Heft 
(2024) 31
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Dürr, Kabus& Haupt: Bemerkenswerte Ringfunde aus Brandenburg

gen erfolgten daher nur von wenigen Beringern im Rahmen spezieller Programme, in Brandenburg insbesondere durch Dr. Claus Miera(), Andreas Kaffke& Christoph Steinhauer, Dr. Jürgen Kaatz und Tobias Dürr( z. B. MIERA 2002, KAATZ 2020). So ist es nicht verwunderlich, dass aus diesen Be­ringungen auch einige bemerkenswerte Wieder­funde hervorgegangen sind.

Von insgesamt 39.299 seit 1977 im gesamten Hiddensee - Bereich beringten Haussperlingen liegen immerhin 13.984 Wiederfunde vor- ein Hinweis auf die sehr hohe Kontrollaktivität durch die Beringer und die außerordentlich ausgeprägte Ortstreue der Vögel. 99,8% der Wiederfunde be­treffen Ortsfunde bis 10 km Entfernung( KAFFKE & KÖPPEN 2003). Von den nur 11 Nahfunden aus Entfernungen von über 10 km konnten sogar nur 3 in mehr als 50 km Entfernung wiedergefunden werden( C. Herrmann, schriftl. Mitt.). Diese stam­men alle aus den brandenburgischen Projekten.

Der hier vorgestellte, am weitesten geflogene Haussperling wurde am 28.03.2008 in Dranse( Lkr. Ostprignitz- Ruppin ) durch Jürgen Kaatz beringt und hatte sich am 16.03.2009 in Marienfelde bei Demmin ( Lkr. Vorpommern- Greifswald) in 87 km nordnordöstlicher Richtung durch einen Plastikfa­den noch lebend in einer Hecke verfangen. Neben der für einen Haussperling erstaunlichen Wieder­fundentfernung ist bemerkenswert, dass es sich um ein adultes Weibchen handelte, das zu Beginn der Brutzeit gefangen und nach fast genau einem Jahr und offenbar erfolgter Umsiedlung wiederge­funden wurde möglicherweise ein Fall von Dis­migration eines evtl. unverpaarten Individuums vor Brutbeginn? Da der mögliche Brutstatus des Vogels zum Beringungszeitpunkt unbekannt ist, kann auch über den Zeitpunkt der Abwanderung vor oder nach einer eventuellen Brut am Berin­gungsort nur spekuliert werden. Weil gerichtete Zugbewegungen mit Rückkehr an den Ursprungs­ort für den Haussperling bisher fehlen, erscheint es unwahrscheinlich, dass der Vogel aus Mecklen­ burg- Vorpommern stammte und in Brandenburg überwinterte, um kurz nach der Beringung wieder in seine Heimat zurückzufliegen.

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Die beiden nächstweitesten Fernwanderun­ gen " von Hiddensee - Vögeln betreffen zwei Herbst­fänglinge aus Wilmersdorf ( Lkr. Uckermark) bzw. erneut Dranse( Lkr. Ostprignitz- Ruppin ), die in

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der nachfolgenden Brutzeit in 82 bzw. 53 km eben­falls in nördlicher Richtung gefunden wurden. Auch sie können nicht als Zugbewegung bewertet werden.

Der weiteste Fernfund eines deutschen Haus­sperlings betrifft einen Jungvogel aus Süddeutsch­land, der im Mittwinter in Frankreich in 548 km Entfernung wiedergefunden werden konnte ( BAIRLEIN et al. 2014). Grundsätzlich ist bei Haus­sperlings- Wiederfunden in größerer Entfernung auch an die Möglichkeit von Verfrachtungen( z. B. durch Schiffe oder Lkw- Getreidetransporte) zu denken.

Alpenbirkenzeisig Acanthis cabaret Hiddensee ZK 01693, ZK 56484 und Stavanger 7H54748

Fernfunde überwinternder Alpenbirkenzeisige, die Auskunft über deren Brutgebiete geben, lagen aus Brandenburg bisher nicht vor. Nach BAIRLEIN et al.( 2014) führen Brutvögel der Alpen Verti­kalwanderungen durch, um in den Tieflagen zu überwintern. In erster Linie würde man daher die Brutgebiete der in Brandenburg auftretenden Vö­gel deshalb im Mittelgebirgsraum des südlichen Ostdeutschlands oder Tschechiens , möglicherwei­se auch entlang der deutschen oder dänischen Ost­seeküste erwarten( s. CEPÁK et al. 2008), da die Art in Brandenburg nach wie vor noch nicht regelmä­Big brütet. Bisher wurden in Brandenburg von den gefangenen Birkenzeisigen" Acanthis cabaret/ Acanthis flammea( s. Abb. 1) erst 375 als Alpen­birkenzeisige bestimmt. Nicht bezifferbar bleibt der Anteil von A. cabaret unter weiteren 1.562 nicht näher bestimmten Birkenzeisigen", die au­Berdem in Brandenburg beringt wurden- oftmals Vögel, die phänotypisch zwar als Alpenbirkenzei­sige anzusprechen wären, morphometrisch aber den größeren Taigabirkenzeisigen A. flammea näher kamen.

Den ersten Hinweis auf die Herkunft der Al­penbirkenzeisige erbrachte Jürgen Kaatz, der am 24.11.2010 ein adultes Männchen in Dranse ( Lkr. Ostprignitz- Ruppin ) kontrollierte, das am 21.10.2007, 1.130 Tage zuvor, in Revtangen( Re­gion Rogaland ) in Südwest- Norwegen, 760 km nordwestlich des Fundortes, als diesjährig beringt worden war. Am 13.02.2023 konnte Tobias Dürr