Heft 
(1.1.2019) 05
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Uni Aktuell

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Es lohnt sich

zurückzukommen

Erkenntnisse für italienische Verwaltung gewonnen

Professor Caperchione: Lernen vom Zusammenlegen.

Er war Gast bei Prof. Dr. Christoph Reichard im Kommunalwissenschaftlichen Institut. Man merkte Prof. Dr. Eugenio Caperchione das italienische Temparament auf den ersten Blick an. Zwischen Espresso und Papierbergen betonte er seine Dankbarkeit gegenüber seinen Gast­gebern. Der Lehrstuhlinhaber für öffentliches Rechnungswesen der Universität Modena und seine Frau, Prof. Elena Zuffada, Lehrstuhl­inhaberin für öffentliche Betriebswirtschaftslehre an der katholischen Universität Piacenza, weilten für drei Monate zu Forschungszwecken in Deutschland. Potsdam war dabei Arbeits­schwerpunkt, nicht ohne jedoch auch interessan­te Abstecher zu Universitäten anderer Bundes­länder zu unternehmen.

Portal 5-7/03

ie Gäste beschäftigten sich unter ande­De mit E-Government, einer Reform­bestrebung, mit der versucht wird, das Verhältnis zwischen Verwaltung und Bürgern beziehungsweise verwaltungsinterne Abläufe neu zu gestalten. Im Zeitalter der Entstehung eines neuen Europas werden dabei Verwaltungs­prozeduren effizienter, weil elektronisch aufbe­reitet.

Der Bürger kann von zu Hause aus Anträge oder Formulare per Internet ausfüllen und spart dadurch Zeit. Die schlanke Verwaltung spart ebenfalls: vor allem Kosten, aber auch Zeit.

Neben umfangreicher Forschungsarbeit knüpf­ten beide Wissenschaftler wichtige Kontakte, um

neue Erkenntnisse für die italienische Verwal­tung gewinnen zu können. Besonders interes­sant für sie waren beispielsweise die Umsetzung der Gemeindegebietsreform und die damit zusammenhängenden Probleme. Wie funktio­niert der Zusammenschluss der Verwaltungen von Gemeinden in Deutschland, wollten die Ita­liener genau wissen.

Ein anderer Aspekt ging über den nationalen Rahmen hinaus.Die europäischen Länder müs­sen einander näher rücken, meinte Caperchio­ne. Er zeigte sich überzeugt, dass die wissen­schaftlichen Ergebnisse der einzelnen Länder sowohl beim Angleichen des öffentlichen Rech­nungswesens als auch beim Zusammenschluss von Gemeinden in der EU zunehmend verwer­tet werden können.

Er und seine Frau waren bereits mehrere Male in Deutschland, unter anderem in Hamburg und Darmstadt, doch noch nie so lange Zeit. Diesmal hatten sie sogar ihren fünfjährigen Sohn Loren­zo und dessen Großvater mitgebracht, um die Familie bei sich zu wissen und dadurch in Ruhe arbeiten zu können. Sie bezogen gemeinsam eine Wohnung im Internationalen Begegnungs­zentrum Potsdam. Lorenzo besuchte die Eras­mus- Schule, um Deutsch zu lernen. Er hat eine gute Auffassungsgabe und kannte Potsdam bald so gut wie seine Heimatstadt.

Während des dreimonatigen Forschungsaufent­haltes gab es mehrere Höhepunkte. Mit Begeis­terung berichtete Caperchione über seine Teil­nahme am verwaltungspolitischen Kolloquium der Humboldt-Universität zu Berlin. Dabei hatte es sich um eine gemeinsame Veranstaltung von Berliner und Brandenburger Hochschullehrern gehandelt, die sich mit aktuellen Fragen der Ver­waltungspolitik, insbesondere der Staats- und Verwaltungsreform beschäftigte. Ein weiteres Erlebnis stellte nach eigener Einschätzung eine auf seinem Forschungsgebiet vor ausländischen Gaststudenten gehaltene Vorlesung im Rahmen der Public Management Ausbildung dar. Auch ein Besuch in Köln beim ArbeitskreisNew­Public-Mangement der Schmalenbach-Gesell­schaft der deutschen Betriebswirte habe ihm neue Impulse gebracht, betonte er rückblickend. Und die dunklen Augen des Italieners leuchte­ten vor Zufriedenheit. Nach seiner Heimkehr wolle er Publikationen veröffentlichen. Sein Forschungsaufenthalt sei erfolgreich gewesen, so das Resümee seines Besuches.Es lohnt sich zurückzukommen, fügte er gleich noch hinzu.Ich habe keine Hei­matnostalgie und Potsdam ist eine wunderbare Stadt.

Maria Pichottka

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