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(1.1.2019) 05
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Titel

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Psychologin sein. Da ich gleiche Probleme zu bewältigen habe, kann ich aufgrund meiner Erfahrungen den Ratsuchenden besser als ein Sehender helfen.

Ist ihre juristische Ausbildung von Vorteil für Ihre Arbeit?

Seidel: Ich habe ein Studium mit dem Schwer­punkt Verwaltungsrecht abgeschlossen. Das ist bei meiner jetzigen Tätigkeit sehr hilfreich. Denn wir beraten Klienten nicht zuletzt bei Antragstel­lungen und helfen, auftretende Rechtsprobleme zu lösen. Wir beraten in allen Bereichen, die mit dem Blinden-, Behinderten- oder Sozialrecht in Verbindung stehen.

Man spürt, dass Ihnen Ihre Arbeit Spaß macht und Sie mit Engagement bei der Sache sind. War es schwer, nach dem Studium eine Anstellung zu finden?

Seidel:Kalten Wind habe ich erstmals bei der Suche nach einer Stelle gespürt. Bei der Stellen­suche habe ich meine Behinderung häufig als Bremse erlebt. Im Studium und im Referendari­at gab es immer Lösungen für auftretende Pro­bleme. Während meiner Arbeitssuche dagegen scheiterte vieles an der abverlangten Flexibilität. Ich brauche beispielsweise einen separaten Raum, in dem ich mit meiner Assistenzkraft

arbeiten kann. Anwälte beispielsweise stehen häufig unter Finanz- und Zeitdruck. Dadurch

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Potsdam-Center: Für Sehbehinderte voller Gefahren.

wird meine Einstellung unmöglich. Bei der Suche nach einem angemessenen Arbeitsplatz war ich zum ersten Mal sehr stark mit meiner Person konfrontiert, weil mir bewusst wurde, wie eingeschränkt ich bei der Berufswahl bin.

In Potsdam gibt es noch einiges zu tun bei der barrierefreien Gestaltung der Stadt. Wie können Sie hier Einfluss nehmen?

Seidel: Durch die gute Zusammenarbeit des Tief­bauamtes mit unserer Beratungsstelle sind wich­tige, aus Kostengründen nicht alle, Straßenüber­gänge mit akustischen Ampeln versehen wor­den. Das Tiefbauamt setzt sich dafür ein, dass dies auch an wichtigen Straßenübergängen außerhalb des Zentrums geschieht. Es gibt noch Orte in der Stadt, wo das Leitsystem für Blinde unzureichend ist. Im Bahnhofsgebäude bei­spielsweise mangelt es an Blindenleitstreifen. Diese wären nötig, weil die Läden dort verschie­den weit in den Bahnhofskorridor ragen und Blinde daher kaum die Treppen- und Rollstufen­gänge finden. Sie verirren sich häufig in Läden. Gefährlich sind für uns Blinde Aufsteller, Waren­träger oder Fassungen von Sonnenschirmen vor Läden und Gaststätten. Ein Leitsystem auf der Erde würde zur Orientierung sehr hilfreich sein. Es gibt diesbezüglich Verhandlungen mit dem Ordnungsamt der Stadt. Wir stehen auch in stän­digem und gutem Kontakt mit dem Behinder­tenbeauftragten der Stadt. Es gibt positive Ansät­ze. Ein langer Atem ist jedoch nötig.

Was möchten Sie in Zukunft in Ihrer Arbeit erreichen, welche Wünsche haben Sie?

Seidel: Ich suche verstärkt den Kontakt zu jun­gen Leuten. Ich möchte mich auch an die Stu­dierenden wenden. Ich weiß aus eigener Erfah­rung, dass die behinderten Studierenden der Uni Potsdam sehr gut integriert sind, nicht zuletzt durch die engagierte Arbeit von Dr. Irma Bürger. An der Uni Potsdam hatte ich immer das Gefühl, nicht im Stich gelassen zu werden. Das möchte ich weitergeben. Ein wichtiges Anliegen ist es, Bescheide und Formulare barrierefrei zu gestal­ten, also auf Diskette oder auf Kassette. Das ist auch deshalb wichtig, weil viele Ältere die Blin­denschrift nicht beherrschen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Kontakt: Stephanie Seidel, Geschäfts-, Bera­tungs- und Informationsstelle für Blinde und Sehbehinderte des Sozialwerkes Potsdam e.V., Am Alten Markt 10/107, 14467 Potsdam,

Tel.: 0331/295184

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