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Heilpädagogische Forschung : Zeitschrift für Pädagogik und Psychologie bei Behinderungen
Seite
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Nivardo Ischi& Meinrad Perrez ­

BEHANDELTE VERHALTENSWEISEN

H

PRAE

I

Kontrollperiode

PRAE

UNBEHANDELTE VERHALTENSWEISEN

Interventionsperiode: PRAE II ­

POST

Abb. 2: Operationalisierung der Annahme einer Symptomverschiebung: p(B|A).

Wenn nach der Intervention eine Fort­setzung der Zunahme der Auftretenshäu­figkeit einer unbehandelten Verhaltens­kategorie beobachtet wird(Feld C), dann kann nicht ohne weiteres angenommen werden, daß eine Symptomverschiebung vorliegt, wenn dieser Trend schon vor der Intervention nachweisbar ist.

Methode

Zur Erfassung der tatsächlichen Schüler­Verhaltensweisen in der Schulklasse ist bei 9 der 40 Schüler eine differenzierte Beobachtungsstudie durchgeführt wor­den. Bei allen Schülern wurde eine zu­sätzliche Evaluation über Lehrerbefra­gung und Lehrerbeobachtung durchge­führt.

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Versuchsplan und Datensatz: Im Feld Schulklasse* wurden unter natürlichen Schulbedingungen eine Reihe von thera­peutischen Interventionen realisiert. Es handelt sich insgesamt um 9 Einzelfall­studien, bei denen ein Prä-Post-Untersu­chungsplan mit multiplen Grundkurven über verschiedene Verhaltensweisen ange­wendet wurde(vgl. Kratochwill, 1978). Um die Stabilität der Variablen bzw. de­ren natürliche Variation zu prüfen, wur­den bei der Hälfte der Fälle vor der In­tervention 2 Prae-Messungen erhoben. Pro Zielkind sind 3 einwöchige Beobach­tungsphasen erhoben worden mit jeweils etwa 1 Stunde Videoaufzeichnung pro Tag(vgl. Abb. 3). Pro Beobachtungs­phase ergeben diese Stichprobenmodali­täten zwischen 2500 und 3000 auswert­baren Beoachtungseinheiten(= 5 Sekun­deneinheiten).

Verhaltenstherapeutische Intervention in der Schulklasse durch Mediatoren

Die Versuchspersonen: Die Schüler wie­sen vor allem im Bereich des Sozialver­haltens und des Leistungsverhaltens mas­sive Störungen auf. In den meisten Fäl­len war bereits eine Anmeldung zum Schulpsychologischen Dienst vorgesehen.

Liste der beobachteten Schülerverhaltensweisen

VariableZielkind...

01...stößt, schlägt, hält Mitschüler auf*; 02... nimmt Gegenstand weg; 03...spielt mit Gegenstand oder Körper;

04...schwatzt mit Mitschülern oder vor sich hin;

05... sitzt nicht am Platz, wenn gefordert;

06...hört nicht Lehrer zu, wenn gefor­dert;

07...schreibt nicht, wenn gefordert;

08... operiert nicht, wenn gefordert;

09...streckt aus eigener Initiative auf

10...streckt nicht auf oder antwortet nicht auf Lehrer-Frage;

11...willigt nicht auf Lehrer-Anweisung ein;

12... schaukelt;

13...schreit laut(Lehrer oder Mitschüler

an); 14... singt vor sich hin; 15... spricht vor sich hin;

16... liest nicht, wenn gefordert;

17... singt nicht, wenn gefordert; 18... springt, hüpft, kriecht, liegt; 19... wirft Gegenstand;

20...schaut ins Leere, träumt;

21... berührt Mitschüler*;

22... spricht dazwischen;

23... schaut Mitschüler zu;

24... schneidet Grimassen.

Für alle genannten Verhaltensklassen, außer für Variable 09, war ihre exzessive Auftretenswahrscheinlichkeit(bei Va­riable 09 die geringe Auftretenswahr­scheinlichkeit) eine notwendige Bedin­gung, um als gestört bzw. als störend ein­gestuft werden zu können. Darüber ent­schied in jedem einzelnen Fall ein Rating einer Lehrergruppe und der Experten­gruppe auf der Grundlage der beobachte­ten Häufigkeiten in einer Vorbeobach­tung(siehe Büchel& Perrez 1980).

Das Beobachtungsverfahren: In Anbe­tracht der großen Komplexität der zu erhebenden Daten und der Notwendig­keit,(1.) die Arbeitsbedingungen der Beobachter zu optimieren,(2.) die Zu­gänglichkeit zum Untersuchungsgegen­stand zu verbessern und(3.) die Reak­

HEILPÄDAGOGISCHE FORSCHUNG Band XIV, Heft 3, 1988