Gerhard W. Lauth& Peter F. Schlottke- Unterstützung von Förderungsmaßnahmen durch Mediatoren
die sowohl eine direkte Intervention als auch ein Mediatorentraining durch die Eltern erhielten. Die Kinder wiesen schwere schulische Defizite, hyperaktives Verhalten und„Unselbständigkeit“ auf. Sie waren zwischen 7 und 9 Jahren alt.
Das Mediatorentraining war ähnlich konzipiert, wie bei Aussum& Hippe(1984). Sämtliche Kinder erreichten dabei sehr weitreichende Fortschritte(z.B. in Intelligenztestmaßen, schulischem Lernen, Verminderung von Lernschwierigkeiten, Veränderungswahrnehmung des Klassenlehrers, Kenntniserwerb in objektiven Schulleistungstests).
Die Kinder, deren Eltern am Mediatorentraining beteiligt waren, unterschieden sich jedoch nicht systematisch von Kindern, die nur direkt trainiert worden waren. Allerdings zeigt sich, daß Kinder von Eltern, die die vermittelten Prinzipien des kognitiven Modellierens häufiger im Alltag beachteten(z.B. bei Rechenaufgaben, Puzzle, Bauen mit Technikkasten, Fahrradreparatur, Hausarbeit) auch die deutlichsten Fortschritte erreichten. Erfreulich ist dabei insbesondere, daß die Eltern eine Vielzahl von Alltagssituationen nutzten, den Kindern die demonstrierten metakognitiven Strategien zu vermitteln. Unzureichend in diesem Programm ist jedoch offensichtlich, daß die Eltern diese Prinzipien noch nicht häufig genug einsetzten. Sie vertrauten wohl eher darauf, daß dies bei der direkten Arbeit mit den Kindern bereits ausreichend verwirklicht wird. Im Elterntraining von Aussum& Hippe haben die Eltern offensichtlich die Notwendigkeit der größeren Eigenaktivität stärker gesehen, da hier kein komplementäres Training mit den Kindern selbst stattfand. Insoweit scheint neben motivationalen Aspekten auch eine klare Vereinbarung von Aufgaben für die Eltern von substantieller Bedeutung für den Erfolg solcher Programme zu sein.
Der Mediator als Instruktor Hasselhorn& Körkel(1983) haben 48
Kindern einer 6. Klasse/Hauptschule in Kleingruppen Strategie- und Aufgaben
wissen über Lernprozesse(Wissenskompetenz) sowie die zieladaptive reflexive Nutzung dieses Wissens(operative Kompetenz) vermittelt. Das Programm knüpft an einer Defizitdiagnose der Textverarbeitungskompetenzen von lernschwachen Schülern an und verläuft in drei Phasen:
a) Das systemtische Einüben grundlegender Fertigkeiten, die das Verstehen und das Behalten von Textinformationen verbessern. Mit den Kindern wird über die schrittweise verbale Selbstinstruktion das Antizipieren möglicher Textinhalte anhand von Überschriften, das wiederholte Überprüfen des eigenen Textverständnisses, das systematische Entwickeln von Schlußfolgerungen zum Lesetext, das Unterstreichen wichtiger Sätze sowie das Anfertigen zusammenfassender Notizen eingeübt. Zusätzlich lernen die Kinder in diesem Trainingsabschnitt die Nützlichkeit und die Verallgemeinerbarkeit der eingeübten Fertigkeiten unter variierenden Aufgabenstellungen zu durchschauen. Sie sollen so eine allgemeine metamemoriale Strategie entwickeln.
b) Der Aufbau eines reflexiven und problemlöseorientierten Verhaltens zum Umgang mit Schwierigkeiten im Textverständnis: In dieser Phase wurden Texte mit besonderen Schwierigkeiten verwendet. Probleme dieser Art waren durch logische Widersprüche, inhaltliche Sprünge oder unbekannte Wörter operationalisiert. Zum effektiveren Umgang mit derartigen Texthindernissen wird den Kindern eine Selbstbefragungstechnik vermittelt, mit deren Hilfe folgende 4 Problemlöseschritte initiiert werden: Bestimmung und Lokalisation des auftretenden Problems, Sammeln möglicher Lösungswege zur Behebung des Problems, Entscheidung für eine der Lösungsmöglichkeiten und konkrete Umsetzung dieser Entscheidung sowie schließlich die Beurteilung der Lösungsqualität(„Ist meine Lösung zufriedenstellend?‘‘)
c) Das Vermitteln einer verallgemeinerbaren problemlöseorientierten Heuri
HEILPÄDAGOGISCHE FORSCHUNG Band XIV, Heft 3, 1988
stik als Leitfaden für ein planvolles und selbstgesteuertes Textlernen: In dieser letzten Phase wird den Kindern ein Arbeitsblatt mit der graphischen Darstellung eines Modells zum reflexiven und selbststeuernden Textverarbeiten ausgehändigt, das die in den ersten beiden Phasen des Trainings vermittelten Fertigkeiten systematisch aufeinander bezieht. Anhand unterschiedlicher Texte und unter Vorgabe verschiedener Lernziele wird die Nutzung dieser Heuristik mit den Kindern eingeübt und deren Funktion für weite Bereiche des schulischen Textlernens aufgezeigt.
Das Training beanspruchte 5 Sitzungen von ca. 1 1/2 Stunden Dauer. Eine Kontrollgruppe erhielt unter den gleichen Rahmenbedingungen ein traditionelles Lesetraining. Dabei wurden herkömmliche Leseübungen eingesetzt(z.B. das deutliche, betonte Lesen von Texten, die Bestimmung grammatikalischer Bestandteile sowie die ausführliche Diskussion der Inhalte). Es zeigte sich zunächst, daß beide Trainingsvarianten zu bedeutsamen Steigerungen der Verstehens- und Behaltensleistungen führten. Das spezifische Training erwies sich jedoch im Vergleich zu Veränderungen in der Kontrollgruppe als wirkungsvoller und verbesserte u.a. die Behaltensleistung ganz markant(Steigerung um 83%) sowie die Verstehensleistung(71%) beim Lesen von Texten. Darüber hinaus veränderte die Intervention die kognitive Struktur der so trainierten Kinder(Hasselhorn& Körkel 1986). Sie erschlossen sich die Texte künftig qualitativ anders.
Dieses Anwendungsbeispiel zeigt im Grunde nur, daß für die kognitive Entwicklung der Kinder die Vermittlung strategisch-metakognitiven Verhaltens wesentlich ist. Ein Lehrer, der solche Erkenntnisse umsetzt, muß also weder eine neue Rolle einnehmen, noch muß er gesonderte Fertigkeiten erlernen. Es wäre lediglich wesentlich, diese Aspekte der vermittelten Lerninhalte herauszuarbeiten und an zunehmend divergenten Anforderungen für eine flexible Nutzung einzuüben. Genau dies aber ist nach aller Erfahrung nicht die Regel.
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