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Stelle nachgewiesen werden konnte. Auch andere große Greifvogelarten stehen vor dem gleichen Problem. Junge Schmutzgeier Neophron percno pterus aus dem Balkan versuchen meist vergeblich, das Mittelmeer zu überqueren( BUECHLEY 2023). Adulte Schlangenadler in Italien machen einen großen Bogen über Südfrankreich und Spa nien bis zur Meerenge von Gibraltar, um den Mittelmeerüberflug nicht zu riskieren. Die Jungvögel folgen zum Teil den Altvögeln, zum Teil fliegen sie nach Sizilien ( MELLONE et al. 2011).
Ob die Zweitgeborenen eine ähnlich hohe Überlebensrate wie die Kains haben, könnte statistisch nur durch die Telemetrie von mehreren hundert Jungvögeln belegt werden, was finanziell nicht tragbar ist. Dennoch sollten in den nächsten Jahren weitere Jungadler mit Satellitensendern markiert werden, um viele weitere Fragen zu klären, wie z. B. die Frage der Ansiedlung nach Erreichen der Geschlechtsreife. Immerhin konnte nachgewiesen werden, dass sich sowohl Vögel aus Lettland als auch aus Polen in Brandenburg ansiedeln. Allerdings ist der Nachweis bei Vögeln ohne Sender sehr schwierig. Es ist daher davon auszugehen, dass weitere Fälle unentdeckt geblieben sind.
Otis 31( 2024)
Die Kennringe sind schwer zu erkennen und mit normalen Ferngläsern nicht ablesbar. Am ehesten gelingt eine Identifizierung durch Fotografieren im Flug. Mit den heutigen großen Teleobjektiven mit Autofokus lassen sich die Kennringe bei Fotoserien von vorbeifliegenden Schreiadlern in offenem Gelände oft ablesen.
Auf diese Weise wurde ein brütendes Männchen, welches aus Polen verfrachtet worden war, an einem Brutplatz etwas nördlich der Berliner Stadtgrenze identifiziert. Es siedelte sich 2023 an, nachdem ein dort brütendes Männchen( Kennring OL) aus diesem Projekt im Sommer 2022 an einer Windkraftanlage verunglückt war. Das aus Polen stammende Männchen hatte sowohl 2023 als auch 2024 Bruterfolg. In Brandenburg wurden eine ganze Reihe älterer Projektvögel bis zu einem Alter von zehn Jahren ohne Brutnachweis anhand der Kennringe ausgemacht. Diese Identifizierung ist jedoch methodisch problematisch, sodass davon auszugehen ist, dass etliche Individuen nicht bemerkt wurden.
Ohne die Fortführung des Jungvogelmanagements wird sich der Bestand in Brandenburg wahrscheinlich nicht halten. Er hatte zu Beginn
des Projektes um 2004 nach starkem Rückgang