TÜV für
attraktive Studiengänge
Tagung über Evaluierung und Akkreditierung von Studiengängen
An Berliner Universitäten wird um Inhalte und Machbarkeit von Bachelor-Studiengängen für Lehrer gestritten. Britische Universitäten weisen Master-Studienbewerber mit deutschem Bachelorabschluss eventuell zurück. Arbeitgeber und Arbeitsvermittler bewerten manche Hochschulstudiengänge als„mit der heißen Nadel gestrickt“. Da ist es kein Wunder, dass großer Bedarf bezüglich einer konsequenten Durchsetzung von Maßnahmen zur Qualitätssicherung des Hochschulstudiums besteht— national und international.
„ ijesem Anliegen war am 13. und 14. Februar an der Universität Potsdam die
” 4. Evaluationstagung im Rahmen einer Veranstaltungsreihe Berliner und Brandenburger Hochschulen gewidmet.„Evaluation und Akkreditierung: bluffen— vereinheitlichen— profilieren?“ lautete das etwas provokante Thema, mit dem sich etwa 180 Teilnehmer aus Wissenschaft und Wirtschaft auseinander setzten.
Über Evaluierungspraktiken im Verbund Norddeutscher Universitäten(Bremen, Greifswald, Hamburg, Kiel, Oldenburg und Rostock) informierte auf der Tagung Hamburgs Universitätspräsident Dr. Jürgen Lüthje. Er konstatierte Fortschritte in der Qualitätssicherung an den Verbundhochschulen durch ein Evaluierungssystem, das mit einer Selbsteinschätzung des jeweiligen Lehrstuhls beginnt und mit einer Begutachtung durch eine universitätsübergreifende(nichtstaatliche!) Kommission fortgesetzt wird. Dann folgt eine gemeinsame Auswertungskonferenz, die Profile, Differenzierungen und anderes deutlich macht. Am Schluss wird eine Zielvereinbarung getroffen, die Konsequenzen zur Sicherung hoher Lehrqualität formuliert. Dass eine solche Verfahrensweise funktionieren dürfte, leuchtete den Tagungsteilnehmern trotz diesbezüglich geringerer Figenerfahrung ein.
So ging es dann auch schnell um Fragen der „Akkreditierung.“ Die Akkreditierung ist ein Bewertungsverfahren für Studiengänge(zunächst Bachelor und Master), das am 3. Dezember 1998 von der Kultusministerkonferenz beschlossen wurde. Sie erfolgt anders als die Evaluierung durch Einschätzung von außen auf der Grundlage von Standards, die ein staatlicher
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Im Interesse Studierender: Bessere Berufschancen
durch qualitätsvolle Studiengänge.
Akkreditierungsrat festgelegt hat. Die erfolgreiche Akkreditierung ist somit eine Art Zertifikat für einen Studiengang. Dieses Gütesiegel ersetzt frühere schwerfälligere ministerielle Genehmigungen.
Die Diskussion auf der Arbeitstagung rankte sich vorwiegend um die Modalitäten solcher Akkreditierungen. Wie Brandenburgs Wissenschaftsstaatssekretär Dr. Christoph Helm einleitend feststellte, seien attraktive Studiengänge anzustreben, die sich durch inhaltliche Aktualität als verlässliche Grundlage späterer Berufsausübung und durch internationale Vergleichbarkeit auszeichnen.„Dabei wird nicht eine Vereinheitlichung von Leistungen angestrebt, nicht
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Uni Aktuell
www.uni-potsdam.de/portal/apro3/uniaktuell
Spende der Siemens Stiftung
Die Bibliothek der Universität Potsdam bekommt finanzielle Hilfe. Insgesamt 100.000 Euro stellt die Carl Friedrich von Siemens Stiftung der Hochschuleinrichtung zur Verfügung. Der Förderbetrag wird ausschließlich für den Ankauf von Büchern verwendet. Die zur Verfügung gestellten Gelder verteilen sich auf drei Fachrichtungen. Dabei handelt es sich um die Rechtswissenschaft mit 50.000, die Philosophie und die Sozialwissenschaften mit jeweils 25.000 Euro. Die Siemens Stiftung hat die Universität Potsdam in ihr Bibliotheksförderprogramm aufgenommen und unterstützte die Universitätsbibliothek bereits im vergangenen Jahr finanziell. Red. einer Einengung der Hochschulen das Wort geredet, sondern es geht darum, Studiengänge auf der Grundlage von Mindeststandards einzurichten und die Hochschulen für die Öffentlichkeit durchsichtig zu machen.“
In einer Podiumsdiskussion mit kompetenten Wissenschafts- und Wirtschaftsvertretern wurden Reserven bisheriger Akkreditierungsverfahren verdeutlicht und höhere Anforderungen herausgearbeitet. So sei es erforderlich, nicht nur die Bachelor- und Masterstudiengänge im Blick zu haben, sondern alle etwa 10000 Studiengänge zu akkreditieren, sie auf diese Weise„verlässlich“ und hochschulübergreifend vergleichbar zu gestalten. Eine Akkreditierung dürfe auch nicht „für ewig“ gelten, sondern müsse regelmäßig kontrolliert und aktualisiert werden.
In der Diskussion machten sich vor allem die Industrievertreter stark. Sie forderten Mitspracherecht in den Akkreditierungsgremien, um ihre spezifischen Belange in die Mindeststandards für die Bewertung der Studiengänge einbringen zu können. Solche Großbetriebe wie die Siemens-Deutschland-AG mit 190000 Beschäftigten müssten bei der Einstellung ihrer 11500 Akademiker sicher gehen können, über welches Leistungspotenzial frisch von der Universität kommende Bewerber verfügen. Das würde den Firmen auch eine zielsichere interne Weiterbildung der Arbeitskräfte ermöglichen.
Immer wieder kamen in der Podiumsdiskussion Akkreditierungsanforderungen aus der Sicht der Globalisierung von Wirtschaft und Wissenschaft zum Tragen. Hauptanliegen: die internationale Vergleichbarkeit der Studiengänge! Und schließlich ging es auch um die Finanzierung der nicht ganz billigen„StudiengangTÜVs“. Rentabel wäre es, Evaluierung und Akkreditierung eines Tages zusammenzu
ak
führen.
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