WEIHNACHTSORATORIUM FÜR GEHÖRLOSE
Prof. Kristian Commichau und die Mitglieder des 1996 gegründeten Uni-Chores ließen sich zum Jahresende etwas Ungewöhnliches einfal len. Das Weihnachtsoratorium von Bach führten sie speziell für Gehörlose auf. Vier junge Gebärdensprachdolmetscher setzten dabei das klassische Werk in„ihre“ Sprache um. Eine der Sängerinnen des Chores ist Gebärdensprach
dolmetscherin an der Fachhochschule Potsdam
Über sie kam von der tauben Pastorin der Potsdamer Gehörlosengemeinde, Sabine Fries, die Idee, dieses ungewöhnliche Konzertereignis auf die Beine zu stellen. Die Begeisterung des Publikums gab den Initiatoren in ihrem Anliegen recht, auch diesen Menschen die Welt der Musik zu erschließen Text und Foto: B.E.
DER PFANNEKUCHENSCHRECK
Medienfilmpreis an Studies der Uni Potsdam
Ein kleiner Pfannekuchen, in dem„Senf statt Marmelade war“, bringt eine neunzentnerschwere Frau nach einer schweren Ohnmacht dazu, künftig nur noch Obst und Gemüse zu verzehren. Nicht allein dieser gesundheitswissenschaftliche Fingerzeig in einem Kinderlied von Reinhard Lakomy veranlaßte Studierende der Medienpädagogik in einem Seminar unter der Leitung von Dr. Lutz Henrich und Dr. Hans-Jörg Pöttrich, ein Video über das Lied„Der Pfannekuchenschreck“ zu produzieren
Das Lied„Der Pfannekuchenschreck“ von Reinhard Lakomy inspirierte Studies der Uni zu einem Video. Abb.: Video
Mit dem knapp dreiminütigen Animationsvideo holten sich Sophie Klett, Gundi Camin, Katharina Hoba und Maik Köllnick einen ersten Preis im 1998er Filmwettbewerb des Fachverbandes Medien in Technik und Bildung.„Die Mühen für die Animation der Trickfiguren aus Knetmasse haben sich doch gelohnt“, sagt Maik Köllnik, einer der Macher. Und in der Tat ist der im Seminar Unterricht und Medien entstandene Film zwar kurz, aber für die 1024 Einzelbilder, deren digitaler Bearbeitung und der SchnittChoreographie waren die Arbeiten enorm
aufwendig. In der Begründung der Jury werden vor allem die originelle Gestaltung der Figuren, deren Inszenierung und der Mut zum Genre Animationsfilm gelobt.
Darüber hinaus ging es in dem Seminar insgesamt um mehr. Es sollte gezeigt werden, wie mit einfachen Mitteln auch im Schulunerricht Medienaussagen konstruiert werden können und welche Wirkungen sie erzeugen. Trotz der täglich wachsenden Bilderfluten fehle vielen Heranwachsenden noch eine visual literacy. Auch die Schule leiste hierzu viel zu wenig, war zu hören. Besonders freuen sich die studentischen Filmemacher darüber, daß ihr Film jetzt in alle brandenburgischen Schulen kommt. Hier kann der Film im Grundschulbereich beispielsweise für die Medienerziehung, die Gesundheitserziehung und den MusikunterYicht Verwendung finden. Das Medienpädagogische Zentrum hat die Vervielfältigung und den Vertrieb an alle Bildstellen Brandenbugs übernommen. Hans-Jörg Pöttrich
‚Lesungen zum Goethe-Jahr
Zu 250. Geburtstag von Johann
\ı Wolfgang von Goethe initiierte
7 /das Hans Otto Theater mit dem zZ ‚Aufbau-Verlag eine Lesereihe unter dem Titel„Geh den Weibern zart entgegen“. Schauspielerinnen und Schauspieler tragen unter anderem aus„Wahlverwandtschaften“, „Werther“,„Reineke Fuchs“,„Hermann und Dorothea“, Goethes Briefwechsel mit Christiane Vulpius sowie Stimmen von Zeitgenossen vor. Am 28. Februar 1999, 11.00 Uhr, lesen Jutta Eckhardt, Robert Kuchenbuch und Jörg Seyer unter dem Motto„Goethe kam den Montag zu mir" (Zeitzeugen respektlos über den Dichterfürsten) ım Potsdamer Voltaire Hotel. Z9g.
LUST AN KUNST
Andreas Oehme war seit 1992 Lehramtsstudent im Studiengang Germanistik und Geschichte. 1993 fand er zur„Literaturbühne '90“, die von Prof. Dr. Alfred Bergstedt geleitet wird. Hier wirkte er über ein Jahr am Ringelnatz-Programm mit, aus dem später die moderne Text-Collage ‚Wunsch, Indianer zu werden“ wurde. Die„Literaturbühne’90“ ist eine literarisch-musikalisch arbeitende und auf Spieleffekte setzende Gruppe, die auch schon außerhalb der Universität auftrat. Parallel zu den Ringelnatz-Programmen entstand ein Kafka-Programm(1996), dann die Heinrich-Heine-Lesung„Das Glück ist eine eichte Dirne“. Alle Aufführungen hat Andreas Oehme als Rezitator und musikalischer Begleiter mitbestrnitten. Oehme spielt Boogie, st Blues-Solist am Piano oder an der Mundharmonika. Gelegentlich tritt er mit einer Duo-Formation auf und unternimmt Ausflüge n den Jazz. Wiederholt spielte er in Potsdamer Musikkneipen. Zu den Zielen seines Musikmachens befragt, äußert er:„Musik ist ür mich die ideale Möglichkeit auszuspannen, die Gedanken hängen zu lassen oder auch den Streß und die Ärgernisse des UniAlltags zu verarbeiten. Gleichzeitig bot sich natürlich die Möglichkeit eines kleinen Nebenverdienstes an, was bei den heutigen BAföG-Bedingungen ja nie ganz verkehrt ist.“ Als die„Literaturbühne’90“ das BrechtProgramm„B. B. Rein. Sachlich. Böse“ im Golmer lesecafe präsentierte, war Andreas Oehme wieder dabei.„Die Arbeit in der ‚Literaturbühne‘ gab mir die Möglichkeit, die im Germanistikstudium oft fehlende praktischkünstlerische Seite von Literatur auszuleben.“
Foto. privat
Andreas Oehme
Die Reihe„Lust an Kunst“ stellt Angehörige der Universität Potsdam vor, die professionell oder„nebenberuflich“ künstlerisch arbeiten. Jene Mitarbeiter und Studierenden sind aus eigenem Antrieb und nicht zuletzt zum eigenen Vergnügen kulturell-künstlensch tätig. Deutlich werden soll auch die Motivation für diese Arbeit: Oe./Fr.
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PUTZ 1-2/99