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(1.1.2019) 05
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Vermutlich fällt der Studienstart aber dann doch schwer. Welche Ursachen liegen dem meist zu Grunde?

Bürger: Der Studienstart fällt vielen Erstsemest­lern nicht leicht, ob mit oder ohne Handicap. Den Studienalltag selbst zu organisieren, muss erlernt werden. Meine Aufgabe ist es unter an­derem, diesen neuen Lebensabschnitt zu beglei­ten.

Und wie machen Sie das?

Bürger: Ich setzte mich mit dem jeweiligen Fach in Verbindung. Gemeinsam mit den Studieren­den und deren Lehrkräften besprechen wir, wie im konkreten Fall ein möglichst barrierefreies Studium organisiert werden kann. So werden beispielsweise Mitschreibkräfte in Vorlesungen tätig, Lehrkräfte stellen Manuskripte zur Verfü­gung und Nachteilsausgleiche in Prüfungen werden gestattet.

Sie wollen kein Vorteile erwirken, plädieren viel­mehr immer wieder für Chancengleichheit. Ein schwieriger Balanceakt?

Bürger: Nein. Aber es gibt noch nicht überall wirkliche Gleichberechtigung. Erreicht haben wir beispielsweise einen speziellen Computerar­beitsraum am Standort Babelsberg. Es ist der Universitätskomplex, an dem zur Zeit die meis­ten jungen Leute mit Behinderung studieren. Die Mitarbeiter der Zentralen Einrichtung für Informationsverarbeitung und Kommunikation (ZEIK) stehen ihnen hier sehr, sehr engagiert zur Seite. Aber auch studentische Tutoren leis­ten eine tolle Betreuung. So unterstützen sie beispielsweise bei der Arbeit am PC, begleiten die Studierenden in die Bibliothek, lesen bei Bedarf Literatur vor. Aber nicht nur die Univer­sität steht in der Pflicht, einen Nachteilsaus­

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Barrierefreies Studium:

Mehr als Rampen.

gleich zu schaffen und ihn etwa durch Prü­fungsordnungen auch festzuschreiben. Das Bundessozialhilfegesetz regelt die Bereitstellung

individueller Hilfen.

Die Integration in den Studienalltag erfordert aufgeschlossene Kommilitonen und Lehrkräfte. Wie steht es damit an der Uni Potsdam? Bürger: Ich freue mich zu erleben, wie kompli­kationslos die Kommilitonen miteinander um­gehen. Das betrifft nicht nur den Bereich des Studiums, sondern auch der Freizeit. Isolation ist kein Thema. Aufgeschlossen reagieren auch die Dozenten. Sie bemühen sich, gemeinsam mit den Studierenden machbare Regelungen zu finden. Ganz stark engagieren sich übrigens die Prüfungsausschüsse.

Die Universität ist demnach auf einem guten Weg in Sachen Behindertenfreundlichkeit für Studierende. Welche Projekte möchten Sie in Zukunft in Angriff nehmen?

Bürger: Die Hochschule ist behindertenfreund­lich, doch es bleibt noch viel zu tun. Die bau­lichen Veränderungen müssen fortgesetzt, der erreichte Standard nicht nur gehalten, sondern trotz knapper Kassen ausgebaut werden. Das bedeutet beispielsweise den Einsatz von Com­putertechnik auf dem neuesten Stand, mög­lichst an allen Komplexen, und eine bedarfsge­rechte Unterstützung durch Tutoren. Bei der Umsetzung dieser Vorhaben habe ich mit der Uni-Kanzlerin Steffi Kirchner eine wichtige Ver­bündete.

Vielen Dank für das Gespräch.

Dr. Irma Bürger ist auf dem Uni-Komplex Am Neuen Palais, Haus 8, Zi.0.14

oder per Tel.: 0331/977-1488, E-Mail: /buerger@ rz.uni-potsdam.de zu erreichen. Sprechzeit für behinderte Studierende ist jeden Montag von 7.30 Uhr bis 16.00 Uhr.

Behindertenbeauftragte Bürger: Erreichten Stan­

dard ausbauen.

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