Gerhard W. Lauth& Peter F. Schlottke+
d) explizit Selbstanweisung als Möglichkeit der Handlungsregulation demonstriert wird.
Im Verlaufe einer weiterführenden und intensivierenden Förderung können die Kinder lernen, diese Selbstinstruktionen sukzessive zu übernehmen und in ihr Handeln zu integrieren(Selbstinstruktionstraining sensu Meichenbaum& Goodman 1971).
Zusammen mit der Einbeziehung zunehmend divergenter Anforderungen in den Übungsplan kann ein komplexes Trainingsprogramm entwickelt werden (Lauth 1983a). Am Beispiel von zwei Mediatorenprogrammen wurde dieses Vorgehen von uns erprobt.
Klassenunterricht
11jährige lernbehinderter Sonderschüler (mittlerer Intelligenz-Score: IQ= 85.2; vgl. Garten& Lauth 1982) wurden in Gruppen unterrichtet. Zwei erfahrene Sonderpädagogen arbeiteten mit je einer Gruppe entweder anhand„entdeckenden Lernens‘ oder mit der Methode des „kognitiven Modellieren“‘.
Wie im Lehrplan vorgesehen, wurden die Kinder in den Grundbegriffen der Symmetrie unterrichtet. Begleitend wurden sie auch zum Gebrauch allgemeiner Problemlösefertigkeiten angeleitet. Dabei demonstrierte der Lehrer als„kognitives Modell‘ zunächst die angemessene Bewältigung der jeweiligen Aufgabe. Die Schüler sollten über insgesamt fünf Zwischenschritte die Vorgehensweise des Modells übernehmen. Das Ziel war, daß sie allmählich in die Modelldemonstration„hineinwachsen‘‘ sollten. Diese schrittweise gelenkte Übernahme der Kompetenzen schien für den Unterricht durchaus geeignet und angemessen. Die Sstufigen Arbeitsschritte sind so charakterisiert:
Auf der ersten Stufe demonstriert der Lehrer als kognitives Modell die angemessene Bewältigung der Aufgabe.
Auf der zweiten Stufe vollziehen die Schüler die Modelldemonstration an ähnlichen Problemen nach und verbalisieren
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den Lösungsweg. Sie bearbeiten die Aufgaben in der Gruppe nacheinander.
Auf der dritten Stufe gibt der Lehrer nur noch die Struktur des Vorgehens in Form von Leitfragen vor. Das konkrete Vorgehen auf der Grundlage dieser Struktur bleibt den Kindern überlassen (z.B. Lehrer: Was soll ich tun? Was ist meine Aufgabe?—_Problembestimmung).
Auf der vierten Stufe strukturiert der Schüler sein Vorgehen bereits selbst. Der Lehrer interveniert nur noch, wenn die Schüler im Lösungsprozeß nicht weiter kommen oder ihnen Fehler unterlaufen.
Auf der fünften Stufe sollen die Schüler unbekannte Probleme allein bewältigen und dabei die bisherigen Problemlöseschritte anwenden.
Im Ergebnis machten die Schüler beim entdeckenden Lernen und mit dem kognitiven Modellieren etwa die gleichen Fortschritte beim Erwerb von Symmetriekenntnissen. Am Ende der Interventionsphase konnten die Schüler, die über kognitives Modellieren angeleitet worden waren, Probleme besser lösen als die Vergleichsgruppe. Dieses Ergebnis besagt zunächst, daß ein Lehrer, der Unterrichtsinhalte über kognitives Modellieren vermittelt, bezüglich umschriebener Inhalte(hier: Symmetrie) zu ähnlichen Unterrichtserfolgen kommt wie ein Kollege, der nach erprobten Unterrichtskonzepten vorgeht. Kognitives Modellieren hat aber darüber hinaus den Vorteil, daß diese Schüler auch allgemeine Problemlösefertigkeiten erwerben und dabei— im weitesten Sinne— „denken“ lernen. Weitergehende Analysen des Unterrichtsverhaltens zeigen zudem, daß diese Kinder ihr sonstiges Handeln stärker am Problemlöseverfahren ausrichten, während die Schüler der Gruppe„entdeckendes Lernen“ eher ein zufälliges, oft rateähnliches Verhalten zeigten(Garten& Lauth 1983). Dies bestätigt die Vermutung, daß beim kognitiven Modellieren eine Struktur vermittelt wird, die es offensichtlich erleichtert, sich neue Erfahrungen zu erschließen und sie systematisch bei weiteren Anforderungen zu nutzen.
Unterstützung von Förderungsmaßnahmen durch Mediatoren
Elterntraining
In einer erweiterten Einzelfallintervention mit den Müttern und dem Klassenlehrer von vier Kindern mit Schulschwierigkeiten(2. Klasse Normalschule) haben Aussum& Hippe(1984) einer Elterngruppe die folgenden Kenntnisse vermittelt: Struktur von Problemlöseprozessen, Wirksamkeit sozialer Verstärkung, Einsatz von Hilfsmitteln mit dem Ziel der Veranschaulichung, Kenntnisse zum Modellieren, Arbeitsplatzgestaltung beim Erledigen von Schulaufgaben. Die Eltern wurden über einen Modellfilm, über Rollenspiele sowie anhand von Diskussionen und verbaler Anleitung instruiert. Nach vier etwa zweistündigen Vermittlungskontakten erprobten die Eltern diese neu erworbenen Fertigkeiten daraufhin nach eigenem Gutdünken über sechs Wochen in verschiedenen Situationen(z.B. bei der Hausaufgabenbetreuung, beim Spielen). Bereits diese kurze Intervention, die die Eltern dazu anleitete, ein„kognitives Modell‘ zu sein, bewirkte bei den Kindern relativ weitreichende Verhaltensänderungen:
— Sie verbesserten ihr Aufmerksamkeitsverhalten(gemessen im Bonner Aufmerksamkeitstest— Wagner, im Druck);
— sie erreichten einen Zuwachs von 20 IQ-Punkten in einem Intelligenzprüfverfahren;
— sie steigerten ihre Schulleistungen (gemessen im allgemeinen Schulleistungstest für 2. Klassen) um 25 Prozentränge und
— sie näherten sich in diesen Variablen den unproblematischen Kindern ihrer Klasse an, die als Kontrollgruppe dienten.
Dieses ermutigende Resultat unterstreicht die Bedeutsamkeit des Mediatorenkonzepts und dabei wiederum den Stellenwert des kognitiven Modellierens. Ein Replikationsversuch dieser Studie hat die positiven Ergebnisse jedoch nicht so umfassend bestätigt(Morsbach& Schwarz-Zauzig 1986). Die Autoren verglichen die Wirkung der direkten Arbeit bei 11 lernschwierigen Kindern mit einer Gruppe von ebenfalls 11 Kindern,
HEILPÄDAGOGISCHE FORSCHUNG Band XIV, Heft 3, 1988
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