Heft 
(2024) 31
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Meyburg: Jungvogelmanagement beim Schreiadler

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Abb. 3: Nach dem Ausfliegen aus den Auswilderungsboxen sitzen die jungen Schreiadler gern auf den Dächern der beiden Auswilderungsplattformen, wo sie stets Nahrung finden. Foto: Autom. Wildkamera A. Hinz.

After leaving the artificial nests, the young lesser spotted eagles like to sit on the roofs of the two reintroduc­tion platforms, where they can always find food.

4 Diskussion

Als aktuelle Hauptprobleme im deutschen Brutge­biet des Schreiadlers lassen sich folgende Punkte identifizieren: Reproduktionseinbrüche durch eine dramatische Verschlechterung der Nahrungs­situation infolge der Veränderung und Intensivie­rung der Landnutzung sowie eines hochgradig gestörten Landschaftswasserhaushaltes, erhöhte Altvogelmortalität durch Windkraftanlagen, ein­hergehend mit Habitatveränderungen und zusätz­lichen Störungen, sowie erhöhte Mortalität auf dem Zug durch direkte Verfolgung und die Zunah­me von Windkraftanlagen.

Reproduktion und Sterblichkeit sind die bei­den bestimmenden Populationsparameter, sofern keine nennenswerte Zu- oder Abwanderung statt­findet. Eine solche nach Polen wäre am ehesten im angrenzenden westpolnischen Verbreitungsgebiet zu vermuten. Allerdings stößt die Feststellung hier

auf methodische Schwierigkeiten, da der Schrei­adler dort nur sehr wenig erforscht ist. Immerhin konnte ein achtjähriger Projektadler( Kennring AV) etwa auf halber Strecke zwischen Oder und Posen im Lebuser Land( Ziemia Lubuska) als er­folgreicher Brutvogel festgestellt werden.

Abgewandert sind zwei weitere telemetrier­te Projektadler( Sender ID 94739 und 94741) nach Masuren ( Ostpolen ). Bisher ist nur eine Fernansiedlung aus Nordostpolen bekannt. Ein Männchen hat sich aus über 500 km Entfernung bei Pasewalk ( Mecklenburg- Vorpommern ) ange­siedelt und erfolgreich gebrütet( MEYBURG et al. 2020)

Der Schreiadler ist hinsichtlich seiner Repro­duktion ein sogenannter K- Stratege, wobei K für die Kapazitätsgrenze des Lebensraumes steht, an der die Populationsgröße unter ungestörten Bedingungen regelmäßig liegt. Diese Arten zeich­nen sich durch eine geringe Reproduktion, einen