Heft 
(1.1.2019) 05
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Barrieren abbauen

Die Universität muss bei alten Gebäuden nachrüsten

Mit dem Rollstuhl: Jede Stufe eine Hürde.

Fehlende Aufzüge für Rollstuhlfahrer, Stufen, die den Zugang zum Seminargebäude versperren, die baulichen Missstände an Hochschulen werden immer wieder von hier tätigen jungen wie älteren Menschen mit Behinderung angeprangert. Doch oft sind die Zustände nicht hausge­macht. Während auf der grünen Wiese gebaute Bildungsstätten von vornherein durch gesetzliche Auflagen hohen Standard bieten, tragen historisch gewachsene Einrichtungen die schwere Last alter Bau-Tradi­tion, die Behindertenfreundlichkeit nicht gerade auf die Fahnen geschrieben hatte. Keine leichte Bürde also. Dennoch, die altehrwürdi­gen Universitäten holen auf. Potsdams Alma mater, zwar noch keine Jahrhunderte auf dem Rücken, aber teilweise in historischen Bauten beherbergt, gehört dazu.

n as Gesamtbild der Hochschule ist des­Die geprägt durch neuere und ältere

Architektur.Bei den Neubauten sind wir als öffentliche Träger verpflichtet, die gelten­den Vorschriften einzuhalten, beschreibt Bau­dezernent Dr. Volker Pohl die Situation. Ein ganz anderes Problem seien die vielen kleineren und größeren alten Gebäude.Hier müssen wir uns wirklich die Karten legen und handeln, betont er. Vieles hat der studierte Chemiker bereits angeschoben. Nicht ohne Schwierigkeiten. Schließlich sitzt ihm bei zahlreichen Vorhaben die Denkmalpflege im Rücken, das finanzielle Korsett ist andererseits eng geschnürt. Die Sche­re nicht zu weit auseinander klaffen zu lassen, erfordert Sachverstand und Ausdauer.Es geht darum, Kompromisse zu finden- im Sinne der behinderten Uniangehörigen und ihrer Gäste, sagt Pohl.

In seinen Planungen spielen alle drei Hoch­schulkomplexe gleichermaßen eine Rolle. Dass dabei nicht alle Blütenträume reifen, technische Raffinessen mitunter noch wegfallen müssen,

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Foto: Fritze

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bedauert er.Wir werden nicht jedes Gebäude komplett barrierefrei gestalten können, so sei­ne wohl realistische Einschätzung. Das Finan­zierbare aber werde gemeinsam mit der Bauver­waltung, die ein guter Partner sei, durchgesetzt. Nach Beispielen dafür muss der Uni-Mitarbeiter nicht lange suchen. So sei das Nordcommun, das so genannte Haus ı1 Am Neuen Palais, fast fer­tig. Hier können künftig Rollstuhlfahrer über einen Eingang im Keller, der zum Fahrstuhl führt, in die Hauptetagen gelangen. Zuvor mach­ten das zahlreiche Treppen unmöglich. Auch die dreistöckigen Häuser ı, 2 und 3 auf der dem Auditorim maximum gegenüberliegenden Stra­ßenseite bekommen Fahrstühle. Die Reihe der anlaufenden Maßnahmen auf dem direkt an den Park Sanssouci grenzenden Gelände ließe sich fortsetzen. 2

Reges Baugeschehen herrscht auch in Babels­berg. Allein das denkmalgeschützte Haupt­gebäude in der August-Bebel-Straße stellt für die Bauleute eine harte Nuss dar.Es ist wirklich kompliziert, hier behindertenfreundliche Bedin­gungen zu schaffen, unterstreicht Pohl. Sorgen bereiten ihm die verschiedenen Stufen und Ebe­nen, die sich vor den Gängen im Erdgeschoss befinden und als Barrieren für eine Überwin­dung der Vorraumfläche wirken. Derzeit gibt es hier aber wenigstens schon Rampen. Die aller­dings sind Provisorien.

Last but not least lässt auch der Standort Golm bereits erahnen, was die Aufholjagd in Sachen Behindertenfreundlichkeit tatsächlich bedeutet. Manches ist fertig. An anderer Stelle steht die Sanierung noch aus. Dazu zählt das Haus 5 im hinteren Teil des Komplexes.Es beherbergt eine große Anzahl von Lehrveranstal­tungsräumen, für die wir Ersatz brauchen, ehe wir beginnen können, erläutert Pohl. Das Gebäude soll unter Berücksichtigung behinder­tengerechten Gestaltens komplett erneuert wer­den.Natürlich macht die innen ausgeführte rollstuhlfahrergerechte Ausgestaltung nur Sinn, wenn die Erschließung von außen gleichfalls passiert, so der Uni-Dezernent.So kämpfen wir uns mühevoll voran, um den Bedürfnissen behinderter Mitbürger gerecht zu werden, lau­tet seine Zwischenbilanz. Dass es dabei schon jetzt Erfolge gibt, macht unter anderem das im Golmer Haus 25 vorhandene rollstuhlfahrerge­rechte Chemie-Labor deutlich. pgE

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