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Heilpädagogische Forschung : Zeitschrift für Pädagogik und Psychologie bei Behinderungen
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tolerieren, ohne daß die Arbeitsinten­sität und das emotionale Klima beein­trächtigt werden. Das Gegenteil ist viel­mehr der Fall, wie die Vergleiche mit den Parallelklassen, aber auch andere Unter­suchungen zeigen(Berliner 1979, nach Gage& Berliner 1986; Berg& Ascione 1982; Wheldall& Glynn 1989).

Mit der vermehrten Kontaktnahme geht auch ein häufigeres Zuschauen und Zu­hören gerade der behinderten Schüler einher, Damit ist eine zentrale Voraus­setzung für Modellernen geschaffen, dem eine sehr hohe Bedeutung im Lern­und Erziehungsprozeß überhaupt zu­kommt.

Die gegenseitige Unterstützung erweist sich in den Integrationsklassen als gut

Literatur

entwickelt. Vor allem ist das Ausmaß der erhaltenen Hilfe deutlich höher als das der erbetenen. Dies bedeutet, daß Hilfe in der Regel ohne gesondertes Bit­ten, gewissermaßen als Selbstverständ­lichkeit, angeboten wird. Verweigerung (erfaßt wurde lediglich die Ablehnung von verbalem Kontakt) kommt äußerst selten vor. Auch wenn die vorliegende Untersuchung nicht direkt mit der von Krappmann und Oswald(1988) über das Helfen unter Kindern vergleichbar ist, läßt sich doch sagen, daß die dort berichteten Probleme bei Hilfesituatio­nen unter den Bedingungen der integra­tiven Erziehung von ganz untergeordne­ter Bedeutung sind.

Die soziale Kompetenz drückt sich auch in der Zahl von gegebenen und erhalte­nen Zuwendungen aus. Hieran sind die be­hinderten Schüler noch stärker beteiligt als die nichtbehinderten. Aus verschie­denen Untersuchungen über Freund­schaftsbeziehungen(Gottman 1983) ist bekannt, daß für den Erhalt von sozialer Anerkennung gerade auch das Geben entsprechender Verstärker wichtig ist. Die vorliegenden Befunde weisen nicht nur darauf hin, daß verschiedene der beobachteten Merkmale relevante Vor­aussetzungen für integrative Erziehung darstellen. Sie belegen vielmehr, daß im gemeinsamen Unterricht soziale Integra­tion unmittelbar praktiziert wird.

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Anschrift des Verfassers:

Prof. Dr. Dieter Dumke Seminar für Psychologie Universität Bonn Römerstraße 164 D-5300 Bonn 1

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26 HEILPÄDAGOGISCHE FORSCHUNG Band XVII, Heft 1, 1991