Heft 
(1.1.2019) 03
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Uni Aktuell

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Kein Ausdruck eines akuten Mangels

Prorektor Bernd Walz über Licht und Schatten bei der Nachwuchsförderung

Nach einem Einbruch bei der Entwicklung der Pro­motions- und Habilitationsabschlüsse 1992 geht es an der Universität Potsdam hinsichtlich der Anzahl abgeschlossener Qualifizierungen wieder aufwärts. Waren es vor rund zehn Jahren noch 18 Promotio­nen und sieben Habilitationen, die erfolgreich ver­teidigt wurden, konnten im Jahr 2002 immerhin 146 beziehungsweise 22 Arbeiten zur Begutachtung vorgelegt werden. Nur ein Indiz dafür, dass an der Hochschule in der Vergangenheit bereits eine beachtliche Steigerung der Leistungen in der Ausbil­dung des wissenschaftlichen Nachwuchses erfolgte. Dennoch: Zufriedenheit will sich nicht einstellen. Portal-Redakteurin Petra Görlich sprach mit Prof. Dr. Bernd Walz, dem Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs an der Einrichtung, über Licht und Schatten bei der Nachwuchs­förderung.

Sie haben in Zusammenarbeit mit den Fakultä­ten ein Konzept für die Entwicklung und Förde­rung des wissenschaftlichen Nachwuchses an der Universität Potsdam erarbeitet, das nun nach der Zustimmung durch den Senat auf dem Tisch liegt. Warum wurde es überhaupt notwendig?

Walz: Hauptgrund war natürlich die Erkenntnis, dass die Förderung des wissenschaftlichen Nach­

wuchses zur wichtigsten Aufgabe einer Univer­

sität gehört. Die Situation ist verbesserungsfähig. Zum einen müssen wir in der Universität selbst prüfen, wie wir die Arbeitsgrundlage des Nach­wuchses, die teilweise schon auf hohem Niveau existiert, halten und weiter verbessern können. Das vor allem vor dem Hintergrund des dramati­schen Rückgangs der finanziellen Mittel. Zum anderen gilt es bewusst zu machen, dass eben die­se finanzielle Ausstattung der Hochschule gerade die Arbeitsbedingungen des wissenschaftlichen Nachwuchses beeinflusst, und zwar direkt.

Jetzt steht die Umsetzung des Konzepts bevor. Wo sehen Sie die Prioritäten?

Walz: Zunächst muss man klar feststellen, dass es universitätsintern schon viele Initiativen gibt, die eine sehr günstige Situation für die Doktoranden, wissenschaftlichen Assistenten und künftig auch Juniorprofessoren schaffen. Das ist vor allem dort der Fall, wo Uni-Institute mit außeruniversitären Einrichtungen zusammenarbeiten. Hiervon pro­fitieren insbesondere die Naturwissenschaften. Bei gemeinsamen Forschungsprojekten oderkol­loquien können Nachwuchswissenschaftler von den Potenzialen dieser Partner profitieren. Aber auch in anderen Fakultäten, beispielsweise der Philosophischen, gibt es gute Beispiele. Ich denke hier an das GraduiertenkollegMakom: Ort und Orte im Judentum, das in enger Kooperation mit dem Moses Mendelssohn Zentrum für europä­

Walz:Wir brauchen Arbeitsmöglichkeiten auf internationalem Niveau.

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isch-jüdische Studien durchgeführt wird. Darüber hinaus dienen auch Sonderforschungsbereiche und Forschergruppen, in denen Potsdamer Arbeitsgruppen mitarbeiten, in hohem Maße der Nachwuchsförderung.

Bei der Umsetzung des Konzepts muss es priori­tär darum gehen, eine institutionalisierte und strukturierte Graduiertenausbildung in Form von Doktorandenseminaren oder-workshops zu orga­nisieren. Die Verantwortung hierfür tragen die Fakultäten. Manche sehen in ihren Promotions­ordnungen so genannte Doktorandenseminare, an denen die Doktoranden teilnehmen müssen, schon vor. Das sollte überall so sein. Ziel der Ver­anstaltungen ist es, die fachlichen und interdiszi­plinären Kompetenzen der Beteiligten zu verbes­sern und zugleich einer möglichen Isolierung der Doktoranden entgegenzuwirken. Damit gelingt es auch, den Blick über den Tellerrand der eigenen Promotion zu schärfen.

Die Universitätsleitung wird auf der anderen Sei­te versuchen, sich für eine Ausstattung einzuset­zen, die diese strukturierte Graduiertenförderung auch ermöglicht.

Gibt es zeitliche Vorstellungen für die Realisie­rung des Papiers?

Walz: Nein. Betonen möchte ich an dieser Stelle, dass das Konzept kein Ausdruck eines akuten Mangels ist. Es ist eine Bestandsaufnahme. In einigen Bereichen hat die Universität bei der Nachwuchsförderung schon internationalen Stan­dard erreicht. Doch nicht in allen. Deshalb ist es nötig, eine bessere Ausfinanzierung der Hoch­schule zu erreichen. Wir brauchen für den Nach­wuchs generell Arbeits- und Trainingsmöglichkei­ten auf internationalem Niveau. Nur so wird die Arbeitsmarktfähigkeit des Nachwuchses zu sichern sein.

Wer heute promovieren möchte, ist darauf ange­wiesen, Geld zu verdienen. Das heißt, es muss eine Stelle oder ein Stipendium vorhanden sein. Von beidem haben wir aus Landesmitteln zu wenig. Waren es beispielsweise 1993 noch 66 Sti­pendien, die zur Förderung einer Promotion zur Verfügung standen, existierten davon im Jahr 2002 nur noch 13. Die Situation an den außeruni­versitären Einrichtungen ist besser. Deshalb wan­dern potentielle Nachwuchswissenschaftler ab. Das darf man zwar nicht beklagen. Aber für den Hochschullehrer ist es doch jedes Mal eine Ent­täuschung, sie nicht halten zu können. Wichtig ist es aus diesem Grund, genug Drittmittel ein­zuwerben, um sie bezahlen zu können. Mit den gesunkenen Zuweisungen allerdings wird die Drittmittelfähigkeit schlechter. Und so beißt sich die Katze in den Schwanz.

Vielen Dank für das Gespräch.