Heft 
(1.1.2019) 11
Einzelbild herunterladen

Uni Aktuell

www.uni-potsdam.de/portal/dezo2/uniaktuell

nistik anführen. Hier ließe sich ein Modul ent­wickeln, das aus einer Vorlesung zur Literatur­geschichte und einem Seminar besteht, das his­torisch bezogen dem Werk einzelner Autoren nachgeht. Zugleich sind im Modul fachdidakti­sche Aspekte einer schülerwirksamen Vermitt­lung von literaturgeschichtlichen Ereignissen und von Unterrichtsstoff über Autoren und ihre Werke verankert.

Wie reagieren denn die Studenten darauf, dass das gute alte klassische Studium durch ein modulares ersetzt werden soll? Gibt es da Wider­stände?

Haßler: Das kann ich mir nicht vorstellen, denn eigentlich schaffen ja die Module für die Studie­renden eine gute Übersicht über das, was ihnen abverlangt wird. Außerdem kann zeitlich zusammenhängend das studiert und zu einem gewissen Abschluss gebracht werden, was zusammen gehört. Und äußerlich, also was die Organisationsformen des Studiums angeht, ändert sich ja nicht viel. Die Module enthalten wie gewohnt Vorlesungen, Seminare, Praktika, Klausuren, Kolloquien, Hausarbeiten und ande­res. Oft werden auch bereits Anforderungen an das jeweils inhaltsbezogene Selbststudium ein­bezogen. Eines bleibt den Studierenden bei modularen Studiengängen allerdings versagt: Sie können nicht mehr, wie oft üblich, ein Minimal­programm fahren.

Wieso eigentlich nicht, wenn sich doch äußer­lich am Studium nicht viel ändert?

Haßler: Das hängt mit den Leistungskontrollme­chanismen des modularen Studierens zusam­men. Einmal wird die Teilnahme, also dieAbar­beitung aller Einheiten eines Moduls bewertet. Bei den Medienwissenschaftlern erhalten die Studierenden beispielsweise für den regelmäßi­gen Besuch einer zwei Semester-Wochen-Stun­den-Vorlesung einen Leistungspunkt, bei zusätz­licher erfolgreicher Bewältigung einer Klausur drei Leistungspunkte und so weiter. Die Studien­ordnung schreibt vor, dass die Studierenden beim Durchlaufen eines jeden Moduls zum Erwerb von 30 Leistungspunkten verpflichtet sind. Wir rechnen so, dass für einen Leistungs­punkt etwa 30 Arbeitsstunden aufgewendet wer­den müssen. Im Punktsystem werden auch schriftliche Arbeiten berücksichtigt, und es ist allgemein üblich, dass nach Absolvierung eines Moduls eine Gesamtnote vergeben wird, die natürlich dann bei Zwischenprüfungen und Exa­mina mit gewertet wird.

Das klingt ja, als ob der Aufbau von Studiengän­gen als Modulsystem für ein effizientes Studium

nur Vorteile mit sich brächte.

Portal 11-12/02

Foto: Fritze

Nicht Lieblingsthemen, sondern für das Fachgebiet wesentliche Angebote. Dafür setzt sich Gerda Haßler ein.

Haßler: Module wären sicher nichtreformför­derlich, wenn sie nicht deutlich sichtbare Vor­teile hätten. Ich habe ja noch gar nicht alle genannt. Zum Beispiel würden etwa gleich oder zumindest ähnlich aufgebaute Module für ver­gleichbare Studiengänge an unterschiedlichen nationalen oder internationalen Hochschulen die Anerkennung des bisher Geleisteten bei Hochschulwechsel bedeutend erleichtern. Auch Studienunterbrechungen aus Krankheits- und familiären Gründen ließen sich bei Klarheit über bereits absolvierte und noch zu bewältigende Module günstiger kompensieren. Und dann sehe ich noch einen nicht zu unterschätzenden Vorteil. Module müssen auf Kerncurricula auf­bauen, das heißt, ihre Verfässer, also alle für die einzelnen Studiengänge Verantwortlichen, wer­den gezwungen, sich auf inhaltlich wesentliche Angebote, nicht aufLieblingsthemen, festzu­legen. Das Studium wird so insgesamt verbind­licher.

Und die Nachteile?

Haßler: Die gibt es sicher auch. So besteht mei­nes Erachtens die Gefahr der Zerstückelung des Studiums in einzelne Bausteine. Diese Gefahr müssen wir sehen und gegensteuern. So gilt es, die einzelnen Module inhaltlich so zu gestalten, dass die Studierenden kumulativ lernen können, also modulübergreifend fortschreitend. Das ist ja nach TIMMS und PISA auch eine bekannte Forderung für die Gestaltung von Schullehrplä­nen.

Kommen wir am Schluss zu einer vielleicht hei­klen Frage. Die Institute waren aufgefordert, bereits bis zum ı. November Entwürfe für die

Modularisierung ihrer Studiengänge bei Ihnen einzureichen. Hat das funktioniert? Sind Sie zufrieden mit dem gegenwärtigen Stand der Dinge?

Haßler: Anfang November sind für 26 Fächer Modularisierungsentwürfe eingegangen, von einigen Fächern erhielt ich Nachrichten, die vom baldigen Abschluss der Modularisierung berich­ten. In verschiedenen Fächern, insbesondere der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakul­tät, war das Benennen von Modulen überhaupt kein Problem, da man weiß, welche Bestandtei­le zum Studium eines Faches gehören. Die Humanwissenschaftliche Fakultät hat ein gan­zes Paket von Modularisierungen vorgelegt, das den größten Teil ihres Fächerspektrums abdeckt. Einige Fächer geraten dagegen durch die Aufla­ge zur Modularisierung erstmals in die Lage, ihre unverzichtbaren Kernbestandteile bestim­men zu müssen und sich dann auf diese festzu­legen. In diesen Fällen wird noch ein Klärungs­prozess stattfinden müssen. Das vermeintlich freie, nicht inhaltlich strukturierte und nicht ent­sprechende Voraussetzungen schaffende Stu­dium führt schließlich auch in fortgeschrittenen Semestern immer wieder zum Neuanfang, nicht zuletzt auch zu einem Verlust von Studierenden im Hauptstudium. Insgesamt bin ich jedoch zuversichtlich. Von den eingegangenen Modula­risierungsentwürfen sind viele direkt in Studien­ordnungen umsetzbar, in einigen Fällen werden wir uns über die Größe der Module und ihre Stu­dierbarkeit unterhalten müssen.

Frau Haßler, ich danke Ihnen für dieses ausführ­liche Gespräch.