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(1.1.2019) 1/2
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RUNDUM SEILSCHAFTEN, INTRIGEN UND MORDE

Als komödiantische Polit-Romanze kündigt der Eichborn-Verlag das neueste Werk von Dietrich SchwanitzDer Zirkel an. Diejeni­

gen, die den 1995 erschienenen und inzwi­

schen auch verfilmten RomanDer Cam­pus des Autors kennen, erwarten nun nicht ganz zu Unrecht Weiteres aus dem verruch­ten.Innenleben deutscher Hochschulen. Sie werden nicht enttäuscht. Laut Verlags­

werbung hält Schwanitz sogar der gesamten. ­

deutschen Gesellschaft nach der Wiederver­einigung den Spiegel vor. Wer also Nachhil­feunterricht im Ausboten von Kollegen und Freunden, im Spinnen von Intrigen, im De­nunzieren, im Ebnen der Wege nachOben benötigt, wird nach dem Lesen des Buches um vieleIdeen reicher sein. Dabei wird so manches Klischee bedient, aber Schwanitz weiß auch, wovon er schreibt. Der 1940 im

Ruhrgebiet Geborene studierte Anglistik, Geschichte und Philosophie. Er promovier­

te in Freiburg auf dem Gebiet der Anglistik und habilitierte sich über das Drama und die soziologische Rollentheorie. Bis 1997 lehrte Schwanitz an der Universität Hamburg Eng­lische Literatur. Er veröffentlichte zahlreiche Publikationen und leitete einen Workshop für Theater und Creative Writing an der Hoch­schule. Nach 1989 schaute er an der Uni Potsdam vorbei.

Um die Erwartungen seiner Leser nicht zu enttäuschen, läßt Schwanitz Liebe, Intrigen, Spionage und Morde das Geschehen be­stimmen. Gegenwärtige Hochschulpolitik und Fehlentwicklungen im Bildungssystem stellt er an den Pranger. Bissiger und satiri­scher kann man es sich, literarisch umge­setzt, kaum vorstellen.

Dr. Daniel Dentzer ist Persönlicher Referent des Hamburger Wissenschaftssenators Weiss. Überdies erweist er sich in Liebes­dingen theoretisch und praktisch als nicht gerade unerfahren. Seine Dissertation be­faßte sich mit dem ThemaLiebe und Kon­flikt. Gerade hat er eine Schwäche für die AStA-Vorsitzende Hannah Krakauer. Ausge­rechnet sie ist es, die während einer Pro­testveranstaltung gegen den angeblich fa­schistischen Prof. Schneider von Rechtsradi­kalen tödlich verletzt wird. Dentzer begibt sich im Auftrag seines Chefs auf die Suche nach den Tathintergründen. Bei seinen Re­Cherchen verschlägt es ihn gemeinsam mit der Journalistin Vanessa Steinbrück an die Potsdamer Universität. Dort(!) stößt er auf den Ursprung des Verbrechens. Denn der Zirkel sind offizielle Mitarbeiter, die die Sta­si im westdeutschen Hochschulsystem un­terbrachte. Natürlich sind sie auch weiterhin aktiv. Das verhängnisvolle Geschehen nimmt seinen Lauf. In Potsdam muß Dentzer dann im wahrscheinlich verwanzten Gäste­haus der Stasi übernachten, überall Spuren von Panzerketten, den Geruch von Lager

und Stacheldrahtzäunen und von volkseige­nen. Desinfektionsmitteln ertragen. Das Hi­storische Seminar hat nach seiner Wahrneh­

mung denCharme eines Altersheimes. Im

Pförtnerhäuschen sieht er das verblichene Plakat mit dem Gelöbnis der Potsdamer Lehramtsstudenten. Das Potsdamer Modell

der Lehrerbildung dient nach seinen Er­

kenntnissen der beruflichen Rettung einer Herde von wissenschaftlichen Mitarbeitern mit bescheidener Qualifikation.Ein trübes Milieu, ein Biotop der Mittelmäßigkeit. Also genau derselbe Salat wie in Hamburg. So das deprimierende, aber immerhin nicht auf Potsdam beschränkte Fazit des Reisenden. Nahezu. alle. bekommen ihr Fett ab: die Frauenbeauftragte, die Gremienmitglieder, der Pförtner, der Präsident, die Politiker, die Studierenden, die Professoren...Oh, mein

_ Gott, ist dann auch beziehungsreich der erste und der letzte Satz(dort mit Ausrufe­

zeichen versehen) des Romans,

Übrigens, um allen Mutmaßungen vorzu­beugen, läßt Schwanitz seine Leser wissen,

daß alle Ähnlichkeiten mit lebenden Perso­nen zufällig und unbeabsichtigt sind oder nur dann auftreten,wenn diese nachträg­lich den Roman imitieren. Wen das irritiert, der sollte es sich entgegen eventuellen son­stigen Gepflogenheiten diesmal nicht neh­men lassen, die Danksagungen am Ende des.Buches zu studieren. Für Eingeweihte ist-Erhellendes garantiert. B.E:

Dietrich Schwanitz: Der Zirkel, Eichborn, Frankfurt am Main, 1998, 448 S., 44,00 DM.

BIOTECHNOLOGIE FÜR UNTERNEHMEN

Der Biotechnologiepark Luckenwalde in Brandenburg hat sich innerhalb kürzester Zeit zu einem Kompetenzzentrum in Deutschland entwickelt. Mittlerweile arbei­ten dort 30 Unternehmen und Forschungs­einrichtungen im Bereich Biotechnologie. Das vorliegende Buch stellt nun die Ergeb­nisse zweier jetzt abgeschlossener Studien vor. Die erste Untersuchung ermittelt die Bedeutung von Anwendungsfeldern für den Biotechnologiepark, während die zweite Stu­die auf die internationalen Trends eingeht, die für kleine und mittlere Unternehmen wichtig werden könnten. Diskutiert werden unter anderem rekombinante Wirkstoffe für die Pharmaindustrie, neue Verfahren für die medizinische Diagnostik, Gentherapie, Tissue engineering, Biosensoren und die Beherrschung biologischer Prozesse. ar

Ulla Große, Frank Hartmann, Rainer Voß: Internationale Trends in der Biotechnolo­gie, Verlag Dr. Köster, Berlin, 1998, 114 5., 39,80 DM.

ZWIESPÄLTIGE UMWELT

Wir leben in einer Epoche, in der der Zugriff auf möglichst viele Informationen eine gro­ße Rolle spielt und zumindest technisch wenig Probleme bereitet. Nicht so einfach ist es, aus der Flut von Informationen die rich­tigen herauszufinden und aus einer Summe von Einzelteilen ein Bild zusammenzusetzen, das der Wahrheit nahe kommt. Manche Quellen liefern bereits falsche oder unvoll­ständige Informationen, weil Journalisten oberflächlich recherchieren oder Fachleute noch im Dunkeln tappen.

Im Bereich der Umweltthemen kann sich dann das herausbilden, was Dirk Maxeiner und Michael Miersch alsÖkoirrtum be­zeichnen. Sie haben die gängigen Meinun­gen zu Umweltfragen aus 15 Bereichen- von der Energieversorgung über die Gentechnik und Klimaentwicklung bis hin zur Verant­wortlichkeit der Wirtschaft gegenüber der Umwelt unter die Lupe genommen, um etwas Ordnung in die Dinge zu bringen und wenigstens den größten Unsinn ein wenig anzukratzen. Mißt man das 415 Seiten dik­ke Buch an diesem Anspruch, dann tauchen doch Zweifel auf, ob das Ziel erreicht wurde. Sicher finden sich eine Fülle von Fakten aus Fachbüchern, Tageszeitungen und Fachzeit­schriften. Aber bei offenen Fragen zeigt sich, daß die Autoren nicht ganz objektiv an das Thema herangehen. So wird dieSüddeut­sche Zeitung mit dem Satz zitiert, die Wis­senschaftler arbeitetenan Formeln, mit de­nen sich der Zustand des Planeten in 100 Jahren errechnen läßt. Der Kontext, in dem das Zitat auftaucht, suggeriert dem Leser, daß die Wissenschaftler der Meinung wä­ren, dies ließe sich erreichen. Maxeiner und Miersch zeigen dann die technischen und prinziplellen Probleme der Klimamodellie­rung auf, die eine exakte Vorausberech­nung des Klimas unmöglich machen und stempeln so diesen Wissenschaftszweig als nicht ganz ernst zu nehmen ab. Tatsächlich behauptet kaum ein Klimaforscher, daß mit Hilfe von Klimamodellen in die Zukunft ge­schaut werden könne, sondern nutzt diese, um mögliche Entwicklungen abzuschätzen. Bei anderen Themen werden vermeintlich gängige Irrtümer präsentiert. So widerlegen sie etwa die Behauptung, Seen und Flüsse verdreckten immer mehr. Dabei hat es sich längst herumgesprochen, daß die Wasser­qualität der Seen und Flüsse in Deutschland in den letzten Jahren ständig besser wurde. Alles in allem bleibt der Eindruck, daß die Autoren nicht immer fair berichten. Eines bringt die Lektüre dennoch: Einen kriti­scheren Umgang mit den täglichen Kata­strophennachrichten. ade

Dirk Maxeiner, Michael Miersch: Lexikon der Okoirrtümer, Eichborn, 1998, 415 Sei­ten, 44,- DM.

PUTZ 1-2/99

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