Heft 
(1.1.2019) 05
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Zwischen Uni und Tennisplatz

Ein Tag mit Daniel Monazahian

Immer, wenn Daniel Monazahian in den Fahr­stuhl des Hauses ı am Standort Griebnitzsee steigt, überfällt ihn leichte Nervosität. Wie die meisten Menschen vertraut er ihm nicht. Aber wie die meisten Menschen kennt er das Steckenbleiben auch nur aus irgendwelchen Filmen. Der Aufzug ermöglicht ihm einen ungehinderten Zugang zu allen Räumen im größten Haus des Universitäts­komplexes, den er als besonders behindertenge­recht erlebt. Als Kleinkind erkrankte er an Meningitis, seitdem kann er nicht laufen. Den ersten Rollstuhl erhielt er mit fünf Jahren. Im Jahr 1988 musste seine Wirbelsäule durch zwei Operationen, bei denen Stahlimplantate ein­gesetzt wurde, begradigt wurden.

=] S ist ein trüber Freitag. Um 7.30 Uhr {| beginnt für den Politik- und Verwaltungs­m] wissenschaftsstudenten Daniel Monaza­hian der letzte Studientag der Woche. Gegen 9.15 Uhr verlässt er das Haus in Kleinmachnow, wo er seit 1999 wohnt, um sich auf den Weg in Rich­tung Universität zu machen. Um 10.15 Uhr hat er seinen ersten Kurs. Mit etwa zehn Kommili­tonen versucht er die Berliner Verwaltungsstruk­turen zu verstehen; es geht um Feldbesichtigun­gen, um Interviewinterpretationen, soziale Räu­me und natürlich um Bourdieu. Zuvor aber früh­stückt er mit seiner Mutter, mit der er in einer Eigentumswohnung im Parterre wohnt und die ihn unterstützt, wo sie kann; auch in Fragen des Studiums. Nicht selten besorgt die pensionierte Technische Zeichnerin ihm notwendige Bücher. Einen Betreuungsstudenten hat Daniel Monaza­hian nicht. Er wünscht der alten braunen Nor­wegerkatze einen schönen Tag und wechselt vor

Foto: Fritze

Autofahrer Monazahian: Alles geht blitzschnell.

Portal 5-7/03

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