Heft 
(1.1.2019) 05
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Viel liegt auch an einem selbst

Über Nachteilsausgleich, zwischenmenschliche Nähe und Seminare im Parterre

Wie behindertenfreundlich ist die Uni Potsdam? Fühlen sich Studierende mit Handicap genügend integriert, unter welchen Bedingungen absolvieren sie hier ihr Studium? Thomas Pösl fragte vier Studierende nach ihren persönlichen Erfahrungen.

Ich habe mir Potsdam unter anderem deshalb ausgesucht, weil zumindest in meinem Fach der Studiengang relativ übersichtlich gestaltet ist. Ich habe Vorgaben ganz gerne. Als Rollstuhlfahrer habe ich mir natürlich auch andere Universitä­ten angeschaut. Potsdam schien mir am geeig­netsten, zumal sich in den letzten Jahren viel getan hat. Vielleicht weil die Uni Potsdam neu gegründet wurde, gibt es hier alles in allem gute Studienbedingungen. In Griebnitzsee/August­Bebel-Straße komme ich eigentlich überall gut hin. Die Dozenten und Professoren sind offener geworden. Es ist beispielsweise auch kein Pro­blem, Absprachen mit der Bibliothek zu treffen, um mal Bücher aus dem Präsenzbestand auszu­leihen. Manches ist natürlich noch nicht gelöst. In der August-Bebel-Straße zum Beispiel exis­tiert am Haus zu den Studienbüros auf einer Sei­te keine Rampe. Und manchmal, wenn ich im Park Babelsberg zu tun habe, frage ich mich, warum dieses oder jenes Seminar nicht im Erd­geschoss stattfinden kann. Daniel Monazahian, Politikwissenschaften, 7. Semester

Ich war an meiner Fakultät einer der ersten, der mit Sehbehinderung angefangen hat. Es war ungewohnt, aber nicht wirklich problematisch. Durch die Behinderung denkt man, man muss mehr machen als die anderen, was auch stimmt, weil man einfach länger braucht. Ich bin zwar noch in der Regelstudienzeit, viele mit Behinde­rung aber schaffen es nicht. Die Dozenten wus­sten am Anfang nicht, wo sie uns hinschicken sollen, ebenso wenig, was zu tun war, beispiels­weise bei der Computernutzung oder bei prü­fungsrelevanten Fragen. Ein Handicap zu haben, heißt ja, mit einem Anspruch auf den so genann­ten Nachteilsausgleich zu studieren. Das bedeu­tet, wir müssen zwar die gleichen Leistungen

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bringen wie andere auch, aber wir können bei­spielsweise länger lesen, und da bekommt man mehr Zeit, oder es gibt Hilfskräfte, die einem

vorlesen oder mitschreiben. Christian Hirschmann, Verwaltungswissen­schaften, 6. Semester

Potsdam war, als ich anfing, eine relativ kleine Uni, an der auch schon einige Freunde von mir studierten. Vorher hatte ich mich in Berlin umgeschaut. Für mich als Sehbehinderter ist es wichtig, wenn ich eine kontinuierliche Nähe zu Studierenden habe, sie dadurch besser kenne. Diese Nähe gab es damals, inzwischen hat sich das soziale Umfeld verändert. Aber mehr Stu­dierende kann ja auch heißen, dass einem mehr helfen können. Die Mitarbeiter sind generell sehr bemüht. Das beginnt bei der Studienbera­tung und endet bei den Mitarbeitern und Mitar­beiterinnen im ZEIK. Aber viel liegt auch an einem selbst.

Matthias Schmidt, Jura, 8. Semester

Ich kann von meiner Fakultät nur positiv spre­chen, ich traf und treffe immer auf offene Ohren. Das Umfeld stimmt und es macht Spaß. Man muss natürlich auf seine Behinderung auf­merksam machen, dass macht einen im Laufe der Zeit dann auch selbstbewusster, souveräner. Auf die Leute ein Stück weit zuzugehen, halte ich für enorm wichtig. Das baut auch Berüh­rungsängste ab, sowohl bei Dozenten wie auch bei Kommilitonen. Vielleicht musste man sich an der Uni ziemlich schnell auf die neue Situa­tion einstellen, denn insgesamt habe ich das Gefühl; es gibt hier doch einen erheblichen Erfahrungswert im Umgang mit Behinderten. Das ist ja nicht überall so. Marko Weber, Verwaltungswissenschaft, 5. Semester

Portal 5-7/03

Fotos: Fritze