Eine echte Alternative
Weltweite Linux-Fangemeinde jetzt auch in Potsdam verankert
Auf Kuschelkurs mit dem Linux-Pinguin.
Wer kennt die Situation nicht: Eigentlich in bester Arbeitslaune am Computer sitzend und dann plötzlich doch nichts als Chaos vor Augen. Auf dem Bildschirm blinkt akkurat die Fehlermeldung. Mit Windows geht’s erst einmal nicht weiter. Da ist guter Rat teuer. Glück hat der, dem der nahe Fachmann schnell helfen kann. Ansonsten verläuft der so enthusiastisch begonnene Tag dann eher trübe. Wertvolle Zeit verstreicht, bis das Rätsel entschlüsselt ist.
as muss nicht sein. Beim Betriebssystem D Linux etwa gibt es bessere Möglichkeiten, selbst auf Fehlersuche zu gehen. Und nicht nur das. Es bietet auch andere Vorzüge. Wen wundert’s deshalb, dass seine FanGemeinde ständig wächst. Eine solche Gruppe, die die Freunde des Systems um sich vereint, gibt es jetzt auch an der Universität Potsdam. Im Sommer gegründet, will die Linux User Group, kurz upLUG genannt, die Verbreitung und das allgemeine Verständnis für die alternative Software an der Hochschule und darüber hinaus fördern.„Wir wollen anderen bei auftretenden Problemen helfen, den gegenseitigen Austausch intensivieren, auch selbst immer wieder dazu lernen“, beschreibt Stephan Uhlmann, einer der insgesamt acht Gründungsmitglieder des an der Uni eingetragenen Vereins, das Ansinnen der Akteure. Die Vorteile des Systems und seiner dazugehörigen Programme liegen nach Ansicht des Informatik-Studenten klar auf der Hand. Dass
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es sich um eine freie, veränderbare und jederzeit kopierbare Software handelt, seien einige der Vorzüge.„Man hat die Möglichkeit, bei Problemen so zusagen unter die Haube zu schauen,
nachzuvollziehen, was eigentlich im Hintergrund passiert“, erklärt er begeistert. Diese größere Kontrolle über den eigenen Computer habe seinen Reiz. Aber auch für die Nicht-Techniker unter den Nutzern gibt es offensichtlich LinuxVorteile, die überzeugen. Das jedenfalls meint Andre Kloth, ebenfalls Mitglied der Gruppe und Informatikstudent. Er verweist gleich auf mehrere Pluspunkte im Vergleich zu anderen Angeboten. Linux sei zum Beispiel völlig kostenfrei und in Sachen Zuverlässigkeit oft überlegen. In diesem Zusammenhang betont er gleich noch die vielen Anwendungen von Linux. Ob man eine CD brennen, einen Videofilm anschauen oder auch nur ein Spiel bestreiten wolle, alles sei inzwischen möglich. Mittlerweile gäbe es auch mehrere Office-Produkte.„Genau so wie aus Microsoft-Office bekannt, stehen zahlreiche Funktionen zur Verfügung. Ich kann alles machen. Mit dem Unterschied: Es ist frei, kostenlos, und wenn ich technikversiert bin, kann ich auch selbst etwas verändern.“
Dass die Verständigung über Linux eine tolle Kommunikationsform darstellt, darüber sind sich die Beiden einig. Es beflügelt sie schon, wenn sie Reaktionen auf selbst geschriebene Programme erhalten. Beim Schreiben verstehen sie die
Foto: Fritze
Studiosi
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dahinter steckende Technik immer mehr.„Dies wird aber erst durch die Offenheit von Linux und den zugehörigen Anwendungen möglich. Der Quellcode ist für jeden lesbar und veränderbar. Genau das ist der entscheidende Vorsprung gegenüber nicht offenen Systemen wie Microsoft Windows“, so Uhlmann. Natürlich sei die Hinwendung zum Neuen zunächst einmal ein größerer Schritt, zumal in seiner Handhabung deutliche Unterschiede zum üblicherweise Gewohnten bestünden.„Aber anders heißt ja nicht schlechter“.
Derzeit arbeiten weltweit bereits etwa achtzehn Millionen Menschen mit dem Betriebssystem Linux. Angefangen hat vor mehr als zehn Jahren der Finne Linus Torvalds. Die Vervollständigung des Systems erfolgte durch die wachsende Fan-Gemeinde, die durch ihr Feedback Erweiterungen und Verbesserungen einbrachte.
Viel Publicity für Linux brachte in Deutschland unter anderem die im Deutschen Bundestag durchgeführte Umstellung der Server auf das System. Verwaltungen, Firmen, sogar Zeitungsredaktionen wie etwa die taz ziehen nun nach oder testen zumindest. Auch für die Uni Potsdam ist es eine Alternative. In den Instituten für Mathematik und Informatik arbeiten heute schon Wissenschaftler und Studierende damit. Dieser Trend wird wohl anhalten. Das vermutet auch Rolf Adams, stellvertretender Leiter der Zentralen Einrichtung für Informationsverarbeitung und Kommunikation(ZEIK).„Schon aus Kostengründen wird Linux immer mehr Einzug halten“, nimmt er an. Und fügt hinzu:„Allerdings nicht als alleiniges Arbeitsmittel, sondern als eines unter mehreren.“ Uhlmann und Kloth sehen das ähnlich. Das Know how existiere.“Für diejenigen, die heute Solaris benutzen, ist das Umsteigen beispielsweise kaum ein Problem“, so ihre Einschätzung zur Perspektive der einstigen Torvalds-Erfindung. pg
Weitere Informationen über die Arbeit der Gruppe finden Interessierte im Internet unter der Adresse http://www.uplug.de. Wer mitmachen möchte, kann sich dort auch in eine Mail
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