Heft 
(1.1.2019) 08
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Der Idealfall wäre

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kein Numerus Clausus

Für dieses Wintersemester waren alle Studiengänge zugangsbeschränkt

Rechtzeitig bewerben:

Wartezeiten zählen.

Über 15.000 Studierende sind gegenwärtig an der Universität immatrikuliert. Viel mehr werden es vermutlich dank des flächendeckenden Numerus Clausus nicht. Der aber ist kein Allheilmittel. Inwieweit Studierfähigkeit und Qualität gesichert werden, hängt auch davon ab, wie viele Absolventen die Universität verlassen und ob sich die Studien­zeiten verlängern oder nicht. Thomas Pösl sprach mit Norbert Stief, Dezernent für Studienangelegen­heiten, über die neue Situation.

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Was bedeutet der flächendeckende Numerus Clausus für die Universität Potsdam?

Stief: Er war umstritten, letztlich aber eine wich­tige hochschulpolitische Entscheidung. Daran wird sich auch nichts ändern. Hätten wir ihn nicht, würden all diejenigen, die in Berlin schlechtere Chancen haben, auf unsere zulas­sungsfreien Fächer ausweichen. Nehmen wir aus der Erfahrung nur unseren Studiengang Philosophie. Dort sind etwa 400 Studierende eingeschrieben. Das ist eine Auslastung von 320 Prozent, nur merken die Philosophen nicht viel davon. Man könnte leichtfertig sagen: wenn nie­mand die Lehrveranstaltungen besucht, belastet uns das nicht. In Zukunft aber wird die leis­tungsbezogene Mittelvergabe erfolgen und die wird auch an der Zahl der Absolventen im Ver­hältnis zu den Studieneingangszahlen gemes­sen. Wir produzieren eine hohe Zahl von Stu­dienabbrechern, obwohl es gar keine im stren­geren Sinne sind.

Ist das Aufgeben der Zulassungsfreiheit also purer Selbstschutz?

Stief: Die Studienplatzzahl errechnet sich aus den Kapazitäten. Letztere haben sich in den Jah­ren kaum verändert, die Bewerberzahlen aller­dings schon. Nun haben wir immer mehr imma­trikuliert, als Studienplätze real existieren und

- das durch geschickte Studienorganisation aus­

geglichen. Wir konnten immer davon ausgehen, das nicht alle kommen. In dem Moment, wo immer mehr in die Universität hineindrängen, wird es schwieriger. Die Fächer Germanistik und Geschichte beispielsweise haben lange mit ihrem NC gewartet, aber jetzt ist das Boot defini­tiv voll. Allerdings: Je mehr Universitäten einen NC einführen, desto stärker zwingt man die Leu­te zu mehr Fachbewerbungen. Das heißt, wenn beispielsweise jemand Informatik studieren will, bewirbt er sich in Potsdam, an den drei Berliner Unis und in Cottbus. In Berlin-Brandenburg gibt es vielleicht insgesamt 400 Studienplätze, aber nur dreihundert Bewerber. Aber die hat dann jede Uni, und die mal fünf, das sind dann 1.500 Bewerbungen auf 400 Plätze, obwohl es viel­leicht bloß 300 Bewerber gibt und keine Uni füllt ihre Plätze auf. Der Idealfall wäre kein NC.

Portal 8-10/03