Integration und gemeinsame Erziehung bei lehrer- und kindzentriertem Unterricht
Von Theodor Hellbrügge
Seit der Bildungsreform— speziell dem Gutachten des Deutschen Bildungsrates— finden sich im Rahmen des Schulwesens zwei Tendenzen:
1. Ein extremer Ausbau unseres Sonderschulwesens, der dazu geführt hat, daß schwächere Kinder frühzeitig in Förderschulen oder Sonderschulen abgesondert werten.
2. Der Versuch der Integration, d.h. die Eingliederung von wie auch immer geschädigten oder behinderten Kindern in das normale Schulsystem.
Der Ausbau des Sonderschulsystems geht letztlich
auf die Grundsituation des lehrerzentrierten Unter
richts zurück, bei dem eine Klasse ein bestimmtes
Pensum gleichzeitig unter Aufsicht des Lehrers erle
digt. In diesem Rahmen ist eine gemeinsame Erzie
hung stärkerer und schwächerer Schüler nur unter größten Schwierigkeiten denkbar.
Beim kinderzentrierten Unterricht bestehen keine
Schwierigkeiten, schwache und starke, mehrfach
und verschiedenartig behinderte, auch sogenannte
geistigbehinderte Kinder gemeinsam mit nichtbehinderten, auch hochintelligenten Kindern erfolgreich zu unterrichten. Der Vorteil dieses Systems liegt in den sozialen Lernprozessen, die schwache und starke
Kinder durch Helfen zur Selbständigkeit erziehen
und damit auch ihre kognitiven Lernprozesse positiv
beeinflussen.
Since the reform of educational policy during the seventies, especially represented in the comments of the German Council on Education(Deutscher Bildungsrat), two contradictory tendencies can be observed: first, an expansion of the system of special schools with the consequence of an early selection of handicapped children, and second, the attempt to integrate these children into regular schools.
The expansion and differentiation of special schools can be ultimately reduced to the principles of a teacher-centered education. One class must simultanously study a single topic under the direction of one teacher. Under these conditions, it is hard to imagine a common education of handicapped and non-handicapped children.
In contrast in child-centered education there are no difficulties in successfully teaching very different (e.g. educable mentally retarded, non-handicapped or even gifted) children in common. The advantages of this type of education lie in the social learning processes, which lead the children to independence by helping other children and thus promote their cognitive learning.
Mit der Schrift„Zur pädagogischen Förderung behinderter und von Behinderung bedrohter Kinder und Jugendlicher“ veröffentlichte 1973 der Deutsche Bildungsrat eine Empfehlung, nach der eine gemeinsame Unterrichtung behinderter und nichtbehinderter Kinder und Jugendlicher soweit wie möglich realisiert werden sollte. Damit stellte sich die
Empfehlung— wie bereits Muth(1975, S.25—23) ausführte—„im Gegensatz zum traditionellen Schulwesen, das die behinderten Schüler je nach ihrer Behinderungsart in neun verschiedene Formen des Sonderschulwesens isoliert hat‘‘.
HEILPÄDAGOGISCHE FORSCHUNG Band XVII, Heft 1, 1991
Fortentwicklung des Sonderschulsystems
Seitdem hat sich der Gedanke der Integration im Bereich der Schule keineswegs entsprechend der Empfehlung fortentwickelt, während das Sonderschulsystem mit der Absonderung wie auch immer„schulbehinderter‘‘ Kinder
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