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Heilpädagogische Forschung : Zeitschrift für Pädagogik und Psychologie bei Behinderungen
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Heinrich Tröster& Michael Brambring+ Spiele und Spielmaterialien blinder unde sehender Kinder

Tab. 3: Spielstufen blinder und sehender Kinder

Spielstufen Blinde Kinder (bis 72 Monate) M SD Körperbezogenes Spiel ZZ (n= 0) Undifferenzierte 15.7 7.0 Objektmanipulationen(n=34) Relationale 25.6 2 Objektmanipulationen(n=18) Funktionale 39.6 13.1 Objektmanipulationen(n=19) Rollenspiel 55.2 14.4 (n=20)

Sehende Kinder t-Wert df pP (bis 48 Monate) M SD F-Wert P (n=0) A

8.3 15 2.96 41<.01 (n= 9) 22.06<.001 12.6 3.0 4.19 232<.001 (n=14) 14.45<.001 24.0 10.4 4.01 34.03<.001 (n=18) 1.57 ns 34.5 8.3 6.57 SO<.001 (n=32) 3.03<.01

Anmerkungen: Durchschnittliches Alter der Kinder in Monaten und Standardabweichungen. n= Anzahl der Kinder, für die die entsprechende Spielstufe angegeben wurde. F-Test zur Überprüfung der Varianzhomogenität; t-Test für homogene bzw. heterogene Varianzen zur

Überprüfung der Mittelwertunterschiede.

fälle) aufwiesen und die 3) zum Zeit­punkt der Erhebung älter als 6 Jahre alt waren.

Insgesamt konnten die Elternangaben von 91 blinden Kindern im Alter von 4 bis 72 Monaten in der Auswertung be­rücksichtigt werden. Davon waren 73 Kinder im Alter bis 48 Monaten(41 Jungen, 32 Mädchen; M= 23.8 Monate) und 18 Kinder 49 bis 72 Monate alt(10 Jungen, 9 Mädchen; M= 60.9 Monate). Keines der 91 Kinder verfügte über eine bessere Sehfähigkeit als Hell-Dunkel­Unterscheidung. 50.8% der Kinder wa­ren vollständig blind, 31.7% hatten nur auf einem Auge Lichtscheinwahrneh­mung, während bei 17.5% eine präzise Angabe, ob Lichtscheinwahrnehmung oder völlige Blindheit vorlag, nicht mög­lich war.

Bei 7.6% der Kinder lag eine Mißbildung des Auges vor, bei 12.8% eine Schädi­gung des Sehnervs. 6.1% der Kinder wiesen eine Schädigung der äußeren Augenpartien auf und bei 67.7% der Kin­der war die Blindheitsursache eine Netzhautablösung. Innerhalb der letzten Gruppe lag bei 45.2% eine Retinopathie prämaturorum(RPM) früher retrolen­tale Fibroplasie(RLF) bezeichnet vor. Die Mehrzahl dieser Kinder waren extre­me Frühgeburten(Geburtsgewicht unter 1000 g und Schwangerschaftsdauer we­niger als 30 Wochen). Für diese Kinder wurde für die Altersberechnung bis zum 2. Lebensjahr das Alter gemäß der Früh­geburtszeit korrigiert?. Alle Kinder wie­

sen nach Elternauskunft keine weiteren schwerwiegenden Komplikationen auf. Von den insgesamt 122 sehenden Kin­dern(Rücklaufquote 88.4%) wurden 73 Kinder ausgewählt, die hinsichtlich Al­ter und Geschlecht und hinsichtlich Sozi­alstatus der Eltern und Größe des Wohn­orts mit der Stichprobe der blinden Kin­der bis 48 Monate am besten überein­stimmten. Von den 73 sehenden Kindern im Alter von 4 bis 48 Monaten waren 41 Jungen und 32 Mädchen;(M= 24.6 Monate). Die statistische Überprüfung (Chi-Quadrat-Tests) bestätigte die ge­lungene Parallelisierung für alle gebilde­ten Al-tersgruppen, so daß von vergleich­baren Stichproben bezüglich der einzel­nen Merkmale ausgegangen werden kann.

Bevorzugte Spielform

Tabelle 3 zeigt das durchschnittliche Al­ter der sehenden und blinden Kinder in Abhängigkeit von der angegebenen Spiel­stufe für das Kind.

Für alle Spielstufen ergaben sich signifi­kante Unterschiede zwischen blinden und sehenden Kindern. Die Altersunterschie­de zwischen blinden und sehenden Kin­dern vergrößerten sich mit ansteigender Spielstufe(Schereneffekt). Bezogen

2 Die Alterskorrektur wurde durch Abziehen der Zeit, die das Kind zu früh geboren wurde, vom Lebensalter erreicht.

HEILPÄDAGOGISCHE FORSCHUNG Band XVII, Heft 1, 1992

auf den Altersdurchschnitt in den einzel­nen Spielstufen wiesen blinde Kinder mit Ausnahme der Spielstufefunktiona­le Objektmanipulationen eine signifi­kant höhere Varianz auf.

Lieblingsspielsachen und Lieblingsbeschäftigungen

Zur Überprüfung der Beurteilerüber­stimmung hinsichtlich der Kategorisie­rung der Lieblingsspielsachen und-be­schäftigungen wurde eine Zufalls­stichprobe von 20 Fragebögen von Eltern blinder und sehender Kinder unabhängig voneinander von zwei Beurteilern aus­gewertet. Die prozentuale Übereinstim­mung lag bei der Kategorisierung der Lieblingsspielsachen bei 90%; bei der Kategorisierung der Lieblingsbeschäf­tigungen(Alleinspiel) bei 79%. Die Über­einstimmung bei der Zuordnung der Lieblingsspielsachen kann bei 13 Kate­gorien als hoch, bei der Zuordnung der Lieblingsbeschäftigungen bei 17 Kate­gorien als befriedigend bezeichnet wer­den.

Es wurde überprüft, ob unterschiedlich viele Eltern blinder und sehender Kinder Angaben bezüglich der Lieblingsspiel­sachen und-beschäftigungen machten. Außerdem wurde die durchschnittliche Angabenhäufigkeit von Eltern blinder und sehender Kinder verglichen.

Nur zum Spiel mit Geschwistern oder anderen Kindern ergaben sich signifi­kante Unterschiede zwischen Eltern mit blindem oder sehendem Kind. In der Gesamtstichprobe der Kinder bis 48 Mo­nate machten nur 39.7% der Eltern mit blindem Kind, 78,1% der Eltern mit se­hendem Kind eine Angabe(Chi-Quadrat (1, N= 146)= 22.18, p<.001). Eltern blinder Kinder mit einer oder mehreren Angaben gaben durchschnittlich signi­fikant weniger Antworten(M= 1.59) zum Geschwister- oder Gleichaltrigen­spiel als Eltern sehender Kinder(M= 1.95; U= 620, p<.05) ab.

Tabelle 4 zeigt den Prozentanteil blinder und sehender Kinder mit einem oder mehreren Lieblingsspielsachen der ver­schiedenen Kategorien.

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