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Heilpädagogische Forschung : Zeitschrift für Pädagogik und Psychologie bei Behinderungen
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Herbert Goetze& Uta Gatzemeyer+ Verhaltensgestörtenpädagogik im Spiegel der Fachzeitschriftenliteratur

ten haben. Geschichtsthemen sowie Überblicks- und interdisziplinäre Ar­tikel müßten ebenfalls vermehrt vor­handen sein.

Betrachtet man die Zielvorgaben aller Zeitschriften übergreifend, läßt sich nicht ableiten, daß bestimmte Gegenstände der Verhaltensgestörtenpädagogik von pri­märem Interesse sind; vielmehr steht zu erwarten, daß die Themen gleichmäßig vertreten sein müßten.

Gruppierung der vorgefundenen Themen in ein Kategoriensystem

Unsere Inhaltsanalyse zielt auf einen dif­ferenzierten Vergleich von Arbeiten zur Verhaltensgestörtenpädagogik ab. Des­halb muß ihre inhaltliche Gruppierung nach übergeordneten Leitgesichtspunk­ten erfolgen, womit das Problem der Bildung eines Kategoriensystems aufge­worfen ist. Die Grundfrage lautet dabei: Wie muß ein Ordnungssystem beschaf­fen sein, ın dem Fachthemen der Verhal­tensgestörtenpädagogik eindeutig loka­lisierbar sind?

Zur Bildung eines solchen Kategoriensy­stems kann auf ein weithin akzeptiertes Modell der Gliederung des Fachgebietes nicht zurückgegriffen werden. Wenn man etwa die Gliederungen einführender Werke sowie des Handbuches zur Ver­haltensgestörtenpädagogik miteinander vergleicht, wird man ebenso sachgerech­te wie unterschiedliche Lösungen fin­den. Für uns kann eine angemessene Lösung deshalb nur über eine heuristi­sche Sichtung des gesamten Aufsatzbe­standes, in welchem Themen der Verhal­tensgestörtenpädagogik direkt bzw. in­direkt, eher beiläufig, angesprochen wer­den, führen. Probleme der inneren Vali­dität müssen damit vorerst ausgespart bleiben. Wenn man also das Material einer heuristischen Bearbeitung zuführt, wird man zu einem System finden, das zwar die eigene und damit subjektive Annäherung von uns Untersuchern wi­derspiegelt, aber doch dem Gebot der Widerspruchsfreiheit, logischen Bündig­keit, Überschneidungsfreiheit und der

empirisch auffindbaren Belegung der verwendeten Kategorien folgt. Unsere entsprechende Analyse ließ ein System von neunzehn überschneidungsfreien Hauptkategorien entstehen, von denen manche(s.u.) weiter unterteilt werden mußten, um die thematische Differen­ziertheit angemessen aufzuzeigen. Diese Kategorien spiegeln also das reine Vor­kommen, nicht Bedeutsamkeit oder fach­liches Gewicht der veröffentlichten Ar­beiten wider. Sie waren in folgender Weise bezeichnet:

1. Sonderpädagogik vergleichend(Arti­kel über Stand, Entwicklung und Pro­bleme der Sonderpädagogik in Ver­bindung mit der Verhaltensgestörten­pädagogik in anderen Staaten)

2. Überblicksartikel(Überblick über die Verhaltensgestörtenpädagogik, Ver­haltensstörungen sowie Forschungs­methoden; z.B.: Definition von Ver­haltensstörung)

3. Verbreitung(Häufigkeit des Auftre­tens von Verhaltensstörungen und Sonderbeschulung von Verhaltensge­störten)

4. Verhaltensstörungen und Verhaltens­gestörtenpädagogik im Kontext a) mit der Allgemeinen Erziehungs­wissenschaft,

b) mit Heil-, Sonder- und Sozialpäd­agogik(Stellung der Verhaltensge­störtenpädagogik innerhalb der Heil-, Sonder- und Sozialpädagogik und sich ergebende Überschneidungen)

c) mit anderen Behinderungskatego­rien

5. Institutionen(Institutionen und Orga­nisationen, in denen Verhaltensge­störtenpädagogik stattfindet); Schule für Verhaltensgestörte und Heim bil­den eigenständige Unterkategorien

6. Pädagogisches Personal(z.B. Son­derschullehrer, Sozialpädagogen, Heimerzieher und Erzieher sowie de­ren Ausbildung)

7. Strafvollzug(Delinquenz, Resoziali­sierung, Auswirkungen des Strafrechts auf die Pädagogik)

8. Geschichtliche Aspekte

9. Re-Integration(Rückschulung und Rückschulungsauftrag)

10.Berufliche Aspekte(z.B. Berufsori­

HEILPÄDAGOGISCHE FORSCHUNG Band XVIIL, Heft 1, 1992

entierung,-wahl,-vorbereitung und ­wirklichkeit)

11.Zielgruppenprobleme(Unterkate­gorien: Autismus<mit besonderer Unterkategorie Haltetherapie>, Ag­gression, Angst, Depression, Suizid, psychosozialer Minderwuchs, MCD <mit Hyperaktivität und frühkindli­cher Hirnschädigung> und Substanz­mißbrauch<Drogen, Alkohol>; Hin­weis: Artikel, die eine, speziell auf die Zielgruppe zugeschnittene Inter­vention beschreiben, sind hier und nicht in der Kategorie Interventionen zu finden)

12. Ätiologie(Entstehungsgeschichte von Verhaltensstörungen; Ursachenfor­schung)

13.Diagnostik(Unterkategorie: Förder­diagnostik)

14. Prävention(Frühförderung,-erken­nung und-behandlung)

15.Interventionen(Unterkategorien: Therapie, Beratung, Elternarbeit, Ver­haltensmodifikation, kognitive Ver­haltensmodifikation)

16. Unterrichtliche Aspekte(enthält z.B.: spezielle Unterrichtsmaterialien, Un­terrichtsmethoden,-verfahren und -fächer; Unterkategorien: Sport, Com­puter)

17. Elternrecht(Beiträge, die das Eltern­recht bezogen auf Sonderschulüber­weisung und-überprüfungsverfahren behandeln)

18. Mehrfachbehinderung(Artikel, die Verhaltensstörungen oderabweichen­des Verhalten als Zusatzbehinderung behandeln; Verhaltensstörungen tre­ten hier als Zusatzbehinderung bei Lernbehinderten, Geistigbehinderten, Sprachbehinderten und Körperbehin­derten auf.)

19.Integration(im Kindergarten, in Vor­und Allgemeinen Schulen; soziokul­turelle Integration; Unterricht in Inte­grationsklassen und Einstellung von Lehrern zur Integration; Integrations­fähigkeit; Grenzen von Integration; Unterkategorie: Integration verglei­chend, mit Beiträgen zum Stand der Integration in anderen Staaten)

Als besondere Zuordnungsregel von The­

men in das Kategoriensystem gilt: Wenn

ein Artikel mehreren Kategorien zu­

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