Barrieren abbauen
Die Universität muss bei alten Gebäuden nachrüsten
Mit dem Rollstuhl: Jede Stufe eine Hürde.
Fehlende Aufzüge für Rollstuhlfahrer, Stufen, die den Zugang zum Seminargebäude versperren, die baulichen Missstände an Hochschulen werden immer wieder von hier tätigen jungen wie älteren Menschen mit Behinderung angeprangert. Doch oft sind die Zustände nicht hausgemacht. Während auf der grünen Wiese gebaute Bildungsstätten von vornherein durch gesetzliche Auflagen hohen Standard bieten, tragen historisch gewachsene Einrichtungen die schwere Last alter Bau-Tradition, die Behindertenfreundlichkeit nicht gerade auf die Fahnen geschrieben hatte. Keine leichte Bürde also. Dennoch, die altehrwürdigen Universitäten holen auf. Potsdams Alma mater, zwar noch keine Jahrhunderte auf dem Rücken, aber teilweise in historischen Bauten beherbergt, gehört dazu.
n as Gesamtbild der Hochschule ist desDie geprägt durch neuere und ältere
Architektur.„Bei den Neubauten sind wir als öffentliche Träger verpflichtet, die geltenden Vorschriften einzuhalten“, beschreibt Baudezernent Dr. Volker Pohl die Situation. Ein ganz anderes Problem seien die vielen kleineren und größeren alten Gebäude.„Hier müssen wir uns wirklich die Karten legen und handeln“, betont er. Vieles hat der studierte Chemiker bereits angeschoben. Nicht ohne Schwierigkeiten. Schließlich sitzt ihm bei zahlreichen Vorhaben die Denkmalpflege im Rücken, das finanzielle Korsett ist andererseits eng geschnürt. Die Schere nicht zu weit auseinander klaffen zu lassen, erfordert Sachverstand und Ausdauer.„Es geht darum, Kompromisse zu finden- im Sinne der behinderten Uniangehörigen und ihrer Gäste“, sagt Pohl.
In seinen Planungen spielen alle drei Hochschulkomplexe gleichermaßen eine Rolle. Dass dabei nicht alle Blütenträume reifen, technische Raffinessen mitunter noch wegfallen müssen,
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Foto: Fritze
Titel
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bedauert er.„Wir werden nicht jedes Gebäude komplett barrierefrei gestalten können“, so seine wohl realistische Einschätzung. Das Finanzierbare aber werde gemeinsam mit der Bauverwaltung, die ein guter Partner sei, durchgesetzt. Nach Beispielen dafür muss der Uni-Mitarbeiter nicht lange suchen. So sei das Nordcommun, das so genannte Haus ı1 Am Neuen Palais, fast fertig. Hier können künftig Rollstuhlfahrer über einen Eingang im Keller, der zum Fahrstuhl führt, in die Hauptetagen gelangen. Zuvor machten das zahlreiche Treppen unmöglich. Auch die dreistöckigen Häuser ı, 2 und 3 auf der dem Auditorim maximum gegenüberliegenden Straßenseite bekommen Fahrstühle. Die Reihe der anlaufenden Maßnahmen auf dem direkt an den Park Sanssouci grenzenden Gelände ließe sich fortsetzen. 2
Reges Baugeschehen herrscht auch in Babelsberg. Allein das denkmalgeschützte Hauptgebäude in der August-Bebel-Straße stellt für die Bauleute eine harte Nuss dar.„Es ist wirklich kompliziert, hier behindertenfreundliche Bedingungen zu schaffen“, unterstreicht Pohl. Sorgen bereiten ihm die verschiedenen Stufen und Ebenen, die sich vor den Gängen im Erdgeschoss befinden und als Barrieren für eine Überwindung der Vorraumfläche wirken. Derzeit gibt es hier aber wenigstens schon Rampen. Die allerdings sind Provisorien.
Last but not least lässt auch der Standort Golm bereits erahnen, was die Aufholjagd in Sachen Behindertenfreundlichkeit tatsächlich bedeutet. Manches ist fertig. An anderer Stelle steht die Sanierung noch aus. Dazu zählt das Haus 5 im hinteren Teil des Komplexes.„Es beherbergt eine große Anzahl von Lehrveranstaltungsräumen, für die wir Ersatz brauchen, ehe wir beginnen können“, erläutert Pohl. Das Gebäude soll unter Berücksichtigung behindertengerechten Gestaltens komplett erneuert werden.„Natürlich macht die innen ausgeführte rollstuhlfahrergerechte Ausgestaltung nur Sinn, wenn die Erschließung von außen gleichfalls passiert“, so der Uni-Dezernent.„So kämpfen wir uns mühevoll voran, um den Bedürfnissen behinderter Mitbürger gerecht zu werden“, lautet seine Zwischenbilanz. Dass es dabei schon jetzt Erfolge gibt, macht unter anderem das im Golmer Haus 25 vorhandene rollstuhlfahrergerechte Chemie-Labor deutlich. pgE
Portal 5-7/03