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späten Fortpflanzungsbeginn, eine hohe natürliche Lebenserwartung und damit eine besondere Bedeutung jedes einzelnen Altvogels für die Population aus. Zusätzliche Mortalitätsfaktoren sind daher für den Erhalt der Art besonders bedrohlich. Im Gegensatz dazu stehen die R- Strategen, die einen Überschuss an Nachkommen produzieren. Sie weisen eine hohe Reproduktionsrate auf.
Verlässliche Daten zum Erreichen der Fortpflanzungsfähigkeit, zum Durchschnittsalter adulter Individuen, zum Partnerwechsel an den einzelnen Brutplätzen und zur Mortalität der Art liegen bisher kaum vor( MEYBURG et al. 2005, 2020, 2022). Lediglich an einem Brutplatz in Brandenburg wurden besonders langjährige Untersuchungen zum Bruterfolg, Partnerwechsel, Erreichen der Brutreife etc. durchgeführt( MEYBURG et al. 2022). Auch zu den Todesursachen gibt es in der Literatur nur wenige genaue Angaben( z. B. MEYBURG 2009).
Wir haben daher in den deutschen Brutgebieten 17 Jungadler aus Wildhorsten, in denen keine Managementmaßnahmen durchgeführt wurden, zu Vergleichszwecken mit Satellitensendern ausgestattet. Nach den bisher unveröffentlichten Ergebnissen wurden davon nur zwei Männchen( ca. 12%) fortpflanzungsfähig, die beide ein Alter von acht Jahren erreichten. Ein Männchen zog im Alter von fünf und sieben Jahren jeweils ein Junges auf. Das andere Männchen siedelte sich erst im Alter von sieben Jahren an und unternahm einen Brutversuch. Das fast flügge Jungtier wurde jedoch von einem Habicht getötet. Das weitere Schicksal der beiden ausgeflogenen Jungadler ist unbekannt. Bei dieser geringen Überlebensrate erscheint das Ziel, den Bestand allein durch konventionelle Methoden( Habitatverbesserungsmaßnahmen usw.) bei gleichzeitigem Ausbau der Windenergie zu erreichen, nahezu ausgeschlossen.
4.1 Anmerkungen zum bisherigen Projekterfolg
Die Umsiedlung von Wildtieren in vom Menschen veränderte und ehemals besiedelte Lebensräume kann umstritten sein. Es wird jedoch zunehmend anerkannt, dass solche Umsiedlungen notwendig sind, um effektive Erhaltungsstrategien zu entwickeln( z. B. SMITH et al. 2023).
Otis 31( 2024)
Entsprechend dem Artenschutzprogramm Adler des Landes Brandenburg und den Empfehlungen der Internationalen Naturschutzunion( IUCN ) ( IUCN / SSC 2013) zur Bestandsstützung und Wiederansiedlung haben wir versucht, den sogenannten obligaten Kainismus in möglichst vielen Fällen zu vermeiden und viele der in der Regel früh im Horst verendenden Jungvögel in Gefangenschaft aufzuziehen und in Brandenburg auszuwildern. Zusätzlich wurden Zweitgeborene aus Lettland und Ostpolen importiert und ausgewildert.
Die Datenlage deutet darauf hin, dass das Jungvogelmanagement bereits bis 2016- vor Beginn des angestrebten deutsch - polnischen Projektes dazu beigetragen hat, den Rückgang des Schreiadlers zu stoppen: Nach einem Tiefstand von 21 Paaren im Jahr 2006 schwankte der Bestand zwischen 22 und 24 und lag 2023 bei 28 Brutpaaren. 2024 gab es 31 anwesende Paare. Damit wurde ein Ziel des Artenschutzprogramms Adler( MLUV 2005, LANGGEMACH 2022) erreicht:„ Stopp des rückläufigen Bestandstrends in Brandenburg und Stabilisierung des Schreiadlerbestandes“. Die weiteren Ziele einer Bestandszunahme, im Zuge derer Bestandslücken wieder geschlossen werden und eine Arealausweitung vor allem nach Westen und Süden erfolgt, wurden bisher nur teilweise erreicht. Langfristig soll der Schreiadler in weiten Teilen Brandenburgs wieder heimisch werden.
Die Aufzucht vom Schlupf an ist schwierig und zeitaufwendig. In den ersten Tagen sind drei Personen erforderlich, die sich bei der Fütterung abwechseln. Deshalb ist die Aufzucht und Auswilderung derzeit auf 25 Tiere begrenzt. Sehr wichtig ist die anonyme Aufzucht während der gesamten Zeit, die Adler dürfen den Menschen als Fütterer nicht kennenlernen und fehlgeprägt werden. Diese müssen sich verkleiden und z. B. eine Maske tragen, die dem Kopf des Altadlers nachempfunden ist. Auch die sogenannte„ Geschwisterprägung“ ist sehr hilfreich. Da die Adler immer in Gemeinschaft mit mehreren anderen jungen Schreiadlern aufgezogen werden, werden dadurch Fehlprägungen vermieden. Alt- und Jungadler unterscheiden sich in der Gefiederfärbung etc. nur geringfügig. Insbesondere bei den aus Lettland und Ostpolen importierten Jungadlern wurde von Kritikern prophezeit, dass sich diese Adler später im Brutgebiet der Eltern und nicht in Brandenburg ansiedeln