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(1.1.2019) 11
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ches finanziert hat, kann es ein Problem geben. Die Hochschulen stehen hier vor völlig neuen Herausforderungen, denn es macht keinen Sinn, wichtige Drittmittelpartner zu verprellen. Des­halb müssen die Hochschulen bei der Aushand­lung von vertraglichen Regelungen von Anfang an ein kompetenter Partner sein, der seine Inter­essen deutlich artikuliert. So werden am Ende alle profitieren.

Welchen Nutzen hat eigentlich nach dem novel­lierten Gesetz noch der Erfinder selbst von sei­nem Produkt?

Bohlen: Um es klar zu sagen: Im Verwertungs­fall einen sehr großen. Er erhält 30 Prozent der Bruttoverwertungserlöse. Ich möchte allerdings vor allzu großer Euphorie warnen. Noch gibt es relativ wenige Präzedenzfälle für Patentverkäufe und Lizenzierungen in Deutschland. Ganz im Gegensatz etwa zu den USA.

Wie steht es denn konkret um die Patententwick­lung an der Universität und die Aussicht auf eine erfolgreiche Verwertung von wissenschaftlichen Neuheiten?

Bohlen: Von 1996 bis 2001 wurden 32 Patente angemeldet, vorwiegend von Wissenschaftlern der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät. Davon wurde etwa ein Drittel bis ein Viertel tatsächlich einer Verwertung zugeführt. Allein seit Jahresbeginn liegen dem PITT acht Erfindungsmeldungen vor. Drei Erfindungen davon, unter anderem auf dem Gebiet der Laser­technik, stehen kurz vor einer möglichen Ver­wertung. Hier sind bereits Industriepartner iden­tifiziert. Solche Beispiele sollten auch anderen Wissenschaftlern Mut machen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Neues Studienkolleg

Der Wissenschaftsstandort Berlin ist um eine Einrichtung reicher. Gemeinsam getragen von der Studienstiftung des deutschen Volkes und der gemeinnützigen Hertie-Stiftung werden amStudienkolleg zu Berlin mit Sitz am Gendarmenmarkt besonders begabte Studie­rende und Doktoranden aller Fachrichtungen aus ganz Europa für ein Jahr zusammenge­führt. Sie durchlaufen parallel zu ihrem regu­lären Studium an einer der Berliner Univer­sitäten oder an der Universität Potsdam ein Exzellenz-Programm mit europäischer Aus­richtung. Die ersten 37 Teilnehmer wurden bereits aufgenommen. Red.

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Maxi-Leistungsdichte aus einer Min1i-Box.

Der Physiker Dr. Volker Raab entwickelte

einen beeindruckenden Kompakt-Laser

Dr. Volker Raab, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Photonik des Institutes für Physik, kann ein besonders zukunfts- und vermarktungs­trächtiges Forschungsergebnis vorweisen. Ihm ist es gelungen, in einem kleinen, handlichen Käst­chen von 3x3x8 Zentimeter Laserstrahlen zu erzeugen und zugleich so extrem zu bündeln, dass sie mit vergleichsweise elfmal größerer Lei­stungsdichte als üblich aus einem Spalt an der Box austreten. Damit hat der 35 Jahre junge Phy­siker unter der Leitung von Prof. Dr. Ralf Menzel in nur wenigen Jahren einen bedeutenden Beitrag zur Weiterentwicklung optischer Technologien geleistet, obwohl seine wissenschaftliche Laufbahn gar nicht von vornherein auf Laseroptik fixiert war. Iker Raab hat an der Technischen Uni­\} versität München Physik studiert, konnte für eine Diplomarbeit über Kräftewirkun­gen in Atomkernen am Europäischen Kernfor­schungsinstitut CERN experimentieren und wurde schließlich an der Universität Potsdam in der Max-Planck-ArbeitsgruppeNichtlineare Dynamik mit einem chaostheoretischen The­ma promoviert. Erst vor sechs Jahren begab er sich durch die Mitarbeit an einem gemeinsamen Forschungsprojekt der Professoren Jürgen Kurths und Ralf Menzel auf dieLaserstrecke. Sein Arbeitsfeld im Rahmen der heutigen Laser­forschung der Uni-Photoniker ist vor allem die Leistungsdichte, also die Leistung des Strahls pro Quadratzentimeter Auftrefffläche. Strahlen hoher Leistungsdichte werden beispielsweise zur Vervollkommnung elektronischer Druckereiver­fahren benötigt. Mit ihnen können selbst klein­ste Zeichen vollständig abgetastet und vom Laserstrahl sicher auf Druckplatten übertragen werden. Auch alsMesser in der Chirurgie wer­den scharf gebündelte Laserstrahlen mit entspre­chend hoher Leistungsdichte benötigt.

Unser gegenwärtiges Forschungskonzept zielt unter anderem darauf ab, in handlichen Apparaturen erzeugtes Laserlicht aufs Engste zu bündeln, selbst wenn wir dafür einen Rückgang der absoluten Leistung in Kauf nehmen müs­sen, erklärt Volker Raab. Und das Konzept ging bisher auf, aber dafür war eine Sisyphusarbeit erforderlich. Kleine Apparaturen, wie die hier mit zwei R6-Batterien betriebene, haben näm­

lich nur ein niedriges Niveau der Strahlungsleis­tung. Treibt man die Leistung dann bis zur Gren­ze, dann driftet der Strahl auseinander. Seine Bündelungsfähigkeit verringert sich um das 50­bis Go-fache. Die Leistungsdichte fällt somit ab, bleibt bestenfalls gleich. Menzel und Raab ist es nun gelungen, durch geschickte Formung von Halbleiter-Laserstrahlen mittels eines gewinkel­ten Linsen- und Spiegelsystems, alles in der klei­nen Box, einen Laserstrahl sehr hoher Leistungs­dichte zu erzeugen. Zwar blieb nach der For­mung nur noch etwa ein Fünftel der Strahlungs­leistung der millimetergroßen Halbleiterquelle übrig, doch gelang es, den Lichtfleck etwa um den Faktor 50 zu verkleinern. So stieg letztend­lich trotz Leistungsverlusts die Leistungsdichte des Strahls auf das Elffache, ungefähr ein Mega­watt pro Quadratzentimeter. Das ist national und international patentträchtig.

Eingedenk der Anwendungsbreite gut gebün­delten Laserlichts allgemein, von der CD- und DVD-Technik über Glasfaser-Informationsver­mittlung, Mobilfunk, Biotechnologie, Medizin bis zum Druckereiwesen ist es nicht verwunder­lich, dass bereits mit Nutzungsinteressenten ver­handelt wird. Nur konnte das vermittelnde Team Brainshell der Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB) noch kein regionales Unternehmen benennen.

Aber unabhängig vom Verhandlungsstand, die Uni-Wissenschaftler haben die physikalisch­technischen Grundlagen geschaffen. Forscher von Industriepartnern können nun den speziel­len Anforderungen des Marktes nachgehen. Auch Unternehmensausgründungen sind mög­lich.Natürlich wird die Uni durch spätere Lizenzvergaben nicht reich werden, aber koope­rationswillige Unternehmen wissen ganz genau, wo das Know-how steckt, und schließlich hat die Region auch noch gute Chancen, den Durch­bruch bei optischen Technologien zu schaffen, bemerkt Volker Raab. ak

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Foto: Fritze