„I feel like home“
Der chilenische Doktorand Hugo Rubilar schätzt an Potsdam die guten Forschungsbedingungen, die persönlichen Kontakte am Institut für Geoökologie und das Konditoreihandwerk. Die Universität Potsdam gewinnt durch das DAAD-geförderte„Internationale Qualitätsnetz“ interdisziplinäre Ansätze, Internationalität und potenzielle Kooperationspartner wie den hier vorgestellten Gastwissenschäftler.
evor er kam, dachte er: Deutschland ist B ein kleines Land mit vielen Bewohnern,
die in dichtbevölkerten Städten leben. Ihm wurde erzählt, es sei kalt und die Menschen würden nicht viel miteinander reden. Aber er entdeckte neben den Städten Potsdam und Berlin auch unberührte Flecken Natur, kleine Dörfer und einen wunderbaren Freundeskreis:„I feel like home.“
Hugo Rubilar ist als Doktorand für 18 Monate nach Potsdam gekommen. Am Institut für Geoökologie arbeitet der 29-Jährige über die Erhaltung von innerstädtischen Feuchtgebieten am Beispiel seiner Stadt Valdivia im südlichen Chile.
Zuerst wollte der Diplom-Biologe von der Universidad Austral de Chile nur die Vegetation betrachten. Inzwischen verfolgt er einen interdisziplinären Ansatz. Mit seiner Dissertation möchte er zum Erhalt der Lebensqualität von Valdivia beitragen. Die Stadt ist geprägt vom Wasser: vom Ozean und den Gezeiten, Flüssen, viel Regen im Winter und einer Flut, die dem Erdbeben von 1960 folgte und die Landschaft bleibend veränderte. Damals entstanden die meisten Feuchtgebiete. Diese gehen heute jedoch immer stärker zurück. Das will er verhindern. Er untersucht ihre Funktionen für Flora und Fauna, Stadtklima und Bevölkerung und wird Szenarios der Trockenlegung und Erhaltung entwerfen. Durch die Aufstellung von Schutzprioritäten und Managementoptionen hofft er, Einfluss auf die Entscheidungsträger Valdivias zu gewinnen.
Möglich ist der Aufenthalt für Hugo Rubilar durch ein Stipendium, das ihm als einem von 17 ausländischen Wissenschaftlern im Rahmen des DAAD-geförderten Projektes„Internationale Qualitätsnetze“(IQN) gewährt wird. Das an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät angesiedelte Projekt nennt sich„Kopplungsprozesse und ihre Strukturen in der Geo- und Biosphäre“ und hat 21 Partner in aller Welt. Es ist eines von 33 in Deutschland geförderten Netzen,
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Mag am liebsten Kuchen: Hugo Rubilar, Chilenischer Doktorand am Institut für Geoökologie.
läuft seit Oktober 2001 bis Ende 2003 und hat die stärkere Internationalisierung in der Ausbildung sowie die Vernetzung von Wissenschaftsgebieten zum Ziel, auch über den Projektzeitraum hinaus.
Auf die Frage, was typisch deutsch sei, antwortet er„Wurst“ und lacht. Aber sein liebstes Wort ist„Kuchen“. Den mag er am liebsten mit Obst. Der Südamerikaner bedauert sehr, dass er nicht von Anfang an Deutsch gelernt hat und erzählt weiter auf Englisch, dass ihm im Vergleich zu Chile auffällt, wie verschiedenartig die Menschen hier sind und wie tolerant: Man findet immer noch Punks und Leute, die aussehen, als seien sie direkt den 80ern entsprungen, sagt er. Im Sommer gehen manche nackt baden. Und die Reichen sind in denselben Gegenden unterwegs wie die anderen.„It’s a nice mixture!“ In Chile sei alles stärker separiert: sozial und auch in der Mode zum Beispiel. Diese gehe schneller und endgültiger vorbei. Punks gehörten eindeutig in die 80er Jahre.
Im Herbst geht Hugo Rubilar nach Chile zurück(endlich wieder Empanadas essen und die köstlichen Maisgerichte). Es gebe dort vor allem im Umweltschutz so viel zu tun. Als Perspektive für sich sieht er Forschung und Lehre. Und, so sagt er ganz von sich aus, eine langanhaltende Verbindung zur Universität Potsdam. Wie schön. Genau das ist es wohl, was sich die Initiatoren des„Internationalen Qualitätsnetzes“ von solchen Kontakten versprechen.
Christina Zech
Kontakt: Hugo Rubilar, Institut für Geoökologie,
Tel.: 0331/977-2094 E-Mail: rubilarh@rz.uni-potsdam.de
Foto: Fritze
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Tipps und Termine Universität Potsdam
23. April 2003, 19.00 Uhr AUFTAKTVERANSTALTUNG ZUR ERÖFFNUNG DES NEUEN DFG-GRADUIERTENKOLLEGS 837 „Functional Insect Science“
Uni-Komplex Golm
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Großer Hörsaal
24. April 2003, 18.30 Uhr
POLITISCHER JOUR FIXE
„Wie männlich ist die Rechtswissenschaft?“ Uni-Komplex Babelsberg
August-Bebel-Str. 89, Haus 1, Raum 2.1
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03./04. Mai 2003, 17.00 Uhr
KONZERT DES UNIORCHESTERS SINFONIETTA POTSDAM C. Saint-Saens: Symphonie Nr. ı/
A. Piazzolla: Vier Jahreszeiten
Uni-Komplex Am Neuen Palais, Haus 8, Auditorium maximum
Eintritt: 9,- Euro, erm. 5,- Euro
22. Mai 2003, 15.00 Uhr PERSONALVERSAMMLUNG FÜR DAS WISSENSCHAFTLICHE UND KÜNSTLERISCHE PERSONAL Uni-Komplex Am Neuen Palais
Haus 12, Raum 1.40
Weitere Veranstaltungen der Uni Potsdam sind im Internet unter http://www.uni-potsdam.de/ db/PresseDB/index.php
Region
14. April 2003, 17.00 Uhr
KOLLOQUIUM
„Thomas Mann, Deutschland und die Juden“ Moses Mendelssohn Zentrum für europäischjüdische Studien e.V.
Am Neuen Markt 8
14467 Potsdam
22. Februar bis 11. Mai 2003 AUSSTELLUNG
„Ernst Thälmann war ein Kind wie du“ Rochow-Museum Reckahn
Dorfir. 37
14778 Reckahn
Öffnungszeiten: Di.-Fr. 10.00 bis 17.00 Uhr, Sa. 10.00 bis 18.00 Uhr
http: //www.reckahn.info
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