Heft 
(1.1.2019) 05
Einzelbild herunterladen

Titel

www.uni-potsdam.de/portal /juno3 /titel

Aus Leidenschaft fürs Spiel

Matthias Schmidt ist auf nationalen und internationalen Goalballfeldern zu Hause

Mathias Schmidt ist stark sehbehindert. Sein Studium der Rechts­wissenschaften absolviert der 23-Jährige trotzdem wie alle anderen. Oder vielleicht doch nicht ganz. Denn er spielt auf nationalem und auch internationalem Parkett Goalball. Training und Wett­kämpfe kosten viel Zeit. Der Studienplan kommt da schon mal

durcheinander.

port ist für mich ein guter Ausgleich zu Ö den Anforderungen des Alltags, begrün­det er sein Engagement. Sport treibt der junge Mann bereits seit seiner Kindheit. Bevor ihn Goalball nicht mehr los ließ, probierte sich Schmidt im Volleyball, Judo und in der Leicht­athletik aus.Dabei war ich zunächst skeptisch, mich auf eine sehbehindertenspezifische Sport­art einzulassen, sagt er rückblickend. Schuld an der jetzigen Leidenschaft seien Sportlehrer der Sehbehindertenschule in Königs Wusterhausen sowie Trainer des dort ansässigen Vereins.

Was eigentlich verbirgt sich hinter Goalball, werden sich so manche Fragen. Das vermeint­lich Geheimnisvolle lässt sich schnell erklären. Zwei Mannschaften, bestehend aus drei Spie­lern, kämpfen darum, den Ball auf der Erde rol­lend ins gegnerische Tor zu bringen. Das runde Leder ähnelt einem Basketball. Aus seinem Inne­ren ertönen akustische Signale, damit über das Gehör die Bewegungsrichtung wahrgenommen werden kann. Auf dem neun mal achtzehn Meter großen Spielfeld ist viel Körpereinsatz erlaubt, man agiert schnell. Die Spielzeit beträgt zwei­mal zehn Minuten. Ähnlich dem Eishockey wird jede Auszeit gestoppt.

Dranbleiben durch

Hören.

Fotos: Fritze

Dass die Sportart nun auch auf dem Sportpro­gramm des Zentrums für Hochschulsport der Universität steht, ist durchaus kein Zufall. Als Schmidt 1999 in Potsdam mit dem Studium begann, suchte er den Kontakt zur Einrichtung. Die Mitarbeiter des Zentrums standen seinem Ansinnen, eine Trainingsgruppe ins Leben rufen zu wollen, sofort aufgeschlossen gegenüber. Eine Halle wurde organisiert, Trainingszeit fest­gelegt. Immer mittwochs geht es nun in der Regel ab 16.00 Uhr heiß her in der Sporthalle Am Neuen Palais. Wer will, kann jederzeit mit­machen.

Obwohl die Hochschulmannschaft nicht zu Wettkämpfen antritt, startet der Jura-Student dennoch auf nationaler Ebene bei Turnieren. Gelegenheit dazu bietet sich durch die Zugehö­rigkeit zum Team des SC Potsdam. Es ist eines von rund zwölf existierenden im Seniorenbe­reich.In Deutschland finden allerdings kaum Wettkämpfe statt, dafür gibt es sie international um so mehr, beschreibt Schmidt die Situation. Er gehört auch zur Nationalmannschaft, bestrei­tet mit ihr ein hartes Programm. Allein die monatlichen Trainingslager verlangen ihm eini­ges ab. Hinzu kommen die ständigen Reisen ins Ausland. In diesem Jahr fahren die Deutschen beispielsweise noch zu Freundschaftsturnieren nach Litauen und Tschechien. International kön­nen sie inzwischen gut mithalten, zählen sie doch zu den fünf besten der Welt. Der 5. Rang bei den Weltmeisterschaften letzten Jahres im brasilianischen Rio de Janeiro bedeutete zugleich auch die Qualifizierung für die Para­lympics 2004 in Athen.Bevor ich in Griechen­land mit dabei bin, möchte ich mir aber noch die fehlenden Leistungsscheine erarbeiten, so der Uni-Sportler mit Blick in die Zukunft.Danach will ich mich gezielt auf das Examen vorberei­ten. Wann genau er es absolvieren möchte, weiß er heute noch nicht. Denn da ist ja noch die Liebe zum Spiel... Pg

) ya Schmidt: Will zu den Paralympics 2004 in Athen.

Wer mehr über Goalball erfahren möchte, kann im Internet unter http://www.goalball.de nachlesen. Mathias Schmidt steht für Fragen zum Training unter E-Mail: matthias@goalball.de oder Tel.: 0331/70468867 zur Verfügung.

28 Portal 5-7/03