Gerhard W. Lauth& Peter F. Schlottke
Dieser Vorgabe entsprechend sehen wir die Förderung von lernbehinderten Kindern als entwicklungsrelevant an,
1. wenn den Kindern eine allgemeine Handlungsstruktur(in Form der 0.g. Problemlösestrategie) vermittelt wird, an der sie ihr Handeln auch bei nicht vertrauten Anforderungen ausrichten können.
2. wenn die Kinder Steuerungs- und Kontrollprozesse erwerben, die es ihnen ermöglichen, organisiert zu handeln und den jeweiligen Stand im Handlungsverlauf zu erfassen. Dies wird durch die Anregung metakognitiver Aktivitäten angestrebt.
3. wenn den Kindern der affektive Umgang mit Handlungsschwierigkeiten durch eine alternative affektive Regulation erleichtert wird, die mit positiven Attributionsmuster bezüglich der eigenen Verhaltensvariabilität in kritischen Situationen verknüpft ist. („Ich komme damit im Moment zwar nicht zurecht, aber ich lasse mich nicht nervös mache. Ich beginne nochmals von vorn.‘“‘)
Im Modell der Abbildung 1 sind diese Elemente als Selbstinstruktionen abgebildet.
4. wenn die Kinder dazu angehalten werden, ihr bereichsspezifisches Wissen für ein anstehendes Problem abzurufen und auf Nützlichkeit für die anstehende Handlung zu überprüfen.
5. wenn die Kinder innerhalb eines Trainingsbausteins die Gelegenheit haben, diese einzelnen Momente an unterschiedlichen Materialien einzuüben. Unterschiedlichkeit definiert sich dabei über die Anforderungscharakteristik der Aufgaben hinsichtlich erforderlicher Basisfertigkeiten, unterstützender Rückgriffe auf deklaratives Wissen, strategischer Grundmuster der Handlungsregulation etc.
Notwendig ist also die Implementierung ganzer Hanldungsprogramme. Der Erfolg ist um so wahrscheinlicher, je mehr es gelingt, solche Förderungsideen im sozialen Alltag der Kinder zu verwirklichen und so ihre unmittelbare Umwelterfahrung und-verarbeitung umzustrukturieren. Konsequenterweise sollte bei
154
Unterstützung von Förderungsmaßnahmen durch Mediatoren
’ Problemdistanzierung 2 Reaktionsverzögerung BewältigungsBAOSanLZUENSE. tierte Tief durchatmen- langsam-zuerst or en keine Panik genau nachdenken Selbstaussage Wa Das ist zwar ein schweres Problem, aber ich werde das schon hinkriegen Problemsituation 3/Problembe- MErste Zielexplikation 5 Problemannäherung 7 Erzeugung von bzw. Aufgabe stimmung Als Antwort auf die Wie könnte ich jetzt Lösungswegen_ was ist hier Problembestimmung vorgehen, was wäre Vorausplanung, das Problem"Ja ich weiß, ich will ein guter Plan Strategieabworum geht leitung es hier a Deklaratives Wissen Deklaratives Habe ich schon einmal Wissen ähnliche Probleme ge- Welche Aufgabe löst? Was war dabei ähneln der vorwichtig? liegenden, wie bin ich damals vorgegangen? Allgemeine Orientierung Problemdefinition Generierung von
Abb. 1: Die Umsetzung des integrierten Vermittlungsmodells in Form von Selbstinstruktionen
(aus Lauth 1987, S. 278)
der Förderung Lernbehinderter im institutionellen wie im nicht-institutionellen Rahmen weniger die Einübung von Detailfertigkeiten im Mittelpunkt stehen, die— wenn überhaupt— nur eine sehr begrenzte Handlungssicherheit vermitteln. Statt dessen sollte sich der Lehrer primär als Förderer von weiterreichenden Entwicklungen verstehen, was notwendigerweise die Vermittlung von Strategien, den regelhaften Umgang mit anstehenden Problemen sowie die Reflexion dieser Tätigkeiten beinhaltet. Weiter wären Eltern anzuleiten, ihren Kindern in möglichst vielfältigen Handlungsbereichen des Alltags Problemlösefertigkeiten und daraus resultierend Handlungsstrategien nahezubringen.
In einer Auswahl wollen wir daher im folgenden Entwicklungstendenzen bei der Auswahl von Mediatoren vorstellen, die empirisch gestützt sind.
Über welches Bedingungs- und Änderungswissen sollte der Mediator verfügen?
Formen/Arten der Wissensvermittlung
Die Förderung durch angeleitete Mediatoren ist prinzipiell an sehr verschiedenen Orten(Schule, Elternhaus, Spiel
platz), durch unterschiedliche Personen (Lehrer, Eltern, Erzieher, Gleichaltrige) sowie mit Hilfe verschiedener Methoden (z.B. Modelldemonstration, Einsatz spezifischer Hilfen, Instruktionen) möglich. Dieser Aspekt der Vermittlung ist jedoch vergleichsweise technischer Art— zentraler für die Arbeit der Mediatoren ist ihr prinzipielles Verständnis von Lernbehinderung/Retardierung. Alle Erfahrung lehrt, daß Eltern, aber auch Lehrer, kaum ein prozeßorientiertes Verständnis darüber entwickeln. Werden bestimmte Leistungen nicht erbracht, so nehmen sie dies als ein wesentliches Indiz dafür, daß Lernbehinderung vorliegt (siehe hierzu beispielsweise die Kriterien für das Überweisungsverfahren zur Sonderschule). Für eine chancenreiche Förderung ist es unseres Erachtens allerdings unabdingbar, daß die Mediatoren das erläuterte Verständnis von Lernbehinderung teilen.
In unserer eigenen Arbeit mit Mediatoren stellen wir verschiedene Möglichkeiten bereit, diese handlungs- und kognitionstheoretische Perspektive zu vermitteln:
— Informationsvermittlung über Vortrag und dessen Diskusison, wobei insbesondere exemplarische Beispiele zu Besonderheiten des Lernens, Denkens und Problemlösens Lernbehinderter vorgestellt werden(z.B. Nut
HEILPÄDAGOGISCHE FORSCHUNG Band XIV, Heft 3, 1988