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den wir auch 2004 Personalmittel freisetzen, um damit bestehende Defizite abzumildern. Dabei allerdings stehen wir erneut vor der Entscheidung, wo und in welcher Höhe am vordringlichsten kompensiert werden soll.
Der vom Kabinett verabschiedete Haushaltsentwurf 2004 liegt mir seit 17. September 2003 vor. Eine seriöse und belastbare Analyse konnte noch nicht erstellt werden. Dennoch ist deutlich erkennbar, dass erneut die Bibliotheksmittel als auch die Bewirtschaftungskosten die gravierendsten Defizite bei den Sachaufwänden aufweisen. Über die Folgen vermag ich derzeit noch keine valide Einschätzung zu geben. Wir warten auf die Orientierungen der Ministerin in der für Oktober einberufenen Dienstberatung mit den Hochschulrektoren. Hier wird der Rektor deutlich machen, dass wir mit dem Aufwuchs unseres Haushalts in Höhe von einer halben Million Euro allein unsere Aufgaben nicht schultern werden. Eine Abfederung seitens des Wissenschaftsministeriums ist notwendig.
Wie sieht es im Bereich der Investitionen und Reinvestitionen aus?
Kirchner: Nach dem Entwurf des Haushaltes 2004 soll ein Investitionsvolumen von 594,6 Tausend Euro(2003: 590 Tausend Euro) für die Beschaffung wissenschaftlicher Geräte bereitgestellt werden. Das ist zu wenig. Derzeit werden Investitionsmittel fast ausschließlich für die Ausstattung von neu zu berufenen Professoren eingesetzt. Diese Vorgehensweise setzt allerdings ein hohes Maß an Solidarität der etablierten Hochschullehrer voraus. Diese sind im Gegenzug mit der Erschließung alternativer Finanzierungsquellen des Bundes(HWP) und der Europäischen Union(EFRE) durch aufwendige Antragsverfahren befasst. Zur Erhaltung der Drittmittelfähigkeit ist jedoch eine Übergangsfinanzierung bis zur vollständigen Anpassung des errechneten Mittelbedarfes nach dem Landesmodell geboten, wofür dem Wissenschaftsministerium eine entsprechende Entscheidungsvorlage im Frühjahr übergeben wurde.
Kann die Hochschule die notwendigen Kosten für die Bewirtschaftung aufbringen? Kirchner: Wie in den Haushaltsjahren 2002 und 2003 wird auch 2004 eine Unterfinanzierung der Bewirtschaftungskosten und des Sachaufwandes für Datenverarbeitung zu verzeichnen sein. Bislang galt es, ein Defizit von cirka 1,2 Millionen Euro im Rahmen der Bewirtschaftung der Haushaltsmittel auszugleichen. Im kommenden Jahr erhöhen sich die Bewirtschaftungskosten durch die Inbetriebnahme des Musikin
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stitutsgebäudes und des zweiten Laborgebäudes der Naturwissenschaften in Golm sowie durch Preiserhöhungen bei Grundbesitzabgaben, bei Wasser und Abwasser sowie durch die Ökosteuer erheblich. Der Universität wird es nicht gelingen, das sich abzeichnende erhöhte Defizit von 1,5 Millionen Euro im Rahmen der uniinternen Bewirtschaftung vollständig zu beseitigen. Hier werden wir erneut um Nachfinanzierung gegenüber dem Wissenschaftsministerium bitten. Selbstverständlich sind aber auch alle Hochschulangehörigen aufgefordert, äußerst sparsam zu wirtschaften.
Sind mit diesen Aussichten Lehre und Forschung in den kommenden Jahren wirklich noch seriös zu betreiben?
Kirchner: Die Universität Potsdam hat an Attraktivität bei Studieninteressierten gewonnen. Der damit verbundene Vertrauensvorschuss ist von der Hochschulleitung einzulösen durch die Schaffung von Studienbedingungen, die ein Studium in der Regelstudienzeit garantieren. Insofern sind klare Prioritätenentscheidungen bei der internen Mittelvergabe gefordert, wie dies bereits in den letzten beiden Haushaltsjahren erfolgreich praktiziert wurde. Voraussetzung dafür ist die Landeszuweisung auf dem Mindestniveau von 2003.
Für die Forschung bedarf es der deutlich verbesserten investiven Ausstattung, die in 2004 erneut nicht in Sicht ist. Neue Akzente für wettbewerbsorientierte Grundausstattung als unabdingbare Voraussetzung für die Einwerbung von Drittmitteln von der EU, vom Bund und Unternehmen sind zu setzen. Hier hoffe ich auf positive Signale aus dem Gespräch der Präsidenten der brandenburgischen Hochschulen mit dem Ministerpräsidenten Matthias Platzeck.
Wir werden aufgrund der Haushaltslage künftig aber Ressourcen allein auf Exzellenzprojekte in der Forschung konzentrieren können. Kreative Finanzierungsprojekte für(alternative) Fördertöpfe sind inzwischen an der Tagesordnung. Trotzdem kann damit der völlig unzureichende — peinlich geringe- Landeszuschuss nicht ansatzweise ausgeglichen werden. Innovation findet derzeit im Wesentlichen auf der Basis von Fundraising statt, wie die Einführung der Studierendenchipkarte beweist.
Der aktuelle Statusbericht zum Haushalt ist im Intranet unter www.intern.uni-potsdam.de/u/ dezernat4/bericht_haushalt2003_07_09.htm zu finden.
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