Herbert Goetze& Uta Gatzemeyer+ Verhaltensgestörtenpädagogik im Spiegel der Fachzeitschriftenliteratur
tegorien Schule für Verhaltensgestörte, Heim, Prävention, Strafvollzug, Diagnostik, Re-Integration sind bei der Heilpädagogischen Forschung nicht vertreten. Dem Anspruch, ein Sammelpunkt auch für die Unterrichtsarbeit und für geschichtliche Aspekte zu sein, wird für die Verhaltensgestörtenpädagogik eindeutig nicht genügt, da die letztgenannte Kategorie nur einmal, Unterricht 1.e.S. gar nicht veröffentlichungsbezogen vertreten ist. Dagegen sind interdisziplinäre Zielrichtungen vergleichsweise stärker vorhanden.
In der Zeitschrift für Heilpädagogik werden ebenfalls am häufigsten /nterventionen mit 19.6% Auftretenshäufigkeit behandelt. Mit 14,4% folgt das Thema unterrichtliche Aspekte an zweiter Stelle. Geschichtliche und berufliche Aspekte sind mit nur je einer Arbeit extrem unterrepräsentiert. Die Zeitschrift für Heilpädagogik deckt als einzige Fachzeitschrift sämtliche Kategorien ab(vgl. Tab. 3), was durch ihre monatliche Erscheinungsweise und damit ihr starkes quantitatives Gewicht zu erklären ist. Der Überhang an Interventions- und Unterrichtsartikeln in der Zeitschrift für Heilpädagogik ist im Sinne eines“die Lesererwartungen erfüllenden Angebotes” in Richtung auf mehr Konsumentenorientierung als erwartungsgemäß zu interpretieren und kommt vermutlich auch der Forderung nach mehr Praxisnähe entgegen.
Denersten Rang bei der Behindertenpädagogik nimmt die Kategorie Zielgruppen (27.1%) ein, gefolgt von Integration. Diese beiden Kategorien zusammen enthalten mehr als die Hälfte(50.8%) aller Beiträge der Behindertenpädagogik zur Verhaltensgestörtenpädagogik. Überhaupt nicht vertreten sind Artikel zur Schule für Verhaltensgestörte und zum Heim als maßgeblichen /nstitutionen, sowie Prävention, Strafvollzug, Diagnostik, Re-Integration. Die Erklärung für die hohe Frequenz der Zielgruppenkategorie liegt in der— innerhalb der Behindertenpädagogik sehr ausführlich geführten— Diskussion um die Haltetherapie bei Autismus, was wiederum mit dem Forschungs
Tab. 4: Aufsplittung der Kategorie Interventionen in Unterkategorien
VHN SP ZfH
Gesamt 1 Therapie Beratung Elternarbeit VM
KVM Sonstige
| WO Il= 1 1600 OWN!== 0
m
HF BHP n%
—
D»NNUN-—- N
45
7 152 6 13.0 4 8.7 8 17.4 8 17.4 2 28.3
1A IN
—
VHN= Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete; SP= Sonderpädagogik; ZfH= Zeitschrift fürHeilpädagogik; HF= Heilpädagogische Forschung; BHP= Behindertenpädagogik; VM= Verhaltensmodifikation; KVM= Kognitive Verhaltensmodifikation
schwerpunkt eines Herausgebers der Behindertenpädagogik, der als Experte für Autismus gilt, in Zusammenhang stehen kann, andererseits damit, daß das Problem der Haltetherapie als“brennende Frage der Gegenwart” angesehen wird. Der hohe Anteil an Arbeiten zur Integration steht in Übereinstimmung mit dem Untertitel der Behindertenpädagogik (“Integration Behinderter”), wenn auch die Abstinenz der Behindertenpädagogik bezüglich der Themenkomplexe ReIntegration und Prävention als thematisch in der Nähe liegende Fragebereiche sehr irritieren muß. Das Ziel, gesellschaftliche Zusammenhänge aufzuzeigen, kommt bei einigen mittelmäßig stark besetzten Kategorien zur Geltung; enttäuschend ist allerdings— gemessen am eigenen Anspruch der Behindertenpädagogik— das publizistische Leerfeld bei den Kategorien Strafvollzug und Institutionen.:
Dader Aspekt der Interventionen sowohl fachlich wie auch publizistisch von besonderem Interesse ist, seien abschließend dazu Einzelergebnisse mitgeteilt (vgl. Tab. 4).
Danach scheinen Verhaltensmodifikation und kognitive Verhaltensmodifikation in den Arbeiten am stärksten vertreten gewesen zu sein, gefolgt von den mehr psychodynamischen bzw. tiefenpsychologischen Therapiekonzepten. Elternarbeit und Beratung spielen demnach keine überragende Rolle, wie auch andere Konzepte, die überdies vermehrt nur in der Zeitschrift für Heilpädagogik zu finden sind.
HEILPÄDAGOGISCHE FORSCHUNG Band XVII, Heft 1, 1992
Beantwortung der Fragestellung und Implikationen für die Verhaltensgestörtenpädagogik
1. Von 1221 erschienenen Arbeiten zur Sonderpädagogik ist die Verhaltensgestörtenpädagogik mit 283 Publikationen vertreten, was einem Prozentsatz von 23% entspricht. Über die untersuchten zehn Jahre hinweg gibt es deutliche Häufigkeitsschwankungen mit einer abwärtsweisenden Tendenz.
2. Das Interesse verteilt sich nicht gleichmäßig über das Gesamtspektrum der fachrelevanten Inhalte. So sind die Kategorien Interventionen, Integration und Zielgruppenprobleme stark überrepräsentiert, während unterrichtliche und berufliche Aspekte sowie Re-Integration, Institutionen, Mehrfachbehinderung, Prävention, Ätiologie, Diagnostik selten vertreten sind.
3. Empirische Arbeiten haben an der Gesamtheit der Veröffentlichungen einen Anteil von 21%. Allerdings gibt es zwischen den Zeitschriften eine große Variabilität, die von 7% bis 53%— bezogen auf die Einzelzeitschriften— reicht. Der empirische Anteil von Publikationen blieb im vergangenen Jahrzehnt relativ konstant.
4. Zwischen den Zeitschriften sind Unterschiede erkennbar, was die Zuwendung zu Inhaltskategorien der Verhaltensgestörtenpädagogik angeht. Diese Schwerpunktsetzungen scheinen z.T. mit der Konsumentenerwartung
19