Uni Aktuell
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nistik anführen. Hier ließe sich ein Modul entwickeln, das aus einer Vorlesung zur Literaturgeschichte und einem Seminar besteht, das historisch bezogen dem Werk einzelner Autoren nachgeht. Zugleich sind im Modul fachdidaktische Aspekte einer schülerwirksamen Vermittlung von literaturgeschichtlichen Ereignissen und von Unterrichtsstoff über Autoren und ihre Werke verankert.
Wie reagieren denn die Studenten darauf, dass das gute alte klassische Studium durch ein modulares ersetzt werden soll? Gibt es da Widerstände?
Haßler: Das kann ich mir nicht vorstellen, denn eigentlich schaffen ja die Module für die Studierenden eine gute Übersicht über das, was ihnen abverlangt wird. Außerdem kann zeitlich zusammenhängend das studiert und zu einem gewissen Abschluss gebracht werden, was zusammen gehört. Und äußerlich, also was die Organisationsformen des Studiums angeht, ändert sich ja nicht viel. Die Module enthalten wie gewohnt Vorlesungen, Seminare, Praktika, Klausuren, Kolloquien, Hausarbeiten und anderes. Oft werden auch bereits Anforderungen an das jeweils inhaltsbezogene Selbststudium einbezogen. Eines bleibt den Studierenden bei modularen Studiengängen allerdings versagt: Sie können nicht mehr, wie oft üblich, ein Minimalprogramm fahren.
Wieso eigentlich nicht, wenn sich doch äußerlich am Studium nicht viel ändert?
Haßler: Das hängt mit den Leistungskontrollmechanismen des modularen Studierens zusammen. Einmal wird die Teilnahme, also die„Abarbeitung“ aller Einheiten eines Moduls bewertet. Bei den Medienwissenschaftlern erhalten die Studierenden beispielsweise für den regelmäßigen Besuch einer zwei Semester-Wochen-Stunden-Vorlesung einen Leistungspunkt, bei zusätzlicher erfolgreicher Bewältigung einer Klausur drei Leistungspunkte und so weiter. Die Studienordnung schreibt vor, dass die Studierenden beim Durchlaufen eines jeden Moduls zum Erwerb von 30 Leistungspunkten verpflichtet sind. Wir rechnen so, dass für einen Leistungspunkt etwa 30 Arbeitsstunden aufgewendet werden müssen. Im Punktsystem werden auch schriftliche Arbeiten berücksichtigt, und es ist allgemein üblich, dass nach Absolvierung eines Moduls eine Gesamtnote vergeben wird, die natürlich dann bei Zwischenprüfungen und Examina mit gewertet wird.
Das klingt ja, als ob der Aufbau von Studiengängen als Modulsystem für ein effizientes Studium
nur Vorteile mit sich brächte.
Portal 11-12/02
Foto: Fritze
Nicht Lieblingsthemen, sondern für das Fachgebiet wesentliche Angebote. Dafür setzt sich Gerda Haßler ein.
Haßler: Module wären sicher nicht„reformförderlich“, wenn sie nicht deutlich sichtbare Vorteile hätten. Ich habe ja noch gar nicht alle genannt. Zum Beispiel würden etwa gleich oder zumindest ähnlich aufgebaute Module für vergleichbare Studiengänge an unterschiedlichen nationalen oder internationalen Hochschulen die Anerkennung des bisher Geleisteten bei Hochschulwechsel bedeutend erleichtern. Auch Studienunterbrechungen aus Krankheits- und familiären Gründen ließen sich bei Klarheit über bereits absolvierte und noch zu bewältigende Module günstiger kompensieren. Und dann sehe ich noch einen nicht zu unterschätzenden Vorteil. Module müssen auf Kerncurricula aufbauen, das heißt, ihre Verfässer, also alle für die einzelnen Studiengänge Verantwortlichen, werden gezwungen, sich auf inhaltlich wesentliche Angebote, nicht auf„Lieblingsthemen“, festzulegen. Das Studium wird so insgesamt verbindlicher.
Und die Nachteile?
Haßler: Die gibt es sicher auch. So besteht meines Erachtens die Gefahr der Zerstückelung des Studiums in einzelne Bausteine. Diese Gefahr müssen wir sehen und gegensteuern. So gilt es, die einzelnen Module inhaltlich so zu gestalten, dass die Studierenden kumulativ lernen können, also modulübergreifend fortschreitend. Das ist ja nach TIMMS und PISA auch eine bekannte Forderung für die Gestaltung von Schullehrplänen.
Kommen wir am Schluss zu einer vielleicht heiklen Frage. Die Institute waren aufgefordert, bereits bis zum ı. November Entwürfe für die
Modularisierung ihrer Studiengänge bei Ihnen einzureichen. Hat das funktioniert? Sind Sie zufrieden mit dem gegenwärtigen Stand der Dinge?
Haßler: Anfang November sind für 26 Fächer Modularisierungsentwürfe eingegangen, von einigen Fächern erhielt ich Nachrichten, die vom baldigen Abschluss der Modularisierung berichten. In verschiedenen Fächern, insbesondere der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät, war das Benennen von Modulen überhaupt kein Problem, da man weiß, welche Bestandteile zum Studium eines Faches gehören. Die Humanwissenschaftliche Fakultät hat ein ganzes Paket von Modularisierungen vorgelegt, das den größten Teil ihres Fächerspektrums abdeckt. Einige Fächer geraten dagegen durch die Auflage zur Modularisierung erstmals in die Lage, ihre unverzichtbaren Kernbestandteile bestimmen zu müssen und sich dann auf diese festzulegen. In diesen Fällen wird noch ein Klärungsprozess stattfinden müssen. Das vermeintlich freie, nicht inhaltlich strukturierte und nicht entsprechende Voraussetzungen schaffende Studium führt schließlich auch in fortgeschrittenen Semestern immer wieder zum Neuanfang, nicht zuletzt auch zu einem Verlust von Studierenden im Hauptstudium. Insgesamt bin ich jedoch zuversichtlich. Von den eingegangenen Modularisierungsentwürfen sind viele direkt in Studienordnungen umsetzbar, in einigen Fällen werden wir uns über die Größe der Module und ihre Studierbarkeit unterhalten müssen.
Frau Haßler, ich danke Ihnen für dieses ausführliche Gespräch.