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„Kein Ausdruck eines akuten Mangels“
Prorektor Bernd Walz über Licht und Schatten bei der Nachwuchsförderung
Nach einem Einbruch bei der Entwicklung der Promotions- und Habilitationsabschlüsse 1992 geht es an der Universität Potsdam hinsichtlich der Anzahl abgeschlossener Qualifizierungen wieder aufwärts. Waren es vor rund zehn Jahren noch 18 Promotionen und sieben Habilitationen, die erfolgreich verteidigt wurden, konnten im Jahr 2002 immerhin 146 beziehungsweise 22 Arbeiten zur Begutachtung vorgelegt werden. Nur ein Indiz dafür, dass an der Hochschule in der Vergangenheit bereits eine beachtliche Steigerung der Leistungen in der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses erfolgte. Dennoch: Zufriedenheit will sich nicht einstellen. Portal-Redakteurin Petra Görlich sprach mit Prof. Dr. Bernd Walz, dem Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs an der Einrichtung, über Licht und Schatten bei der Nachwuchsförderung.
Sie haben in Zusammenarbeit mit den Fakultäten ein Konzept für die Entwicklung und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses an der Universität Potsdam erarbeitet, das nun nach der Zustimmung durch den Senat auf dem Tisch liegt. Warum wurde es überhaupt notwendig?
Walz: Hauptgrund war natürlich die Erkenntnis, dass die Förderung des wissenschaftlichen Nach
wuchses zur wichtigsten Aufgabe einer Univer
sität gehört. Die Situation ist verbesserungsfähig. Zum einen müssen wir in der Universität selbst prüfen, wie wir die Arbeitsgrundlage des Nachwuchses, die teilweise schon auf hohem Niveau existiert, halten und weiter verbessern können. Das vor allem vor dem Hintergrund des dramatischen Rückgangs der finanziellen Mittel. Zum anderen gilt es bewusst zu machen, dass eben diese finanzielle Ausstattung der Hochschule gerade die Arbeitsbedingungen des wissenschaftlichen Nachwuchses beeinflusst, und zwar direkt.
Jetzt steht die Umsetzung des Konzepts bevor. Wo sehen Sie die Prioritäten?
Walz: Zunächst muss man klar feststellen, dass es universitätsintern schon viele Initiativen gibt, die eine sehr günstige Situation für die Doktoranden, wissenschaftlichen Assistenten und künftig auch Juniorprofessoren schaffen. Das ist vor allem dort der Fall, wo Uni-Institute mit außeruniversitären Einrichtungen zusammenarbeiten. Hiervon profitieren insbesondere die Naturwissenschaften. Bei gemeinsamen Forschungsprojekten oder—kolloquien können Nachwuchswissenschaftler von den Potenzialen dieser Partner profitieren. Aber auch in anderen Fakultäten, beispielsweise der Philosophischen, gibt es gute Beispiele. Ich denke hier an das Graduiertenkolleg„Makom: Ort und Orte im Judentum“, das in enger Kooperation mit dem Moses Mendelssohn Zentrum für europä
Walz:„Wir brauchen Arbeitsmöglichkeiten auf internationalem Niveau.“
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isch-jüdische Studien durchgeführt wird. Darüber hinaus dienen auch Sonderforschungsbereiche und Forschergruppen, in denen Potsdamer Arbeitsgruppen mitarbeiten, in hohem Maße der Nachwuchsförderung.
Bei der Umsetzung des Konzepts muss es prioritär darum gehen, eine institutionalisierte und strukturierte Graduiertenausbildung in Form von Doktorandenseminaren oder-workshops zu organisieren. Die Verantwortung hierfür tragen die Fakultäten. Manche sehen in ihren Promotionsordnungen so genannte Doktorandenseminare, an denen die Doktoranden teilnehmen müssen, schon vor. Das sollte überall so sein. Ziel der Veranstaltungen ist es, die fachlichen und interdisziplinären Kompetenzen der Beteiligten zu verbessern und zugleich einer möglichen Isolierung der Doktoranden entgegenzuwirken. Damit gelingt es auch, den Blick über den Tellerrand der eigenen Promotion zu schärfen.
Die Universitätsleitung wird auf der anderen Seite versuchen, sich für eine Ausstattung einzusetzen, die diese strukturierte Graduiertenförderung auch ermöglicht.
Gibt es zeitliche Vorstellungen für die Realisierung des Papiers?
Walz: Nein. Betonen möchte ich an dieser Stelle, dass das Konzept kein Ausdruck eines akuten Mangels ist. Es ist eine Bestandsaufnahme. In einigen Bereichen hat die Universität bei der Nachwuchsförderung schon internationalen Standard erreicht. Doch nicht in allen. Deshalb ist es nötig, eine bessere Ausfinanzierung der Hochschule zu erreichen. Wir brauchen für den Nachwuchs generell Arbeits- und Trainingsmöglichkeiten auf internationalem Niveau. Nur so wird die Arbeitsmarktfähigkeit des Nachwuchses zu sichern sein.
Wer heute promovieren möchte, ist darauf angewiesen, Geld zu verdienen. Das heißt, es muss eine Stelle oder ein Stipendium vorhanden sein. Von beidem haben wir aus Landesmitteln zu wenig. Waren es beispielsweise 1993 noch 66 Stipendien, die zur Förderung einer Promotion zur Verfügung standen, existierten davon im Jahr 2002 nur noch 13. Die Situation an den außeruniversitären Einrichtungen ist besser. Deshalb wandern potentielle Nachwuchswissenschaftler ab. Das darf man zwar nicht beklagen. Aber für den Hochschullehrer ist es doch jedes Mal eine Enttäuschung, sie nicht halten zu können. Wichtig ist es aus diesem Grund, genug Drittmittel einzuwerben, um sie bezahlen zu können. Mit den gesunkenen Zuweisungen allerdings wird die Drittmittelfähigkeit schlechter. Und so beißt sich die Katze in den Schwanz.
Vielen Dank für das Gespräch.