Die Uni­versität, geistiges Zentrum ohne Mittelpunkt in der Stadt, hat originär einen Wissenschaftsauf­trag. Dieser besteht darin, Lehre und Forschung als widersprüchliche Wirklichkeitsdeutung zu vermitteln. Daraus entwickeln sich ihre Kontu­ren und Impulse, die dann zu einer spezifischen und komplexen, mit dem entsprechendensozi­alen Wissensvorrat ausgestatteten Wissen­schaftskultur verschmelzen. In den städtischen Kontext gestellt, wird diese allerdings nicht sel­ten mit Erwartungen konfrontiert, die oftmals gleichermaßen diffus erscheinen wie sie auf Wahrnehmungsmuster derjenigen verweisen, die allein die privaten Interessen widergespiegelt finden möchten. Kaum einer wundert sich darü­ber, dass von der FilmhochschuleKonrad Wolf das Potsdamer FilmfestSehsüchte ausgeht. Schließlich ist ihr so etwas implizit. Aber ebenso wundert sich niemand darüber, dass die Univer­sität Mitveranstalter von UNIDRAM ist, mittler­weile eines der größten internationalen OFF­Theaterfestivals Deutschlands. Genug ist nie genug, und deshalb wird die Uni nicht selten als

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Die Forschungseinrich­tungen der Region verlei­hen Potsdam schon längst eine neue Qualität als Wissenschafts­standort.

Titel

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Kulturanbieter im Sinne kreativ-künstlerischer Artefakte angesehen, der sie von ihrem Auftrag her nur in zweiter oder dritter Linie ist. Gleich­wohl ist deren Zahl durchaus beträchtlich. Die zumeist kleineren Unternehmungen fernab jeg­lichen Event-Gebahrens sind, wie könnte es anders sein, von unterschiedlichem Niveau, oft nur von kurzer Dauer und dennoch vielfältiger Ausdruck persönlichkeitsbildender, subkulturel­ler Differenzierungen. Durch verschiedenste Personen und Projekte sind sie sowohl im Stadt­gebilde selbst als auch darüber hinaus wie in einem kommunizierenden Röhrensystem mit­einander verbunden. Wollte man Potsdamer Stadtgeschichte als Kulturgeschichte schreiben, käme man an diesen stark fluktuierenden Netz­werken nicht vorbei. Selbst Teil der Wissen­schaftskultur, transformieren sie diese auf ihre Art und Weise ins lokale Bewusstsein. Unzwei­felhaft würde ein studentisches Kulturzentrum stärker den Focus auf solche Impulse richten, die von und aus der Universität kommen und letzt­lich dorthin auch zurückwirken.

Im stadttypischen Wirrwarr von Partikularin­teressen wird der wichtigste Grundzug besagter Wissenschaftskultur, die 1 auch immer Informa­tionskultur ist, dings zu wenig wahrge­nommen: Die Kommu­nikation aus dem Geiste wissenschaftlicher Ver­netzung. Die Debatte um ein Science Center in der Stadt, ein Projekt mit durchaus auch soziokultureller Komponen­te, unterstreicht dies einmal mehr. Wenn Kultur immer etwas über die Differenz zwischen Vor­gefundenem und Geschaffenem aussagt, also

aller­

_ Jetztlich über Gestaltung und deren Dynamik,

dann zeigt sich die Uni durchaus mit beträchtli­chem Qualitätsbewusstsein. Reserven bestehen zwar, aber das vielbeschworene weitgespannte Netz von Forschungseinrichtungen und An­Instituten, ist allein schon quantitativ gesehen eine finanziell-organisatorische Leistung, ein visionäreswissenschaftliches Gesamtkunst­werk mit riesigem Innovationspotential. Und doch gehört es nicht zu den festen kulturellen Gewohnheiten dieser Stadt, mit denen sie sich definiert. Fehlen da etwa Präsentations- und Ver­mittlungsstrategien durch die Stadt selbst! Ein wirkliches Konzept dafür, wie Wissenschaftskul­tur in städtische Gesamtkultur zu integrieren wäre? Vielleicht kommt daher auch der leise Zweifel, ob denn auf dem Ortseingangsschild tat­sächlichUniversitätsstadt zu lesen wäre, wenn es dort das WörtchenLandeshauptstadt nicht schon gäbe? tp

Portal 10/02

Fotos: Fritze