Studiosi
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Drastische Einschnitte kommen
Neuer Gebührenschauplatz: Studentenwerke
Trügerische Ruhe: Die sozialen Rahmenbedingungen werden schwieriger.
In den letzten Wochen hat es zum Teil hitzige Diskussionen um eine geplante Erhöhung der vom Studentenwerk Potsdam einzufordernden Semesterbeiträge gegeben. Hautnah am Geschehen dran war auch Andreas Schackert, studentisches Mitglied im Verwaltungsrat des Studentenwerkes Potsdam. Mit dem folgenden Beitrag meldet er sich zu Wort:
ie Studentenwerke sind die Sozialämter D der Studierenden. Weil Studierende stu
dieren sollen, nicht Geld verdienen, und also auf Zahlungen von den Eltern oder auf das BAföG angewiesen sind, haben die Bundesländer Studentenwerke eingerichtet. Sie sollen Studierenden erschwinglichen Wohnraum zur Verfügung stellen und ihnen ermöglichen, preiswert, ausreichend und gesund hochschulnah warmes Essen zu erhalten. Ebenso haben sie die Pflege sozialer und kultureller Belange der Studierenden als Aufgabe. Zudem verwalten sie im Auftrage(und auf Kosten) des Bundes das BAföG. Um ihre Aufgaben zu erfüllen, sind sie freilich auf Zuschüsse aus dem Hochschulhaushalt des jeweiligen Bundeslandes angewiesen. Anteilig sollen sich die Studentenwerke aber auch durch Beiträge finanzieren, die jeder Immatrikulierte jedes Semester an sein Studentenwerk abzuführen hat. An sich schon eine eigenwillige Konstruktion, gleich als ob Sozialhilfeempfänger (natürlich von ihrer Sozialhilfe) regelmäßig einen Beitrag ans Sozialamt zahlten, damit dieses arbei
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ten kann. In der Bedarfsberechnung für Unterhalt beziehungsweise BAföG tauchen die Studentenwerksbeiträge allerdings nicht auf, der BAföGAnspruch steigt also auch nicht, wenn die Beiträge steigen.
Geleitet werden die Brandenburgischen Studentenwerke Potsdam(zuständig für die drei Potsdamer Hochschulen und die Fachhochschulen in Brandenburg und Wildau) und Frankfurt/Oder(für die übrigen Hochschulen des Landes) von Geschäftsführerinnen, kontrolliert wird ihre Arbeit von einem Verwaltungsrat, der zur Hälfte von Studierenden besetzt ist.
Wie in allen sozialen Bereichen werden auch die Zuschüsse für das Studentenwerk von Jahr zu Jahr weniger. Den Versprechen aller Landespolitiker zum Trotze werden im gesamten Hochschulbereich Zuweisungen gestrichen, zum Beispiel bei den Studentenwerken. So muss das Studentenwerk Potsdam im laufenden Haushaltjahr auf 470.000 Euro der bisher 3,1 Millionen Euro Landeszuschüsse verzichten, Frankfurt/Oder geht es ähnlich. Zukünftig soll trotz steigender Studierendenzahlen jährlich eine Million Euro bei den Studentenwerken gespart werden.
Auf Initiative der Hochschulministerin Wanka forderte die Geschäftsführerin des Studentenwerkes Potsdam vom Verwaltungsrat zum Ausgleich der wegfallenden Zuschüsse weitere Preisund Gebührenerhöhungen. So sollten zum Wintersemester 2003/04 die Essenspreise um durchschnittlich 50 Cent(billigstes Essen heute: ı Euro,
Foto: unicom-picture.de
im Wintersemester 1997/98 noch eine Mark), alle Wohnheimmieten pauschal um zehn Euro und zudem der Semesterbeitrag auf 40 Euro (heute 25 Euro, 1997: 15 Mark) erhöht werden.
Die alten Preise waren das Ergebnis der Bezuschussung durch die brandenburgische Landesregierung, die früher offensichtlich der Ansicht war, der soziale Status der Studierenden mache eine Förderung der Studentenwerke in diesem Umfang nötig. Die Zahlen vergleichen, heißt sich zu fragen: Was hat sich denn Großartiges verändert seit 1997? Gab es eine Inflation, die so stark war, dass sie solche Preisangleichungen nötig machte? Hat sich die soziale Lage der Studierenden schlagartig deutlich verbessert, wodurch weniger Zuschüsse notwendig sind? Zweimal: Nein! Ausschlaggebend ist ganz offensichtlich die Verschiebung der Prioritäten in der Landespolitik.
Der: Verwaltungsrat lehnte die Erhöhungen im April mit sieben Ja- und drei Nein-Stimmen ab, nötig wären laut Satzung acht Ja-Stimmen gewesen. Weil das Studentenwerk seine Satzung falsch las, meinte es, der Antrag wäre befürwortet und lässt die höheren Gebühren von den Hochschulen eintreiben. Eine deshalb nötige erneute Verwaltungsrats-Abstimmung im Juni hatte dasselbe Ergebnis: eine Mehrheit der Mitglieder machte sich zu Handlangern einer verfehlten Hochschulpolitik, doch drei Vertreter der Studierenden weigerten sich, den Studierenden doppelt in die Tasche zu greifen. Die Kürzungen des Wissenschaftsministeriums haben nun zur Folge, dass ab sofort drastische Einschnitte in den Leistungen des Studentenwerkes erfolgen. Schon auf kurze Sicht wird es nicht mehr alle seine gesetzlichen Aufgaben erfüllen können. Leider verzichtete der Verwaltungsrat mehrheitlich darauf, auf die Art der Kürzungen Einfluss zu nehmen— umso wichtiger ist, dass die Studierenden jetzt gegen den Kürzungswahn aufbegehren!
Andreas Schackert Studentischer Vertreter für die Uni Potsdam im Verwaltungsrat des Studentenwerkes Potsdam
Der Verwaltungsrat des Studentenwerkes Frankfurt/Oder beschloss ebenfalls im April mit ausreichender Mehrheit, alle Wohnheimmieten um zehn Euro, den Semesterbeitrag von 25€ auf 50€ zu erhöhen. Portal bleibt am Thema dran. Ausführlicher Beitrag in der Online-Ausgabe: www.uni-potsdam.de /u/portal /juno3/studiosi,
Portal 5-7/03