Zeitschrift 
Heilpädagogische Forschung : Zeitschrift für Pädagogik und Psychologie bei Behinderungen
Seite
17
Einzelbild herunterladen

Herbert Goetze& Uta Gatzemeyer+ Verhaltensgestörtenpädagogik im Spiegel der Fachzeitschriftenliteratur

liche Gleichgewichtung methodischen Vorgehens gewertet werden. Allerdings steht diese Zahl in einem gewissen Wi­derspruch zu dem früher formulierten Anspruch, daß empirische Arbeiten we­gen der notwendigen wissenschaftlichen Kontrollen ein besonderes Gewicht er­halten sollten.

Wie sich der Publikationstrend in Ver­haltensgestörtenpädagogik über das ver­gangene Jahrzehnt zeitlich verteilt, geht aus Abbildung 1 hervor.

Die Beschäftigung mit Fragen der Ver­haltensgestörtenpädagogik ist in den Fachzeitschriften über die untersuchten zehn Jahre hinweg keineswegs gleich verteilt. Eine inferenzstatistische Prü­fung auf Gleichverteilung ergibt signifi­kante Unterschiede zwischen den Jahres­abschnitten(Chi-Quadrat= 20,11; df= 9; p<.02). Darüberhinaus scheint es auch einen abnehmenden Zahlentrend von 1981 bis 1990 zu geben. Der Anteil em­pirischer Arbeiten unterliegt vergleichs­weise geringeren Jahresschwankungen, Unterschiede sind statistisch nicht abzu­sichern(Chi-Quadrat= 12,5; n.s.). Korrelativ ergeben sich keine Zusam­menhänge zwischen Publikationshäufig­keit einerseits und dem Anteil empiri­scher Arbeiten andererseits(r=.08). Ins­gesamt zeichnet sich für die Fachrich­tung der nicht wünschbare Trend einer geringer werdenden Publikationshäufig­keit ab. Der Anteil empirischer Arbeiten verblieb dabei vergleichsweise stabil, also je nach Lesart gleich hoch bzw. nied­

rig.

Quantitative Verteilung der Arbeiten zur Verhaltensgestörten­pädagogik über Inhaltskategorien

Wie aus Tabelle 2 ersichtlich ist, sind die Kategorien insgesamt unterschiedlich stark besetzt. Themen zu den Kategorien Interventionen, Integration, Zielgruppen­probleme und institutionelle Aspekte sind mit 10,6% bis 15,9% quantitativ überre­präsentiert. Im quantitativen Mittelfeld sind unterrichtlich relevante Inhalte und Mehrfachbehinderungen lokalisiert, wäh­rend alle anderen Kategorien(darunter

1981

1982

1983 1984

1985

1986 1987 1988 1989 1990

Abb 1: Zeitschriftenveröffentlichungen in Verhaltensgestörtenpädagogik von 1981 bis 1990

z.B. Berufsbildung, Re-Integration, Dia­gnostik) seltener auftauchen. Am unte­ren Ende der Häufigkeitsrangskala sind Berufsaspekte Verhaltensgestörter mit nur zwei, das Thema Re-Integration mit nur vier Arbeiten vertreten. Die geringen Frequenzen gerade hier sind deshalb un­erwartet, weil es sich um zentrale Anlie­gen der schulischen Förderung Verhal­tensgestörter handelt. Denn einerseits ist das erklärte Ziel der Schule für Verhal­tensgestörte als Durchgangsschule die Rückschulung in die allgemeine Schule. Andererseits mündet jede Schullaufbahn in eine berufliche Vorbereitung; die Be­rufsvorbereitung von Schülern mit Ver­haltensstörungen stellt eine besonders kritische Phase dar, die keinesfalls in der Fachdiskussion vernachlässigt werden sollte.

Daß Interventions- und Zielgruppen­aspekte am oberen Ende zu finden sind, scheint durch den Bedarf an Informatio­nen von Schulpraktikern gerade dieser Bereiche gut erklärbar. Zunehmend wer­dentherapieorientierte Techniken für die schulische Umsetzung vorgeschlagen. Besonders gravierende Verhaltensstörun­gen wie Autismus oder Hyperaktivität

HEILPÄDAGOGISCHE FORSCHUNG Band XVIII, Heft 1, 1992

Tab. 2: Gesamtrangfolge aller Kategorien

Rang Kategorien Anzahl% von (n) Gesamt 1 Interventionen 45 15,9 2 Integration 44 15,6 3 Zielgruppen 39 13,8 4 Institutionen 30 10,6 5 unterrichtliche Aspekte 18 6,3 6 Mehrfachbe­hinderungen 6,1 7 Prävention 13 4,6 8 pädagogisches Personal 11 3,9 9 Strafvollzug 10 35 10 VS und VGpäd im Kontext... 9 3,2 11 Ätiologie 8 2,8 12 Sonderpädagogik 7 2,5 14 Überblicksartikel 6 2.1 14 Diagnostik 6 2,1

VHN= Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete; ZfH= Zeitschrift fürHeilpädagogik; Heilpäd.Forschg.= Heilpädago­gische Forschung; BHP= Behindertenpädagogik; VS= Verhaltensstörung; VGpäd= Verhaltensge­störtenpädagogik

17